«FRAUENSTIMMEN»
Kuratorin über Seximus: «Ich versuche es immer öfters anzusprechen, wenn ich Ungerechtigkeit erkenne»

Vor 50 Jahren wurde das Frauenstimmrecht eingeführt, vor 100 Jahren die Frauenzentrale Aargau gegründet. Aus diesem Anlass stellt die AZ unter dem Titel «Frauenstimmen» jede Woche eine Frau aus dem Kanton Aargau vor.

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Lena Friedli ist Kunsthistorikerin und Kulturwissenschaftlerin.

Lena Friedli ist Kunsthistorikerin und Kulturwissenschaftlerin.

Iris Krebs

Wer sind Sie?

Ich bin Lena Friedli, 36-jährig, Kunsthistorikerin und Kulturwissenschaftlerin. Ich arbeite als Kuratorin und engagiere mich in verschiedener Form für Kultur. Seit November 2019 leite ich das Forum Schlossplatz in Aarau.

Wofür erheben Sie Ihre Stimme?

Für eine tolerante, offene und gleichberechtigte Gesellschaft. In meinem Alltag versuche ich mich möglichst natürlich über das eigene Handeln gegen Rassismus, sexuelle Diskriminierung und für den Klimaschutz einzusetzen. Das bedeutet, nicht unbedingt möglichst viel darüber zu reden, sondern etwa selbstverständlich gleich viele Frauen wie Männer in Ausstellungsprojekte zu integrieren oder nicht mehr zu fliegen. Gleichzeitig versuche ich immer öfters anzusprechen, wenn ich eine strukturelle Ungerechtigkeit erkenne. Das ist im Übrigen auch, was mir an guter Kunst so gefällt: Sie thematisiert und begrüsst Widersprüche, anstatt sie zu glätten oder zu ignorieren.

Was haben Sie im Jahr 1971 gemacht?

Meine Mutter war damals 18-jährig und machte das Lehrerseminar (wie es damals noch hiess!). Rückblickend sagt sie, sie hätte leider nicht viel davon miterlebt. Sowohl in der Ausbildung wie auch im privaten Umfeld war die Abstimmung kaum ein Thema. Heute wünscht sie sich, sie wäre damals wacher gewesen gegenüber solchen Themen.

Chancengleichheit, was braucht es dazu?

Die Möglichkeit zur freien Wahl unabhängig von Geschlecht oder Herkunft – von Kind auf. Diese Situation können Eltern bewusst mitgestalten und beeinflussen, aber noch viel entscheidender dafür ist das System, d. h. der Staat, die Wirtschaft und die Politik. Ich denke, da haben wir noch viel vor uns, denn es geht um die konkrete Bereitschaft zur Veränderung, u. a. auch um den Verzicht des Einzelnen zugunsten der Allgemeinheit.

Worauf sind Sie stolz?

Auf meine Familie, auf meine Freund:innen und auf einige von mir realisierte Projekte.

Was ist Ihr Wunsch für die Zukunft?

Dass strukturelle Diskriminierung aufgrund des Geschlechts oder der Hautfarbe weltweit überwunden wird.

Ihr persönlicher Leitsatz?

Allein denken ist kriminell.