Museum Aargau

«Frauen vor!»: Jetzt erzählen sechs Frauen Geschichte(n)

Sechs Frauen erzählen Geschichten: Julie von Effinger, Elsi Achermann, Franziska Romana, Guta vonBachenstein, Anna von Kyburg und Belica, die Schankwirtin eines römischen Legionärslagers.Alex Spichale

Sechs Frauen erzählen Geschichten: Julie von Effinger, Elsi Achermann, Franziska Romana, Guta vonBachenstein, Anna von Kyburg und Belica, die Schankwirtin eines römischen Legionärslagers.Alex Spichale

Das Museum Aargau macht 2012 zum Frauenjahr. An sechs Standorten wird das Leben von sechs Frauen aufgezeigt, die zwischen dem 1. und dem 20 Jahrhundert lebten.

Was wäre Museum Aargau in den kommenden Monaten ohne Frauen? Nun – ganz gewiss eine gehörige Portion weniger spannend. Denn von April bis Oktober prägen unter dem Motto «Frauen vor!» weibliche Lebenswelten im Schloss und Kloster die Museen-Welt. Sechs Frauen, die zwischen 40 nach Christus und dem 20. Jahrhundert gelebt haben, deren soziales Umfeld und deren Lebenswege unterschiedlicher kaum sein könnten, kehren für sechs Monate zurück. Etwa dorthin zurück, wo die eine gelebt hatte, oder dorthin, wo eine andere getötet worden war.

Historische Frauenfahrt durch den Kanton Aargau

Historische Frauenfahrt durch den Kanton Aargau

Gestern hatte Museum Aargau zu einer Rundfahrt an die Wohn- und Tatorte geladen und die sechs Frauen vorgestellt. Natürlich kann kein Museumsdirektor der Welt Tote zum Leben erwecken. Aber sie so immerhin ziemlich leibhaftig erscheinen zu lassen, das haben der Direktor von Museum Aargau, Thomas Gabi-Pauli, und seine Mitarbeiter tadellos geschafft. Denn: Wozu gibt es schliesslich begabte Schauspielerinnen und Kostüme? Wozu sind historische Begebenheiten und Lebensläufe erforscht und dokumentiert?

Geschichte zum Leben erwecken

Damit Geschichte nicht vergessen geht. Und wie kann Geschichte besser zum Leben erweckt werden als durch Menschen – oder eben ganz gezielt durch Frauen und ihre Schicksale, die stellvertretend stehen für Sitten, Gebräuche, Moral vergangener Epoche. Mit dem Saisonthema «Frauen vor!» lässt Museum Aargau in den Schlössern Habsburg, Wildegg, Lenzburg, Hallwyl sowie im Kloster Königsfelden und auf dem Legionärspfad in Windisch längst Verstorbene auferstehen. Das Charakterprofil und die Geschichte dieser Frauen machen gelebtes Leben greifbar, auch wenn seither 100, 300 und noch mehr Jahre vergangen sind und sich die Welt gewaltig verändert hat.

Umso spannender ist es, zu hören, zu sehen, zu riechen, zu greifen und zu begreifen, wie beispielsweise Belica, die Schankwirtin in einem römischen Legionärslager, gelebt hatte. Oder welche Folgen die Heiratspolitik des Adels im 13.Jahrhundert für Anna von Kyburg hatte. Warum Guta von Bachenstein, die 1318 Äbtissin im Klarissenkloster Königsfelden wurde, von ihren Eltern schon als Kind «mit Jesus verheiratet». Und warum 250 Jahre später Elsi Achermann aus Suhr im Kerker auf Schloss Lenzburg gefoltert und schliesslich ertränkt worden war. In welches grosse Abenteuer sich – über beide Ohren verliebt und schwanger – Franziska Romana von Hallwyl im 18.Jahrhundert gestürzt hatte und welches 100 Jahre später das so gänzlich andere Trachten und all die hehren Ziele der Julie von Effinger waren.

Immer steht eine der Frauen im zentrum

An allen sechs Standorten steht eine der Frauen im Zentrum. «Für bestimmte Anlässe schlüpfen sechs professionelle Schauspielerinnen in die Rollen der einzelnen Frontfrauen. So kann es vorkommen, dass Julie von Effingen Besucherinnen und Besucher in der Villa von Schloss Wildegg willkommen heisst und aus ihrem Leben erzählt», verrät Edith von Arx von Museum Aargau.

Doch auch das historische und gesellschaftliche Umfeld der Protagonistinnen wird in unterschiedlichen Präsentationsformen beleuchtet, unter anderem mit Wechselausstellungen, Führungen, Sonderveranstaltungen. «Wir möchten mit diesem Themenspektrum ganz speziell auch Frauen ansprechen», so von Arx. Von April bis September lädt immer am letzten Freitag im Monat eine der historischen Frauenfiguren ihre modernen Zeitgenossinnen zu einem gemütlichen Abend und zu kulinarischen Spezialitäten ihrer Epoche auf ihr Schloss oder ins Kloster ein. Den Start macht am 27. April Guta von Bachenstein im Kloster Königsfelden.

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