1:12-Initiative

Für Wermuth würde der Schweizer Fussball mit 1:12 interessanter

Wermuth und Schweizer Fussball.jpg

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Bei einem Ja zur 1:12-Initiative wären auch die Saläre der Spitzensportler betroffen. 1:12-Initiant Cédric Wermuth findet das richtig. Weil der FC Basel die besten Spieler zusammenkaufe, sei der Schweizer Fussball langweiliger geworden.

Die 1:12-Initiative der Juso lässt niemanden kalt. Dies zeigte sich gestern Abend in Aarau an einem von der Aargauischen Industrie- und Handelskammer und der SP organisierten, gut besuchten Podium. Für das Nein-Komitee betonte SVP-Präsident Thomas Burgherr, extrem hohe Managerlöhne seien eine Frechheit. Er erwartet aber, dass die Gesellschaft dieses Problem auch ohne 1:12-Initiative lösen wird. Tatsächlich fand der Gesprächsleiter, az-Chefredaktor Christian Dorer, im ganzen Saal keinen einzigen Befürworter so hoher Löhne.

Dass das Problem ohne Initiative gelöst werden kann, glaubt SP-Nationalrätin Yvonne Feri allerdings nicht: «Wenn man bei Lohntransparenz und Gleichstellung etwas freiwillig erwartet, kommt man nicht vorwärts.» 150 000 Working Poor zeigten, dass die Wirtschaft die Löhne eben nicht gut regle. Initiant und SP-Nationalrat Cédric Wermuth doppelte nach: «Alle sagten, wir lösen das Problem. Doch nichts geschah. So lancierten wir die Initiative. Wer die Abzockerei stoppen will, kann nur Ja stimmen.» Studien, wonach die Initiative den Staat Milliarden kosten könnte, glaubt er überhaupt nicht.

«Riesiger bürokratischer Aufwand»

Die Wirkung der Initiative beurteilen Peter A. Gehler, Mitglied der Geschäftsleitung Siegfried Holding AG, und BDP-Nationalrat Bernhard Guhl gänzlich anders. Die Löhne sollen weiterhin zwischen den Sozialpartnern ausgehandelt werden. Guhl: «Ich will keine staatliche Lohnkontrolle. Davon wären kleine und mittlere Unternehmen mitbetroffen, auch wenn es dort keine solchen Lohnunterschiede gibt.» Doch auch sie müssten dies künftig nachweisen. Guhl: «Das gäbe riesigen bürokratischen Aufwand.» Im übrigen gäbe es genug Schlupflöcher für die Wirtschaft.

Dann wäre es also gar nicht so schlimm für sie? hakte Dorer nach. «Es wäre falsch, etwas in die Verfassung zu schreiben, das man so leicht umgehen könnte», parierte Guhl. Es wäre schlimm, davon ist Peter A. Gehler überzeugt. Unser System habe uns einen unglaublichen Wohlstand gebracht. Gehler: «Alle Länder, die Herrn Wermuths Rezepte anwendeten, haben die grössten Probleme.» Er ist überzeugt, dass die Initiative riesige Ausfälle bei Steuern und Sozialwerken brächte. Mit Blick auf 1:12, Mindestlohn-, Ecopop-Initiative usw. graut es ihm: «Wenn die Wirtschaft weiter in der ersten Liga spielen soll, brauchen wir liberale Verhältnisse.»

FCB nicht mehr europäisch?

Das alters- und sympathiemässig gut gemischte Publikum forderte das Podium mit vielen Fragen. In der Beantwortung wurde deutlich, dass auch Spitzenverdiener im Sport betroffen wären. Wermuth fände das richtig. Gerade weil der FC Basel die besten Spieler kauft, sei der Schweizer Fussball nicht mehr interessant. Guhl hat eine andere Perspektive: Mit der 1:12-Initiative könnte Basel nicht mehr auf europäischem Niveau spielen.

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