«Sie wissen, weshalb Sie hier sind?», fragt Gerichtspräsident Daniel Aeschbacher zu Beginn der Verhandlung im Bezirksgericht Lenzburg. Beat (Name geändert) nickt, gibt ein leises «Ja» von sich. «Und Sie wissen auch, was das Urteil für Sie bedeuten könnte?» Ein weiteres Nicken, ein weiteres, erschöpftes «Ja». Der Entscheid der Richter könnte auf Beat denn auch schwerwiegende Folgen haben: An der Verhandlung geht es darum, über die von der Staatsanwaltschaft beantragte Verwahrung zu entscheiden.

Beat, heute 64-jährig, hatte in den Neunzigerjahren mehrere Frauen brutal vergewaltigt und gequält. Seit über 20 Jahren lebt er deshalb hinter Gittern. Zu Beginn wurde er zu einer Verwahrung verurteilt, diese wurde 2009 jedoch in eine stationäre therapeutische Massnahme umgewandelt. 2014 war er das letzte Mal vor Gericht: Auch damals ging es um eine Verwahrung. Damals entschied das Gericht gegen eine Verwahrung und für die Fortführung der therapeutischen Massnahme, die um fünf Jahre verlängert wurde.

Sadist mit dissozialer Störung

Fünf Jahre sollte seine Therapie jedoch nicht mehr dauern: Das Amt für Justizvollzug hob im vergangenen Februar die Therapie infolge Aussichtslosigkeit auf den Zeitpunkt auf, auf den das Bezirksgericht über den Antrag der Verwahrung entscheidet. Aus diesem Grund beschäftigten sich die Richter am Donnerstag also bereits viereinhalb Jahre nach der letzten Verhandlung wieder mit derselben Frage: Soll Beat verwahrt werden?

Um dies zu klären, ist auch die forensische Gutachterin Friederike Boudriot an der Verhandlung anwesend. Sie erklärt, dass sie bei Beat zwei Krankheitsbilder feststellen konnte: einerseits eine dissoziale Persönlichkeitsstörung mit psychopathischen Zügen, andererseits eine sadistische Störung. «Beide sind bereits isoliert schwer behandelbar», so Boudriot. Sie ist der Meinung, dass Beat bereits erreicht hat, was in der Therapie für ihn erreichbar ist. Auch schreibt sie Beat ein moderates bis hohes Rückfallrisiko zu. Es gehe auch um die Frage, wie viel Risiko man der Gesellschaft zumuten wolle.

Anders sieht es Beat. Er ist sich sicher, dass er noch mehr Techniken erarbeiten könne, um seine sadistischen Fantasien zu unterdrücken. Er rede mittlerweile gerne über seine Probleme, die Therapie gehöre zu seinem Leben dazu. «Ich will nie mehr ein Opfer schaffen», sagt er. Obwohl auch er eingestehen muss, dass es Risikofaktoren geben könnte, sollte er je wieder ein freier Mann sein. «Wenn eine schöne Frau halbnackt auf der Strasse rumläuft», so sein Beispiel. Zum Schluss seiner Befragung erwähnt Beat, dass eine Verwahrung für ihn lebenslänglich bedeuten würde: «Ich habe Herzprobleme, wenn es gut kommt, lebe ich noch zehn Jahre.»

Voraussetzungen erfüllt

In seinem Plädoyer erwähnt dies auch sein Verteidiger. Er fordert, die therapeutische Massnahme drei Jahre fortzuführen, da Beat noch Fortschritte machen könne. Staatsanwältin Rebecca Bänziger hingegen stützt sich hauptsächlich auf die Aussagen der Gutachterin und fordert eine Verwahrung. Für diese entscheidet sich letztlich auch das Bezirksgericht. Es sieht die Voraussetzungen für eine Verwahrung als erfüllt und die Therapie als aussichtslos.