Jubiläums-Porträtserie
Frauenstimmen aus dem Aargau: «Meine Mutter liess nie eine Abstimmung aus»

Porträtserie zu 50 Jahre Frauenstimmrecht und 100 Jahre Frauenzentrale Aargau in der AZ – Teil 4: Pia Viel.

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Pia Viel präsidiert den Aargauischen Katholischen Frauenbund und «Die Mitte» des Bezirks Baden.

Pia Viel präsidiert den Aargauischen Katholischen Frauenbund und «Die Mitte» des Bezirks Baden.

Iris Krebs

2021 ist ein Frauenjahr. Aus diesem Anlass publiziert die AZ unter dem Titel «Frauenstimmen» dieses Jahr jeden Montag ein kurzes Interview mit einer Frau aus dem Aargau.

Pia Viel präsidiert den Aargauischen Katholischen Frauenbund und «Die Mitte» des Bezirks Baden.

Pia Viel präsidiert den Aargauischen Katholischen Frauenbund und «Die Mitte» des Bezirks Baden.

Iris Krebs

Wer sind Sie?

Ich bin Pia Viel, 61 Jahre jung, positiv, energiegeladen und immer für Neues zu begeistern. Ich lebe im Raum Baden, und hier bin ich auch aufgewachsen. Meine Mitbewohner sind mein Mann, mein Sohn, Kater Leo und 11 Landschildkröten. Schon früh habe ich gemerkt, dass ich gerne Führung übernehme und gerne eigenständige Wege gehe.

Wofür erheben Sie Ihre Stimme?

Bildung, Familie, Chancengleichheit, Frauen: dafür setze ich mich ein. Angefangen hat alles vor über 20 Jahren im Katholischen Frauenverein Ehrendingen, als ich in den Vorstand gewählt wurde. In dieser Zeit wurde ich in die Schulpflege gewählt, habe vier Jahre den Kindergarten betreut und den Mittagstisch gegründet. Durch den Aufbau, die Führung und den Ausbau des Mittagstisches kam ich mit vielen administrativen und politischen Schwierigkeiten in Berührung. In vielen Ortschaften wurden Vereine gegründet oder Eltern- und Frauenvereine übernahmen die Aufgabe ohne Hilfe von Behörden und finanziellen Ressourcen.

Man begrüsste die Angebote, aber Unterstützung musste hart erkämpft werden. Ich gründete mit vier Gleichgesinnten den Dachverband Tagesstruktu- ren Mittagstisch Aargau, dieser setzte sich unter anderem für das neue Kinderbetreuungsgesetz ein. Seit 2017 bin ich Präsidentin des Aargauischen Katholischen Frauenbundes. Als ich die erste Delegiertenversammlung vor über 120 Frauen führte, spürte ich die enorme Frauenpower im Saal. Jede dieser Frauen engagiert sich freiwillig mit viel Engagement für die verschiedensten Anliegen. Auch heute noch macht es mich stolz, ihre Präsidentin zu sein.

50 Jahre Frauenstimmrecht, 100 Jahre Frauenzentrale Aargau – weitere Beiträge unserer Porträtserie lesen Sie hier.

Chancengleichheit, was braucht es dazu?

Chancengleichheit auf der Welt, wie auch für Mann und Frau: Von jedem einzelnen Menschen auf dieser Erde, ein bisschen mehr Toleranz gegenüber dem anderen. Für die Zukunft ist mein Wunsch ein gutes Miteinander von allen Menschen in der Gesellschaft, der Wirtschaft und auch in der Kirche.

Was haben Sie im Jahr 1971 gemacht?

Ich war zwölf Jahre alt und besuchte die Sekundarschule in Untersiggenthal. Ich erinnere mich sehr gut, als das Frauenstimmrecht eingeführt wurde. Meine Mutter und mein Vater waren stolz, als meine Mutter das Stimmrecht erhielt, und sie liess nie eine Abstimmung aus. Es war ihr wichtig, dieses Recht der Stimmabgabe wahrzunehmen, und an uns Kinder hat sie diese Haltung weitergegeben.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Ich bin offen für neue Projekte und reisse sie mit einem guten Team gern an. Ich bin stolz, wenn ich die Ressourcen jedes einzelnen Teammitgliedes hervorbringen konnte und wir gemeinsam etwas erreicht haben oder ins Rollen gebracht haben.

Was ist Ihr Leitsatz?

Neugier steht immer an erster Stelle eines Problems, das gelöst werden will. (Galileo Galilei)

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