Demonstration
Friedlicher Aktionstag von 150 Autonomen in Aarau

Am Samstag fand in Aarau der dezentrale Aktionstag «Reclaim the City» zu mehr Freiräumen in Schweizer Städten statt. Im Unterschied zu den letzten «Tanz Dich frei»-Aktionen verlief die Veranstaltung ruhig und besonnen.

Tim Honegger
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Selbst wenn es nicht so scheint: Im politischen Untergrund Aaraus brodelt es gewaltig. Die Autonomen drängen mit einer Kampagne für ein autonomes Zentrum auf ein selbstverwaltetes Zentrum in Aarau.

Mit der Aktion «Reclaim the City» liessen sie dies am Samstag die Öffentlichkeit wissen. Auf kreative und ungezwungene Weise nahmen sie die Altstadt in Beschlag.

Freie Nutzung des Raums

Bereits am 8. Juni dieses Jahres traten die Autonomen in Aktion: 2000 Menschen schlossen sich ihnen am nächtlichen Tanzvergnügen an - 450 Polizisten begleiteten die Feiernden.

In trüber Erinnerung bleiben insbesondere die astronomischen Kosten für das - aus autonomer Sicht «völlig unverhältnismässige» - Aufgebot in der Höhe von 500 000 Franken.

Mit «Reclaim the City» wollen die Aktivisten klar machen, dass sie dies nicht hinnehmen wollen. «Die selbstbestimmte Nutzung des öffentlichen Raums darf nicht eine solche Rechnung zur Folge haben», so die Organisatoren in ihrem Flugblatt.

Mit «Reclaim the City» gelang den Aktivisten nun, was beim Tanzvergnügen von Ausschreitungen überschattet worden war: ihre Anliegen an die Öffentlichkeit zu tragen.

Der Anlass fand während des ganzen Tages statt; bereits am Mittag tummelten sich erste Aktivisten in der Altstadt. Obwohl der Anlass betont dezentral konzipiert war, waren die meisten Attraktionen in der Altstadt vorzufinden. «Hier hat es am meisten Publikum», so einer der Autonomen.

Beim Casino-Park verteilten sie kostenlos Rosen, Melonen und Brötchen - alles aus Containern gesammelt, doch in bester Qualität.

«Wir setzen ein Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft», so einer der Aktivisten.

Zudem verwandelten sie den Schlosspark mit Musik kurzerhand in ein Mini-Festivalgelände. Im Park fand später spontan eine Wasserschlacht statt - zum Unmut der sonnenbadenden Pärchen.

Polizei hatte wenig Arbeit

Mit dieser harmlosen Aktion war der Höhepunkt der Gewalt erreicht. Die Kantonspolizei war zwar mit einem bescheidenen Aufgebot von knapp 20 Beamten vor Ort, blieb aber mehrheitlich im Hintergrund.

So auch bei der Kubb-Partie mitten in der Altstadt: Vier Aktivisten spielten gegeneinander, fünf Polizisten schauten zu. Selbst als die Aktivisten den Fussball auspackten und in der Flaniermeile herumkickten, intervenierte niemand. Dennoch kam es vereinzelt zu Personenkontrollen - verhaftet wurde bis zu m späten Abend indessen niemand.

Mit «Reclaim the City» in Aarau wollten die Aktivisten zeigen, dass «nicht nur eine Handvoll Autonomer und Chaoten» ein autonomes Zentrum fordern, sondern dass dies ein breites Bedürfnis sei.

«Wir lassen uns nicht aus der Stadt drängen», so die Parole im Flugblatt. Und die Autonomen werden weiterhin für ihr Zentrum kämpfen - weitere Aktionen sind bereits in Planung.

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