Unterstützungsarbeit
Fünf Monate nach verheerendem Unwetter: Ende März hilft die Armee in Bottenwil

Noch immer sind viele Schäden des Unwetters vom Sommer nicht behoben. Betroffen ist vor allem die kleine Gemeinde Bottenwil. Ammann Heinz Gerber bittet die Bevölkerung in einem Brief um Geduld und zeigt vorhandene Probleme auf.

Raphael Nadler und Flurina Dünki
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Über fünf Monate sind seit den verheerenden Unwettern in der Region Zofingen vergangen. In Bottenwil gäbe es immer noch Hangrutsche, beschädigte Flurwege und Bachufer, die auf ihre Instandstellung warteten, schreibt Gemeindeammann Heinz Gerber (parteilos) in einem Brief an die Bottenwiler Bevölkerung. «Diese Schäden zu sanieren, wird in der nächsten Zeit die grosse Herausforderung sein.»

Der Gemeinderat sei mit den kantonalen Stellen betreffend Kostenbeteiligungen an der Sanierung der Strassen und der Hangrutsche in Kontakt. Sobald die finanzielle Frage geklärt sei, würden die Arbeiten ausgeführt.

Gemeindeammann Heinz Gerber.

Gemeindeammann Heinz Gerber.

UHG

«Das Unwetter vom 8. Juli hat in Bottenwil bis heute ungedeckte Kosten von geschätzt über einer halben Million Franken verursacht», schreibt Gemeindeammann Gerber weiter. «Die Einsätze der Feuerwehr und des Zivilschutzes sind darin allerdings nicht enthalten.» Diese alleine hätten mehrere hunderttausend Franken Soldkosten generiert. Die Kosten des Zivilschutzes können über die Erwerbsersatzkasse abgerechnet werden, heisst es im Schreiben des Gemeindeammanns.

Der Gemeinderat sei auch mit den Versicherungen und mit weiteren Organisationen betreffend Beteiligung an den Unwetterkosten im Gespräch. «Es laufen Verhandlungen mit den beteiligten Amtsstellen über die Vorgehensweise bezüglich der Instandsetzung», schreibt Heinz Gerber. «Diese Abklärungen gestalten sich als sehr schwierig und träge, da zuerst die Prozesse definiert werden müssen.»

Bottenwil: Das Unwetter und seine Folgen
4 Bilder
Hier neben dem Holzschopf kam ein Teil der Erdmassen runter.
Dort wo vor dem Unwetter seine Kuhweide war und jetzt Plastikblachen den übrig gebliebenen Sandstein abdecken.
Noch sind Maler dabei, die durch das Unwetter verursachten Schäden an der Hausmauer zu reparieren und neu zu streichen.

Bottenwil: Das Unwetter und seine Folgen

SEVERIN BIGLER

Armee wegen Bondo verhindert

Auf Ende März ist ein Einsatz der Armee geplant, wie der Ammann auf Anfrage sagt. «Die Spezialisten für Hangsicherung haben definierte Zeitfenster, und inzwischen gilt der Einsatz nicht mehr als Katastrophenhilfe, sondern als Unterstützungsarbeit.» Wegen des Erdrutsches in Bondo waren die Armeespezialisten im Sommer nicht verfügbar.
Abklärungen bei der Glückskette hätten ergeben, das Bottenwil beitragsberechtigt sei. Die genauen Zahlen können aber erst berechnet werden, wenn die Restkosten für Bottenwil bekannt sind.

In diesem Zusammenhang macht der Gemeinderat nochmals darauf aufmerksam, dass sich auch Privatpersonen bei der Caritas – sie ist zuständig für die Anträge an die Glückskette – melden können. Informationen dazu findet man auf der Gemeinde-Website. «Noch werden fast keine Anträge an die Glückskette gestellt», sagt Gerber. Er wisse erst von einer Person, die einen Antrag gestellt habe. Ein Grund dafür sei, dass die meisten noch nicht wissen, wie hoch die Restkosten nach Abzug der Versicherungssumme seien. «Andererseits schämt man sich wohl, Spendengelder anzunehmen.» Dem will der Amman nun entgegenwirken. «Ich kenne Leute, die gewiss die Voraussetzungen erfüllen und diese halte ich an, sich bei der Glückskette zu melden.»

Zusätzlich zu den Schadenskosten kommen auf viele Bottenwiler noch weitere Aufwände zu: Nach den Unwetterschäden fordert die Aargauische Gebäudeversicherung (AGV) nun von einigen Liegenschaftseigentümern den Bau präventiver Hochwasserinstallationen und verknüpft die Bedingung direkt mit dem künftigen Versicherungsschutz. «Das ist ein ziemlicher Kostenpunkt. Ich kenne jemanden, der einen 70 Zentimeter hohen Erdwall bauen muss», sagt Gerber.

Bewältigungsarbeit dauert fort

Am 8. Juli ging ein Unwetter über die Region Zofingen, das als 300-jähriges oder selteneres Ereignis gewertet wurde. Es verursachte Schäden von total über 100 Millionen Franken. Ein solcher Starkregen wurde in dieser Region bisher nie dokumentiert «Es ist ein Ereignis, bei dem viel Neuland in der Bewältigung betreten werden musste», schreibt Gemeindeammann Heinz Gerber abschliessend. Und es wird noch lange dauern, bis die Narben überall verheilt sind.

Merkblatt zu den Hilfeleistungen der Glückskette und Caritas

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