Fall Böttstein
Für Ammänner-Präsidentin ist Patrick Gosteli «eher ein Winkelried»

Für Renate Gautschy, Präsidentin der Aargauer Gemeindeammänner-Vereinigung, ist klar: Die Ammänner sollen mehr verdienen. In keinem anderen Kanton werde in der Gemeindepolitik so viel ehrenamtliche Arbeit geleistet.

Urs Moser
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Renate Gautschy, die Präsidentin der Ammännner-Vereinigung, und Patrick Gosteli, Ammann von Böttstein. (Archiv)

Renate Gautschy, die Präsidentin der Ammännner-Vereinigung, und Patrick Gosteli, Ammann von Böttstein. (Archiv)

Emanuel Freudiger/Alex Spichale

Mit dem Begehren, seine Entschädigung von 51 000 auf 105 000 Franken mehr als zu verdoppeln, sah sich der Gemeindeammann von Böttstein unvermittelt in der Rolle des Buhmanns der Nation, des Abzockers. Den «gierigsten Politiker der Schweiz» nannte der «Blick am Abend» Patrick Gosteli.

Für Renate Gautschy, Präsidentin der Aargauer Gemeindeammännervereinigung, ist Gosteli eher ein Winkelried. Denn für sie ist klar: Um die Diskussion, die in Böttstein geführt wird, werden auch viele andere Gemeinden nicht herumkommen.

In kaum einem anderen Kanton seien den Gemeinden so viele Aufgaben überlassen wie im Aargau, gleichzeitig sei er der Kanton mit dem höchsten Anteil an ehrenamtlicher Arbeit in der Gemeindepolitik.

Bei tendenziell wachsenden und komplexer werdenden Aufgaben für Kommunalpolitiker ist das Fazit schnell gezogen: Auf Dauer kann das nicht mehr aufgehen, der Trend muss Richtung Professionalisierung gehen. Was die Entschädigungssystem von Gemeinderäten und Ammännern betrifft, sei man im Aargau aber eher auf dem Stand der Entwicklung von vor 20 Jahren, konstatiert Renate Gautschy.

«Eine souveräne Lösung»

Ob der Aufwand für das Ammannamt in einer 3700-Seelen-Gemeinde wie Böttstein nun gleich mit einem 70-Prozent-Pensum statt wie bisher mit 30 Prozent zu veranschlagen ist, ist eine andere Frage. Den Entscheid der Böttstemer Gemeindeversammlung, die Besoldungsfrage zur Neubeurteilung an den Gemeinderat zurückzuweisen, ist für die Präsidentin der Aargauer Gemeindeammänner darum eine «souveräne Lösung».

Renate Gautschy wertet das als Signal, durchaus über Böttstein hinaus: Dafür, dass man Handlungsbedarf erkennt, nur nicht gleich in der Grössenordnung, wie sich das der Gemeinderat in Böttstein vorgestellt hatte. Hätte man hingegen seine Anträge einfach versenkt, wäre das ein Signal gewesen, dass die Entschädigungsfrage wohl auf Jahre hinaus tabu bleibt.

«Die Rückweisung ist für uns in Ordnung», sagt denn auch Böttsteins Vizeammann Bruno Rigo. Es sei nicht so, dass in der Bevölkerung gar kein Verständnis für das Anliegen da sei. Auf der anderen Seite habe der Gemeinderat zur Kenntnis zu nehmen, dass eine Aufbesserung der Entschädigung in der geforderten Höhe nicht goutiert wird.

«Ammann sein ist kein Schleck»

In der Tat: «Zugegeben, Gemeindeammann oder Gemeinderat zu sein, ist kein Schleck», hiess es etwa an der Gemeindeversammlung. Nur eben auch: «Aber eine solche Erhöhung für den Ammann ist unverhältnismässig.»

Demokratiezentrum-Direktor: «Entlöhnung ist im Rahmen»

105 000 Franken für ein Teilzeitpensum von 70 Prozent: So viel sollte Patrick Gosteli, der Gemeindeammann von Böttstein, neu verdienen. Dies hat ihm das Volk allerdings verwehrt (siehe Haupttext). Umgerechnet sind das 150 000 Franken für eine Vollzeitstelle. Für Daniel Kübler, Direktor des Zentrums für Demokratie in Aarau, liegt diese Entlöhnung «im Rahmen».

Ein Gemeindeschreiber verdiene ähnlich viel, und dieser sei nicht demokratisch gewählt. Für ihn ist nicht die Frage nach dem Lohn entscheidend, sondern ob das Amt des Gemeindeammanns professionalisiert werden soll oder nicht: «Wenn eine Person das Amt hauptberuflich ausübt, muss das auch entsprechend entlöhnt werden.»

Falls der Gemeindeammann sein Amt nur nebenberuflich ausübe, müssten ihm die Aufgaben von Gemeindeangestellten in der Verwaltung abgenommen werden. «Ob das insgesamt günstiger kommt, ist eine andere Frage», so Kübler. (fam)

Wo ein Kompromiss liegen könnte, lässt man in Böttstein vorderhand offen. Ammann Gosteli zieht es vor, sich momentan gar nicht mehr zu dem Geschäft zu äussern. «Der Gemeinderat hat den Auftrag, eine neue Lösung zu präsentieren. Mehr habe ich dazu nicht zu sagen», so Gosteli

Der Ammann müsse sich ja auch nicht selber um jedes Detail kümmern, wurde in Böttstein moniert. Ammänner-Präsidentin Renate Gautschy sieht allerdings genau darin einen Grund, weshalb ihre Kollegen ein steigendes Pensum für das Amt veranschlagen: Um überhaupt noch Kandidaten für ein Gemeinderatsmandat zu finden, habe sich das zeitliche Engagement oft auf die Ratssitzungen zu beschränken. Was daneben anfalle, müsse mehr als früher der Ammann allein übernehmen.

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