Anfang April, die Kirschbäume stehen in voller Blüte. Das ist kein Scherz, sondern die schöne Realität des Jahres 2014. Alle freuen sich darüber: die Obstbauern, die Rebbauern, die Gartencenter und die Hobbygärtner erst recht. Denn sie können nicht früh genug zu Hacke und Spaten greifen, wenn sie im nachbarlichen Wettstreit um den ersten Frühsalat mithalten wollen.

Warum ist es so positiv, wenn die schneeweissen Kirschblüten rekordfrüh ihre volle Pracht entfalten? «Wenn die Blütezeit vorbei ist, sinkt die Frostgefahr für die Kirschen», erklärt Obstbauspezialist Othmar Eicher vom Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg. «Die Befruchtung durch die Bienen ist sehr wichtig und funktioniert jetzt dank der hohen Temperaturen sehr gut», sagt Eicher. Denn die blühenden Kirschbäume stehen fast konkurrenzlos da, es gibt erst wenig Löwenzahn, auch der Raps ist noch zurück, aber die Bienen benötigen viel Nahrung.

Das Kirschenland Fricktal sei dem übrigen Aargau drei bis vier Tage voraus. «Aber es geht alles so schnell, dass bald alle Chriesibäume im ganzen Aargau in Vollblüte stehen», betont Othmar Eicher. Die Zwetschgen- und die ersten Apfelbäume sind auch schon am Blühen. Das haben die Aprikosen längst hinter sich. Etliche Fricktaler Bauern pflanzen die süssen Früchte für Hofverkäufe an, weil sie voll ausgereift geschmacklich alles übertreffen.

Übrigens: Die frühe Kirschenblüte hat einen weiteren grossen Vorteil: «Die knackigen, roten bis schwarzen Chriesi sind bereits reif, bevor die Leute in die Sommerferien fahren», sagt Eicher. Im bisher frühesten Jahr 2011 habe dies die Nachfrage deutlich stimuliert. Je früher, desto besser sind die Erträge für Produzenten.

Schon erste Spargeln gestochen

Auf dem Widmatthof von Bauer Roland Brogli in Zeiningen sind schon die ersten paar Kilo Spargeln gestochen worden. Bleibe es so warm, könne die volle Ernte noch vor den Oster-Festtagen einsetzen. «Die Vegetation ist drei bis vier Wochen früher, aber wir müssen fleissig bewässern», betont Bäuerin Charlotte Brogli.

Von Januar bis März war es viel zu trocken, der Regen in der Nacht auf gestern Sonntag war meist nur ein Tropfen auf den heissen Stein.

Für eine sichere Bestäubung der Kirschblüten setzten Broglis erfolgreich auch zugekaufte Hummeln ein, die auch bei tieferen Temperaturen noch fliegen können. Mit einem reich bestückten Hofladen und Besuch des Marktes in Rheinfelden sind die Bauern vom Widmatthof reine Selbstvermarkter. Dank Zukäufen von Kollegen gibt es auch Gemüse, Wein und selbst Käse aus dem Urnerland.

2014 wunderbare Bedingungen

Einig sind sich alle Befragten: Das Jahr 2014 ist das pure Gegenteil des Vorjahres, als Nässe und Kälte bis in den Juni herrschten. «Letztes Jahr war die Natur drei Wochen verspätet, dieses Jahr ist sie zwei bis drei Wochen früher», betont Ralf Bucher, CVP-Grossrat und Geschäftsführer beim Bauernverband Aargau (BVA).

Die Landwirte müssten ihre Arbeit der Vegetation anpassen, dank der Trockenheit könne man im Ackerbau die Böden jetzt problemlos mechanisch bearbeiten. «Über alles gesehen, haben wir derzeit wunderbare Bedingungen», versichert Bucher.

Dieser Frühling bringt selbst langjährige Rebbauern ins Staunen. «Es ist rekordverdächtig, wenn die Knospen schon Anfang April voll in der Wolle sind», erklärt Peter Rey, Leiter der Fachstelle für Weinbau auf der Liebegg. Der Austrieb steht kurz bevor, an Hauswänden sind die Triebe schon mehrere Zentimeter lang und die kleinen Trauben sichtbar. Frühe Jahre gelten allgemein als sehr gut, weil die Vegetationszeit bis zur Ernte länger wird. Als beste Referenz gilt der hervorragende Weinjahrgang 2011, als die Reben erstmals seit Menschengedenken im Aargau schon im Mai blühten, statt Mitte Juni.

Run auf die Gartencenter

Die starke Frühlingssonne trieb auch die Hobbygärtner früh aus den Stuben. «Schon Ende Februar, Anfang März kamen die Kunden und wollten Salat- und sogar Tomatensetzlinge», sagt Co-Geschäftsleiter Johannes Zulauf vom Gartencenter Zulauf in Schinznach-Dorf. Seither habe der Besucherstrom kaum abgerissen, «es kommen massiv mehr Kunden als im letzten Jahr und auch etwas mehr als im Durchschnitt», ergänzt Zulauf. Der Renner seien dieses Jahr die Kräuter. Zu Zulaufs unglaublich breitem Angebot zählen 35 Minzen- und 50 Tomatensorten.