Wahlen AG 2016

Franziska Roth im persönlichen Interview: «Ich bin keine unterkühlte Person»

«Am Wochenende steht mein Mann am Herd, weil er gern und besser kocht als ich. Während der Woche koche ich, am liebsten ein Stück Fleisch und Salat.»

«Am Wochenende steht mein Mann am Herd, weil er gern und besser kocht als ich. Während der Woche koche ich, am liebsten ein Stück Fleisch und Salat.»

Am 27. November entscheidet das Stimmvolk, wer als Letzte in den Regierungsrat einzieht: Franziska Roth (SVP), Maya Bally (BDP) oder Yvonne Feri (SP). In persönlichen Interviewsgeben die drei Frauen bisher unbekannte Seiten von sich preis. Heute: Die SVP-Kandidatin.

In der Wohnung von Franziska Roth (52) gibt Bengalkatze «Gaia» den Ton an. Das Raubkätzchen, das nicht miaut, sondern eher quakt wie eine Ente, darf sogar mit in die Ferien, wie die SVP-Kandidatin sagt. Ihre heiss geliebten Operetten schaut sich Roth dann aber doch lieber mit Sohn und ohne Gequake an. In der Stille des kleinen Gerichtssaals am Brugger Bezirksgericht spricht die Regierungsratskandidatin über unemanzipierte Frauen, den Habsburger Königskuchen und weshalb es sie nervt, wenn sie während Gerichtsverhandlungen von Gutmenschen böse angeschaut wird.

Franziska Roth, Sie wirkten distanziert im Wahlkampf. Wollen Sie wirklich Regierungsrätin werden?

Franziska Roth: Ja klar will ich Regierungsrätin werden. Aber als Gerichts-präsidentin muss ich nicht nur Distanz haben zu den Fällen, sondern auch zu den Menschen. Aber ich bin keine unterkühlte Person und ich bin auch nicht so brav und langweilig, wie gewisse Leute das Gefühl haben.

Worüber lachen Sie?

Über Tom und Jerry.

Was ist Ihr Beitrag, um Gesundheitskosten zu sparen?

Ich höre von Menschen, die wegen Erkältungen in die Notfallaufnahme gehen. Wenn ich selber Halsweh habe, trinke ich zuerst einmal einen Tee und ziehe ein Halstuch an. Aber ich muss sagen, ich bin nie krank.

Sie sind noch nie ausgefallen?

Ich kann mich nicht erinnern, dass ich schon mal richtig ausgefallen bin, weil ich krank gewesen wäre.

Sie beissen lieber auf die Zähne.

Absolut. Wenn ich mich nicht so fit fühle, ist das für mich kein Grund zu Hause zu bleiben. Diese Haltung erwarte ich deshalb auch von meinen Mitarbeitern am Gericht.

Was geht Ihnen nah im Gerichtssaal?

Ganz schlimm finde ich Delikte gegen Kinder und Tiere. Oder wenn etwas sehr ungerecht ist. Ich hatte einen Fall, bei dem ein Mann von seiner Frau absichtlich und fälschlicherweise einer Straftat bezichtigt wurde, möglicherweise, damit er ins Gefängnis muss und damit weg ist von seiner Geliebten. Dieser Mann ist während des Verfahrens völlig zusammengebrochen. Das hat mich sehr beschäftigt. Aber in diesem Fall war die Frau offenbar am längeren Hebel.

Kommen die Männer heutzutage unter die Räder?

Ja, teilweise schon, vor allem bei Scheidungen. Viele Frauen wollen Gleichberechtigung, bei einer Scheidung wollen sie dann aber, dass der Mann möglichst viel und möglichst lange für sie zahlen muss. Erschwert die Frau dann noch den Kontakt zu den Kindern und wird der Mann zum Zahlvater degradiert, ist das ganz schwierig.

Sie waren selber alleinerziehend und haben gearbeitet.

Den Alltag zu bewältigen als Alleinerziehende mit einem kleinen Kind ist eine Riesenaufgabe. Wenn man berufstätig ist, dann ist es zusätzlich schwierig. Aber es geht. Die Männer stehen nach einer Scheidung oft allein da, sind aus allem draussen und müssen nur noch bezahlen.

Wer steht bei Ihnen zu Hause am Herd?

Am Wochenende mein Mann, weil er gerne und besser kocht als ich. Während der Woche koche ich. Am liebsten ein Stück Fleisch mit Salat.

Franziska Roth, SVP

Franziska Roth, SVP, im TalkTäglich (08.11.)

Drei Kandidatinnen liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den letzten Regierungsratssitz. Heute: Regierungsratskandidatin Franziska Roth, SVP.

Glauben Sie an etwas?

Ja eigentlich schon, ich glaube an Gott. Ich gehe ab und zu in die Kirche, allerdings nicht regelmässig.

Ihr Sohn besucht ein Internat, weil er zu kurz gekommen sei in der Schule. Wie ging das?

