Genug ist genug. Das sagen die Aargauer Bauern zur ständig zunehmenden Ökologisierung ihres produktiven Kulturlandes.

Am Mittwochabend fassen sie an ihrer Generalversammlung in Möhlin eine Resolution dazu – zweifellos mit grosser Mehrheit.

Stärkung der Aargauer Landwirtschaft heisst für den Bauernverband Aargau (BVA): höhere Eigenversorgung, weniger Importe und aufgewertete Ökoflächen.

«Statt der vom Bund geforderten 7 Prozent hat der Aargau schon 11 Prozent Ökoflächen», betont Geschäftsführer und CVP-Grossrat Ralf Bucher.

Wenn man noch die Naturschutzgebiete, die Auen und die Hochstammbäume dazunehme, komme der Kanton auf 10 400 Hektaren für die Natur – die vielen Wälder gar nicht eingerechnet. Statt noch mehr Ökoflächen auf Kosten des Ackerlandes verlangt die Resolution einen Stopp.

Verlust von Direktzahlungen

Das Thema brennt den Bauern unter den Nägeln, weil sie viel Geld aus den Direktzahlungen verlieren. Schon dieses Jahr sind es, gestützt auf die Agrarpolitik 2014–17 des Bundes, rund 15 Millionen Franken.

Es droht noch schlimmeres Ungemach: Total 40 Millionen Franken oder 14 000 Franken pro Betrieb gingen verloren, wenn der Kanton die Programme zur Vernetzung der Ökoflächen und der Landschaftsqualität nicht umsetzte.

Graubünden und die Innerschweizer Kantone haben das flächendeckend gemacht. Abgesehen von einem Pilotprojekt im Seetal ist der Aargau ein weisser Fleck. Ist es nicht widersprüchlich, wenn die Bauern die Ökoflächen bremsen und das Geld dafür kassieren wollen? «Nein», sagt Ralf Bucher: «Wir akzeptieren die 10 bis
11 Prozent Ökoflächen, aber statt einer laufenden Ausweitung wollen wir eine qualitative Verbesserung.»

Forderungen an die Regierung

Die Aargauer Regierung spare am falschen Ort, glauben die Bauern, denn mit einer Million Franken könne der Kanton neun Millionen Bundesmittel auslösen. Unter dem Strich sei es für den Finanzdirektor kostenneutral, weil das eingesetzte Geld durch höhere Steuererträge wieder hereinkomme. Die konkreten Forderungen an Regierung und Parlament:

Der Kanton soll genug Geld für eine effiziente und praxisnahe Umsetzung der neuen Agrarpolitik zur Verfügung stellen. Bestehende Ökoflächen sollen aufgewertet werden, auf den Ökoausgleich bei Strassenbauten sei zu verzichten. «Mit einer Motion und der Forderung von 3 Millionen Franken werden wir im Grossen Rat nachdoppeln», erklärt Ralf Bucher.

Andere Kantone sorgten schon jetzt für die Anschubfinanzen, im Aargau seien sie nur zu einem Drittel gesichert, einen Drittel bezahlten die Gemeinden, ein weiterer Drittel der Bauern gehe leer aus. Ärmere Gemeinden hätten oft gute Voraussetzungen für Ökoflächen, doch ihnen fehle das Geld. «So könnte man im Mettauertal mit 80 000 Franken eine Summe von 800 000 Franken auslösen», sagt Bucher.

Volksinitiative auf gutem Weg

Der Kampf gegen eine sinkende Eigenversorgung mit Nahrungsmitteln richtet sich auch gegen die Agrarpolitik 2014–17. Die Volksinitiative für Ernährungssicherheit will «den Extensivierungs- und Bürokratietrend auf nationaler Ebene bekämpfen». «Schon 8000 Unterschriften haben wir im Aargau gesammelt, landesweit sind bald 100 000 Unterschriften beisammen», freut sich Bucher.

98 Prozent der befragten Leute seien dafür, die Versorgung mit einheimischen Lebensmitteln zu stärken. Eine bessere Eigenversorgung sei nur möglich, wenn die intensiv bewirtschafteten Flächen nicht weiter abnähmen. «Beim Schutz des Kulturlandes für die Produktion helfen wir den Landwirten», sagt Simon Grossniklaus, stellvertretender Leiter von Landwirtschaft Aargau. Die ideelle Unterstützung ist schon da, jetzt fehlt noch die finanzielle.