Die Woche war schwierig für Susanne Hochuli: In Aarburg sind Wohnungen für 90 Asylsuchende blockiert, in Gränichen verstand die Bevölkerung nicht, dass sie an einer Infoveranstaltung fehlte, und die Gemeindeammänner-Vereinigung kritisierte sie in der az von gestern Freitag scharf.

Frau Hochuli, die Gemeindeammänner kritisieren, Sie gingen auf der Suche nach neuen Asylunterkünften immer nach demselben Muster vor und konfrontierten Gemeinden aus heiterem Himmel. Haben Sie nichts gelernt aus den vielen gescheiterten Projekten?

Susanne Hochuli: Doch, wir lernen stetig. Aber die Fälle sind unterschiedlich, wir können eben nicht nach immer demselben Muster agieren. So ist abzuklären, ob sich ein Objekt eignet. Sind es Mietobjekte? Braucht es ein Baugesuch? Eins bleibt gleich: Wir müssen die Asylsuchenden unterbringen. Würden alle Gemeinden - mit der Unterstützung ihrer Vereinigung - solidarisch mitwirken, wäre der Kanton nicht gezwungen, in schon belasteten Gemeinden Unterkünfte zu eröffnen.

Trotz diesem Zwang scheitern Ihre Vorhaben auffällig oft.

Überall gibt es im Vorfeld ängstliche und kritische Stimmen. Aber ich bringe das Beispiel Suhr. Da sagte der Gemeinderat von Anfang an: Ja, es ist eine Verbundaufgabe, wir müssen sie zusammen lösen. Die Unterkunft mitten im Dorf zeigt, dass es geht. Auch bei der Bundesunterkunft in Bremgarten sind die schlimmen Vermutungen nicht eingetroffen.

Das sind Ausnahmen. Aarburg zeigt zudem, dass Ihre Last-Minute-Informationsstrategie nicht einmal etwas nützt. Der Gemeinderat unternimmt juristische Schritte, die Bevölkerung ist erst recht sauer.

Wir haben es nicht zu spät gesagt, sondern dann, als wir sicher waren, dass wir die Wohnungen mieten können. Hätten wir früher informiert und es wäre misslungen, hätte man uns vorgeworfen, wir hätten Unruhe verursacht und doch nichts erreicht.

Im Fernsehen sagten Sie, es brauche zuerst Gespräche auf der Sachebene, dann erst auf höchster politischer Ebene. Ist das nicht die falsche Reihenfolge?

Die Unterbringung von Asylsuchenden ist eine Verbundaufgabe, die Kanton und Gemeinden gemeinsam zu lösen haben. Ich bin mit dem Dossier sehr intensiv befasst. Aber wenn es darum geht, einen Mietvertrag für 14 Wohnungen abzuschliessen und mit der Gemeindebehörde die Auswirkungen zu besprechen, ist der kantonale Sozialdienst gefragt. Mein Angebot an den Aarburger Gemeinderat steht. Es muss nur benutzt werden.

Misstrauen Sie den Gemeinden, und beziehen sie so spät ein, damit sie nichts mehr tun können?

Nein, überhaupt nicht. Aber wir wissen, wie es läuft: In der Regel wird die frühzeitige Information genutzt, um den Widerstand zu organisieren. Ausnahmen wie Suhr bestätigen die Regel. Bei Aarburg gehe ich nicht davon aus, dass der Gemeinderat eine andere Haltung hätte, wenn wir früher auf ihn zugegangen wären.

Die Gemeindeammänner wollen ein eigenes Unterbringungskonzept erarbeiten. Das ist doch eine Bankrotterklärung an Ihr Departement.

Ich bin erfreut, dass die Gemeindeammänner-Vereinigung einen Konzeptvorschlag macht. Was nicht heisst, dass der Kanton ohne Konzept arbeiten würde. Wir wissen sehr genau, was wir, weshalb wir es tun und wie wir es tun. Weil wir es uns nicht leisten können, dass Asylsuchende im Aargau eines Tages ohne Dach über dem Kopf dastehen.

Weiter sagt Renate Gautschy, die Präsidentin der Ammännervereinigung, die paritätische Kommission für Asylfragen werde immer erst dann aktiviert, wenn die Probleme schon da seien. Das sei nicht gerade partnerschaftlich.

Dieser Vorwurf überrascht mich sehr. Die Arbeit der Kommission wurde mit Wissen und Willen von Frau Gautschy sistiert und dann - auf meine Veranlassung hin - wieder einberufen. Dies, nachdem die von der Ammänner-Präsidentin mitgetragenen Aufrufe an die Gemeinden, solidarisch zur Lösung des Unterbringungsproblems beizutragen, wenig brachten. Fehlende Partnerschaftlichkeit kann ich beim besten Willen nicht erkennen.

Das belastete Asyldossier muss doch Chefsache sein! Nach Bettwil waren Sie aber an keiner einzigen Bevölkerungsinformation.

Indem man ein Dossier zur «Chefsache» erklärt, wie es Mode geworden ist, ist noch kein Problem gelöst. Entscheidend ist, dass ich weiss, was läuft, und dort in Entscheidungen involviert werde, wo es nötig ist. Selbstverständlich passiert das in meinem Departement. Bei den Informationsveranstaltungen geht es um konkrete Projekte, bauliche Vorhaben. Und nicht darum, Dampf über die Asyl- und Ausländerpolitik abzulassen.

Die Bürger erwarten Ihre Präsenz. Dies zeigt, dass Sie ernst genommen werden. Warum kneifen Sie?

Ich kneife keineswegs, aber bei diesen Veranstaltungen geht es um Fragen eines Baugesuchs. In einer solchen Situation bringt eine asylpolitische Diskussion nichts.

Das lässt sich in solch emotionalen Situationen doch nicht vermeiden.

Noch einmal: An solchen Veranstaltungen geht es um die Sachebene. Wenn wir über die Asylpolitik im Kanton diskutieren wollen, mache ich zum Beispiel an einer Podiumsdiskussion sehr gern mit.

Als Nächstes diskutiert der Grosse Rat am 20. Mai eine Vorlage, die Asyl-Grossunterkünfte ermöglichen soll. Wird das der Durchbruch?

Diese Teilrevision des Sozialhilfe- und Präventionsgesetzes ist ein wichtiger Schritt, die Klein- und Kleinstunterkünfte durch grössere, regional verteilte Einheiten abzulösen. Zudem wird es möglich, Asylsuchende zwischen Kanton und Gemeinden nach unterschiedlichen Aufenthaltsstatus unterzubringen und zu betreuen. Ich baue darauf, dass gerade auch die Gemeindevertreter im Grossen Rat diesem Konzept zum Durchbruch verhelfen. Es hilft, jene Probleme zu lösen, mit denen wir uns derzeit herumschlagen.