Verurteilt
Fünf Jahre Knast für türkischen Betrüger Millionenbetrüger

Von Aarburg aus hat ein türkischer Unternehmermittels Bestellungsbetrügendiverse Grosslieferanten um rund 1,2 Millionen Frankengebracht. Jetzt muss er für fünf Jahre hinter Gitter.

Attila Szenogrady
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Türkischer Geschäftsführer muss 5 Jahre in den Knast.

Türkischer Geschäftsführer muss 5 Jahre in den Knast.

Keystone

Der türkische Geschäftsführer aus der Region Niedergösgen zeigte sich vor dem Bezirksgericht Zürich nicht geständig und bezeichnete sich als unschuldig. In der Untersuchung hatte er eine Verschwörung von Landsleuten geltend gemacht, verweigerte allerdings vor den Schranken jegliche weitere Aussagen dazu. Anders sah es die Staatsanwaltschaft, die dem verheirateten Familienvater Bestellungsbetrüge im grossen Stil vorwarf.

Via Gastrofirma in Aarburg

Laut Anklage gründete der Beschuldigte im Juni 2004 eine Gastrofirma in Aarburg und richtete darauf zwei Lagerhallen in Rothrist und Rheinfelden ein. Der Dreh war danach einfach, aber wirkungsvoll. So gab er bei mehreren Grosslieferanten massenweise Bestellungen auf und bezahlte die ersten Warenposten für insgesamt über 193000 Franken überpünktlich. Mit der Folge, dass die Zulieferer dem neuen Grosskunden Vertrauen schenkten.

Dann gab der Beschuldigte noch grössere Bestellungen auf. In erster Linie Getränke, Spirituosen sowie Tabakwaren. Doch diesmal blieben die Grosshändler auf ihren Rechnungen sitzen. Zu den geprellten Geschädigten gehörten Unternehmen wie Feldschlösschen, Evian oder gar die EDV-Firma Dell, welche dem Beschuldigten rund 25 Laptop-Computer für über 86000 Franken ins Haus lieferte. Als die Polizei den verzeigten Geschäftsführer am 5. August 2008 festnahm und er für 206 Tage in der Untersuchungshaft verschwand, betrug der Schaden bereits über 1,2 Millionen Franken. Zum Hauptopfer zählte der Getränkeriese Coca-Cola mit einem Verlust von über 200000 Franken. Den Grossteil der nicht bezahlten Waren hatte der Kaufmann zu Dumpingpreisen abgesetzt.

Verteidigung für Freispruch

Die Staatsanwaltschaft verlangte für den Unternehmer wegen gewerbsmässigen Betrugs eine unbedingte Freiheitsstrafe von vier Jahren. Zudem sollte er 250 000 Franken dem Staat abliefern. Vor Gericht hinterliess der mehrfach vorbestrafte Angeschuldigte einen zwiespältigen Eindruck. Obwohl der ehemalige Ringer bereits seit 1994 – dank der Heirat mit einer türkischstämmigen Eidgenössin – in der Schweiz lebt, kann er kaum ein Wort Deutsch.

Der zuständige Verteidiger verlangte einen vollen Freispruch und stellte seinen Klienten als Opfer von kriminellen Machenschaften von dubiosen Landsleuten dar. Die Beweislage der Staatsanwaltschaft stufte der Anwalt als zu dünn ein.

Strafe auf fünf Jahre erhöht

Bei der Urteilseröffnung erlebte der Türke eine böse Überraschung. So kam das Gericht in den meisten Punkten nicht nur zu Schuldsprüchen, sondern ging auch mit fünf Jahren Freiheitsentzug aufgrund des erheblichen Verschuldens deutlich über den Antrag der Anklage hinaus. Zudem soll der Mittdreissiger den geprellten Firmen den gesamten Schaden zurückerstatten. Nicht zuletzt muss er dem Staat als Ersatzforderung 35 000 Franken abliefern.

Das Gericht sprach von einer klaren Beweislage. Der Beschuldigte habe seinen Zahlungswillen verschwiegen und damit die Geschädigten aktiv getäuscht, erklärte der Vorsitzende zum Schluss.