«In den Medien werden Frauen als Kollektive dargestellt, die Männer als Individuen», sagte Politologin, Autorin und Dozentin Regula Stämpfli. Sie hielt an der 19. Offenen Frauentagung im Grossratsaal in Aarau ein Referat zum Thema «Medien-Macht – FrauenBild.» Wo sonst mehrheitlich Männer politisieren, sassen knapp 200 Frauen.

«Frauen werden in Abhängigkeit eines Mannes genannt und oft über ihren Körper definiert», sagte Stämpfli. Sie appellierte an die anwesenden Frauen, Politikerinnen nicht über ihre Körperlichkeit zu dekonstruieren. Denn so dekonstruiere man sich als Frau selbst. Sie erzählte, dass sie auf der Strasse von wildfremden Leuten angesprochen werde, die ihr sagen, sie sehe im Fernsehen besser aus. Stämpfli: «Kein Wunder, da werde ich auch stundenlang frisiert und geschminkt.»

Die Politologin, die weiss, wie es ist, in der Öffentlichkeit zu stehen und angegriffen zu werden, forderte die Frauen dazu auf, das Wagnis der Öffentlichkeit einzugehen. «Man wird nur nie kritisiert, wenn man nichts sagt und nichts schreibt. Und egal wie klug oder schön Sie auch sind, Sie werden immer kritisiert werden.»

«Wenn ich nichts sage, dann bekomme ich ein Magengeschwür», sagte Stämpfli, Autorin von «Die Vermessung der Frau», «wenn ich etwas sage, werde ich als Zicke bezeichnet.»

Ein Grundproblem sei, dass junge Frauen in den Medien nicht ernst genommen und ältere Frauen nicht wahrgenommen würden. Einen Tipp gab Stämpfli den Zuhörerinnen: «Lügen Sie wie gedruckt über Ihr Alter. Das Alter ist eine totalitäre und ideologische Gleichmachmaschine, das die Menschen auf ihre körperliche Beschaffenheit reduziert.»

Frauen sind auch Menschen

Regula Stämpfli nahm die Schweizer Medien ins Visier: Als Beispiel nannte sie eine TV-Sendung zu 40 Jahre Frauenstimmrecht. Da seien zwei Tische gewesen, auf der einen Seite Frauen, auf der anderen Männer – inklusive eines Antifeministen. Die erste Frage sei gewesen: Kommen die Männer jetzt unter die Räder? Stämpfli: «Man sieht, dass einfache Zusammenhänge nicht verstanden werden.»

Beim Stimmrecht gehe es um Gerechtigkeit, um die Feststellung, dass Frauen auch Menschen sind. «Stellen Sie sich vor, das hätte man in den USA 60 Jahre nach der Aufhebung der Rassentrennung gemacht: Schwarze an einem Tisch und Weisse an einem anderen – inklusive eines Mitglieds des Ku-Klux-Klans – und man hätte über die Demokratiebefähigung der einen oder anderen Hautfarbe gesprochen.»

Ernstes Thema - flotte Sprüche

Das Tagungsthema bietet sich durch die vielen Klischees an, sich darüber zu mokieren. Dies beherrschte Patti Basler, Slam-Poetin aus Baden. Sie begeisterte die Frauen mit ihren frechen, bösen und witzigen Sprüchen zur Situation der Frauen: «Mutter werden ist sehr schwer / Mutter-Sein wärs nichts so sehr / wenn Vater-Sein ein bisschen schwerer wär.» Basler mischt auch die Psychoanalyse auf, als sie aus ihrem Brief an einen Antifeministen las: «Du bangst und hast Angst vor der Kastration / Keine Angst, wir wollen dich nicht beschneiden / Weil wir dich um den Lohn, und nicht um den Penis beneiden.» Wie Klischees bedient werden, zeigte Basler anhand einer satirischen Blattkritik des «Blicks am Abend».

Die Hassfrage der «Wir Eltern»-Chefredaktorin

Weiter ging es mit einer Podiumsdiskussion mit illustren Medienfrauen: Nicole Althaus, Chefredaktorin von «Wir Eltern» und Autorin von «Macho-Mamas», sagte: «Meine Hassfrage, die mir Medienleute immer wieder stellen, ist: Wie machst du das mit deinen Kindern, wenn du arbeitest? So was wurde kein Mann je gefragt.» Althaus äussert sich oft kritisch zum Mutterbild. «Dieses ist dermassen ideologisiert, dass man es nicht infrage stellen darf.» Öfter werde ihr in Online-Kommentaren gesagt, man solle ihr die Kinder wegnehmen.

Stella Jegher, Kommunikationsleiterin und Frauenrechtsbeauftragte von Amnesty International Schweiz, monierte, dass in den Medien die Vielfalt der Identitäten – Homosexuelle, Schwarze oder Behinderte – nicht beachtet würden. Und wenn, würden Minderheiten durch Männer repräsentiert. «Gerade wenn es um Homosexuelle geht, steht der schwule Mann als Repräsentant der ganzen Gruppe im Vordergrund.»Jegher rief dazu auf, dass Frauen, die Macht haben, ihre Stellung dazu nutzen sollen, differenzierte Frauenbilder zu präsentieren.

Das sieht auch Sandra-Stella Triebl, Verlegerin des Magazins «Ladies Drive», ähnlich, sie fordert mehr Verlegerinnen und Chefredaktorinnen und mehr Geschichten über tolle Frauen.