Integrative Schule ist eben nicht einfach für alle gut. Es gibt eine grosse Unruhe in die Klasse und leistungsstarke Schüler kommen zu kurz. Mein Sohn hat einen grossen Wissensdurst und will gefördert und auch gefordert werden. Ihm war langweilig und er störte den Unterricht. Es war für alle nicht einfach. Wir haben dann die passende die Schule gefunden. Jetzt kommt er auf seine Rechnung, ist zufrieden und fröhlich – und stört den Unterricht nicht mehr.

Sie sprachen auch von einer «Verweiblichung» der Schule.

Ich glaube, viele Lehrerinnen erkennen ganz einfach nicht, dass Buben anders sind als Mädchen. Buben wollen sich auch mal raufen. Das gehört zu ihrer Entwicklung. Aber es findet eine absolute Gleichmacherei statt. Buben dürfen nicht mehr Buben sein. Ich kenne einen Fall, wo die Schulsozialarbeiterin höchst alarmiert einen Vater wegen seines Sohnes anrief, dabei ist gar nichts Schlimmes vorgefallen.

Was für eine Schülerin waren Sie?

Gescheit, aber eher etwas faul. Ich war anfänglich unterfordert und interessierte mich darum auch für viele andere Dinge ausserhalb der Schule. So gab ich im Alter von zwölf während dreier Jahre eine eigene Zeitschrift heraus, ich las viel und arbeitete an freien Mittwochnachmittagen eine Zeit lang bei einem Gemüseproduzenten. Meine damalige Bequemlichkeit führte dazu, dass ich erst später auf dem zweiten Bildungsweg berufsbegleitend studiert habe.

Dann war die Schule vor 40 Jahren aber auch nicht besser.

Doch, denn der Unterricht war gut und damals herrschte im Klassenzimmer noch Ruhe und Ordnung. Auch die leistungsschwachen Schüler lernten etwas. Mir war in der ersten Klasse aber wirklich sehr langweilig, weil ich schon lesen und schreiben konnte. Meine ältere Schwester hatte es mir beigebracht.

Sie wurden für Aussagen zur Bildung kritisiert. Trifft Sie Kritik?

Nein, ich habe ein sehr dickes Fell.

Sie backen gern. Nach Gefühl oder nach Rezept?

Nach Rezept. Am liebsten einen Habsburger Königskuchen aus dem Backbuch der österreichischen Kaiserfamilie.

Würde es Sie stören, wenn neben Ihrer Wohnung eine Asylunterkunft eröffnet würde?

Eigentlich stören mich diese Menschen nicht, aber es wäre nicht meine Wunschnachbarschaft. Nicht weil sie eine andere Hautfarbe haben, sondern weil diese hauptsächlich jungen Männer keine Beschäftigung und keine Perspektive haben. Da sehe ich die Gefahr, dass sie unzufrieden und dann kriminell werden.

Haben Sie durch Ihre Tätigkeit beim Gericht nicht ein verzerrtes Bild von diesen Menschen?

Ich denke nicht. Klar sind nicht alle Asylbewerber per se kriminell. Und doch verursachen sie prozentual mehr Delikte als es ihr Anteil an der Bevölkerung vermuten lässt. Was mich ärgert, ist die ganze Gutmenschen-Gesellschaft dahinter, die Asylbewerber ermutigt, Rechtsmittel zu ergreifen, auch wenn es aussichtslos ist. Solche gutmeinenden Menschen begleiten die abgewiesenen Asylbewerber dann manchmal auch mit ans Gericht und schauen mich während der Verhandlung böse an. Ich muss einfach sagen: Wir sind ein Rechtsstaat und wir alle profitieren davon. Wenn wir solche Dinge durchlasse, haben wir irgendwann keinen Rechtsstaat mehr.

Die heutige Welt ist komplex. In welchem Bereich hätten Sie gern mehr Fachwissen?

Über die Geschichte würde ich gern mehr wissen. Vor allem die Zeit von 1798, als Napoleon in die Schweiz kam, bis heute. Das finde ich sehr spannend.

Haben Sie schon mal eine Kuh gemolken?

Meine Grosseltern waren Bauern und ich kenne mehrere Bauernfamilien. Ich war auch schon im Stall, wo Kühe gemolken wurden. Aber ich könnte jetzt nicht sagen, dass ich schon mal selber einen Kessel mit Milch gefüllt habe.

Worauf achten Sie beim Einkaufen?

Ich finde es schön, zu wissen woher die Eier oder Äpfel kommen, die ich kaufe. Dafür bezahle ich gern mehr. Natürlich esse ich auch mal Mango oder Ananas. Aber grundsätzlich achte ich darauf, dass die Produkte aus der Region kommen.

Wovon können Sie im Aargau nie genug bekommen?

Von der schönen Landschaft. Zum Beispiel vom Klingnauer Stausee im Winter mit seinen vielen Wasservögeln. Ich bin mit meinem Sohn vermutlich schon etwa 300-mal um den See spaziert.

Wofür haben Sie keine Zeit?

Fürs Theaterspielen und für einen Jagdhund. Das spare ich mir für meine Pensionierung auf.

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