Fall Milchgold

Freiämter Käserei erneut im Zwielicht: Emmentaler musste als Schmelzkäse verramscht werden

Für die Herstellung von Emmentaler gelten strenge Regeln. Sie sind in einem 6-seitigen Pflichtenheft festgehalten.

Für die Herstellung von Emmentaler gelten strenge Regeln. Sie sind in einem 6-seitigen Pflichtenheft festgehalten.

Die Freiämter Käserei Milchgold hat nicht nur zu Unrecht Bundessubventionen bezogen. Sie hat auch die Vorschriften zur Herstellung von Emmentaler nicht eingehalten. Deswegen musste der Käse zu günstigem Schmelzkäse deklassiert werden.

Die Milchgold Käse AG in Auw musste dem Bund 1,1 Millionen Franken zurückzahlen, weil sie zu Unrecht Subventionen bezogen hatte. Ausserdem hat die Aargauer Staatsanwaltschaft ein Verfahren wegen Verdachts auf Betrug eröffnet. Das ist aber noch nicht alles. Auch bei der Sortenorganisation Emmentaler läuft eine interne Untersuchung. Das bestätigt Stefan Gasser, Direktor von Emmen- taler Switzerland, auf Anfrage der AZ. Da es sich um ein laufendes Verfahren handle, könne er inhaltlich keine Stellung nehmen. «Solange die internen Abklärungen nicht abgeschlossen sind, haben wir Stillschweigen vereinbart», sagt er.

Laut Informationen der AZ geht es darum, dass die Freiämter Käserei die Milch für die Produktion von Emmentaler mit AOP-Label bei ihren Lieferanten nur jeden zweiten Tag abgeholt hatte. Das ist ein Verstoss gegen die Vorschriften des Pflichtenheftes Emmentaler. Dieses verlangt, dass die Rohmilch «maximal 24 Stunden nach der Gewinnung des ältesten Gemelkes» verarbeitet wird. Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) bestätigt dies. «Dass die Vorschriften des Pflichtenheftes Emmentaler nicht eingehalten wurden, ist während einer vom BLW durchgeführten Kontrolle der Abrechnungen der Milchgold-Lieferanten bemerkt worden», sagt Mediensprecher Jürg Jordi.

Der Zufall spielt mit

Der Bund kontrollierte die Abrechnungen sämtlicher Milchgold-Lieferanten zwischen Januar 2013 und November 2017, weil ein Milchbauer vor einem Jahr Unregelmässigkeiten bei den Abrechnungen feststellte und diese dem Bund meldete. Dass die Käserei die Milch nur jeden zweiten Tag abgeholt hatte, dürfte dem Bundesamt per Zufall aufgefallen sein. Der Bund war vor allem daran interessiert, herauszufinden, ob die Käserei zu Unrecht Subventionen bezogen hatte.

Zu kontrollieren, ob die Anforderungen des Pflichtenheftes Emmentaler eingehalten werden, ist hingegen die Aufgabe der von der Sortenorganisa- tion Emmentaler beauftragten Zertifizierungsstelle. «Wir haben den Fall deshalb an die Stelle weitergeleitet, die eine Nachkontrolle durchgeführt hat», sagt Jürg Jordi.

Die Nachkontrolle betraf ausschliesslich den Dezember 2017 und habe gezeigt, «dass es sich gemäss Sanktionenreglement um eine schwerwiegende Nicht-Konformität handelt». Das heisst: Der Käse der «Milchgold» durfte nicht als Emmentaler verkauft werden. Er musste zu Schmelzkäse deklassiert werden, weil er die Qualitätsanforderungen von Emmentaler nicht erfüllte. Laut dem Bund betrifft diese Deklassierung 324 Käselaibe. Ein Laib Emmentaler ist zwischen 75 und 100 Kilo schwer. Es geht also um über 24 Tonnen Käse. «Vorherige Kontrollen der Zertifizierungsstelle haben keine Unregelmässigkeiten ergeben», sagt Jürg Jordi.

Der Sortenorganisation Emmentaler dürfte durch diese Deklassierung ein hoher finanzieller Schaden entstanden sein. Emmentaler kann teurer verkauft werden als Schmelzkäse. Wie hoch die Schadenssumme ist und welche Konsequenzen der Milchgold Käse AG drohen, sagt Stefan Gasser von Emmentaler Switzerland nicht. Auch die Frage, warum der Zertifizierungsstelle bei den Kontrollen nicht aufgefallen ist, dass die Milch nur jeden zweiten Tag abgeholt wurde, beantwortet der Emmentaler-Direktor nicht. Dazu werde er Stellung nehmen, wenn die Untersuchung abgeschlossen ist.

Für die Konsumentinnen und Konsumenten habe keine Gefahr bestanden, obwohl die Milch nur jeden zweiten Tag abgeholt wurde, sagt Jürg Jordi vom Bund. «Die Milch muss, wenn jeden zweiten Tag geliefert wird, gemäss Lebensmittelgesetzgebung auf 6 Grad oder tiefer abgekühlt und bei dieser Temperatur gelagert werden.»

Zusammenarbeit läuft weiter

Grösster Abnehmer der Freiämter Käseproduzenten ist Emmi, wie es auf der Milchgold-Website heisst. Emmi-Sprecherin Sibylle Umiker sagt, man arbeite trotz der zu Unrecht bezogenen Subventionen und dem laufenden Verfahren der Aargauer Staatsanwaltschaft weiter mit der Freiämter Käserei zusammen. Hinter der «Milchgold» stünden die Existenzen zahlreicher Milchbauern. «Sie sind an dieser Käserei beteiligt, liefern ihre Milch dorthin, tragen aber nicht die Verantwortung für die operative Führung.» Ein überstürztes Vorgehen wäre fehl am Platz, «insbesondere da die Milchlieferanten den Sachverhalt den zuständigen Stellen gemeldet haben», sagt Sibylle Umiker. Man würde damit die Falschen bestrafen.

Zur internen Untersuchung der Sortenorganisation Emmentaler äussert sich Emmi nicht. Sibylle Umiker hält aber fest, dass die Prüfer der Sortenorganisation merken müssten, wenn sich eine Käserei nicht an die Vorschriften im Pflichtenheft Emmentaler hält.

Die AZ hat den Geschäftsführer der Milchgold Käse AG am Donnerstag mit den Vorwürfen konfrontiert und ihn um eine Stellungnahme gebeten. Er hat auf die Anfrage nicht reagiert.

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