Vor zwei Jahren führte das traditionelle Bundesratsreisli in den Aargau, die ganze Regierung mischte sich in Lenzburg unters Volk. Grösser kann die Magistraten-Dichte im Kanton nicht sein – doch auch dieses Jahr ist die Präsenz von Bundesratsmitgliedern hoch. Parteien und Kandidaten setzen im Wahlkampf auf die Zugkraft der Spitzenpolitiker.

So ist Bundesrätin Simonetta Sommaruga am 7. September am SP-Wahlfest auf dem Schlossplatz Aarau. «Wir haben unsere Bundesrätin eingeladen», sagt SP-Aargau-Präsidentin Gabriela Suter «Sie hat trotz vollem Terminkalender spontan zugesagt, im Aargau aufzutreten», freut sich Suter.

SP hofft auf Schwung, Burkart auf Kennenlernen

Sommaruga und die anderen Rednerinnen und Redner, darunter Ständeratskandidat Cédric Wermuth und Regierungsratskandidatin Yvonne Feri, werden laut Suter über Klimaschutz, den Kampf gegen hohe Gesundheitskosten, Job-Chancen für über 50-Jährige und die Gleichstellung sprechen. Die Parteipräsidentin erhofft sich vom Wahlfest, dass es «Schwung und Motivation für die heisse Phase des Wahlkampfs gibt. Es ist auch für die Basis eine anstrengende Zeit, da die SP momentan drei Wahlkämpfe führt», sagt sie.

Auch der FDP-Ständeratskandidat Thierry Burkart setzt auf Besuch aus Bundesbern. Am 24. September hat er Bundesrätin Karin Keller-Sutter für ein Gespräch in den Gemeindesaal Buchs eingeladen. «Ziel ist, dass die Besucher Bundesrätin Karin Keller-Sutter und auch mich besser kennen lernen.» Es sei Keller-Sutters erster Besuch im Kanton Aargau, sagt Burkart. «Sie wird sicher von ihren Erfahrungen in den ersten Monaten im Bundesrat erzählen.» Im Gespräch werde Politik ein Thema sein, aber nicht nur. «Wir sprechen auch über Persönliches.» Burkart betont, es solle ein lockerer und interessanter Anlass sein, an dem keine Wahlkampfparolen gerufen werden. So tritt zwischen den Talk-Blöcken der Badener Slam-Poet Simon Libsig auf. «Ich schätze ihn sehr, er ist ein super Künstler auf hohem Niveau», sagt Burkart.

Die CVP setzt auf Risotto, die SVP lädt Blocher ein

Hohen Besuch bekam der Aargau letzte Woche von CVP-Bundesrätin Viola Amherd. Diese kam aber nicht, um ihre Partei im Wahlkampf zu unterstützen, sondern um die Militärstandorte Brugg und Aarau zu besichtigen. Die Aargauer CVP verzichtet fast ganz auf Wahlanlässe mit politischer Prominenz: «Wir haben uns bewusst gegen grosse Veranstaltungen entschieden, sondern setzen auf viele kleine», sagt Präsidentin Marianne Binder.

Deshalb parkiert momentan der Wahlkampfbus überall im Aargau. «Wir packen die Festbänke aus und servieren Risotto», sagt Binder. «Wir sind bei der Bevölkerung, deponieren unsere Anliegen und sammeln Unterschriften für unsere Initiative gegen den Prämienanstieg.» Diese Strategie sei erfolgreich, am letzten Anlass wurden rund 150 Risottoportionen ausgegeben. CVP-Prominenz besuchte den Aargau dieses Jahr dennoch: Mitte Mai: Zusammen mit Doris Leuthard und Gerhard Pfister marschierten Delegierte der CVP Aargau durch Baden.

Bei der SVP Aargau gibt es kein Risotto, dafür sind Racletteabende und gemeinsames Grillieren geplant. Nationaler Besuch kommt am 23. August in den Reinacher Saalbau. Zum 100-Jahr-Jubiläum der SVP Bezirk Kulm nimmt alt Bundesrat Christoph Blocher an den Festivitäten teil. SVP-Nationalrätin Sylvia Flückiger hat Blocher eingeladen. «Er wird der Ehrengast der Feier sein, ein Referat halten und für Fragen zur Verfügung stehen», sagt sie. Flückiger freut sich auf einen schönen Abend mit spannenden Begegnungen, wobei der Name Blocher für einen vollen Saal sorgen dürfte.