Auschwitz-Vergleich
Franz Steinegger zu Fricker: «Kein Skandal, aber eine skandalöse Dummheit»

Gelassen und abgeklärt wie eh und je: Der ehemalige Parteipräsident der FDP und Urner Alt-Nationalrat Franz Steinegger rät, den Holocaust-Vergleich von Jonas Fricker (Grüne/ Aargau) nun trotz allem nicht zu dramatisieren.

Henry Habegger
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Franz Steinegger rät, den Holocaust-Vergleich nun trotz allem nicht zu dramatisieren.

Franz Steinegger rät, den Holocaust-Vergleich nun trotz allem nicht zu dramatisieren.

Keystone/Montage:az

Grünen-Nationalrat Jonas Fricker tritt wegen seiner umstrittenen Äusserungen in der Parlamentsdebatte zurück. Setzt er damit neue Massstäbe im schweizerischen Polit-Betrieb?

Franz Steinegger: Zum Rücktritt will ich mich nicht äussern. Ich habe den Eindruck, das ist ein junger Typ, der wohl unbewusst in etwas reingetrampelt ist. Bar jedes historischen Bewusstseins. Es zeigt, dass er wohl nicht viel Geschichtskenntnisse hat. Ich glaube aber nicht, dass es Ausdruck einer Neubeurteilung der Vorgänge im Zweiten Weltkrieg ist. Ich würde das Ganze nicht einen Skandal nennen, sondern eine skandalöse Dummheit.

Ist das heute ein Problem, mangelt es jungen Leuten an Geschichtsbewusstsein?

Diesen Eindruck habe ich nicht. Mein jüngerer Sohn beispielsweise war soeben in Krakau, dann in Auschwitz. Das hat ihn tief beeindruckt. Vielen Jungen ist es sehr bewusst, was passiert ist, sie setzen sich damit auseinander.

Was kann die Gesellschaft gegen Antisemitismus tun?

Es gibt einen Bodensatz von Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus in der Gesellschaft. Ich glaube nicht, dass man das Problem mit Gesetzen lösen kann. Was man tun muss: Hinstehen und sagen, was für ein Unsinn da erzählt wird. Es hilft nicht viel, wenn ein Richter gewisse Aussagen und Handlungsweisen verurteilt: Die Gesellschaft muss sie verurteilen.

Jonas Frickers Werdegang in Bildern
12 Bilder
Von 2002 bis 2006 sass Fricker für das team baden im Einwohnerrat der Stadt Baden.
Jonas Fricker bei den Grossratswahlen am März 2009 in Aarau. Von 2007 bis 2010 war er Ratsmitglied. Von 2005 bis 2009 war er zudem Parteipräsident der Grünen im Kanton Aargau.
Jonas Fricker gratuliert der neugewählten Regierungsrätin Susanne Hochuli am 30. November 2008 im Grossratsgebäude. Hochuli machte sich für den Badener stark, als er 2015 für das Nationalratsmandat kandidierte. Sie schrieb: “Ich unterstütze Jonas Fricker, weil die Nachhaltigkeit für ihn kein Schlagwort, sondern gelebte Realität ist – in der Familie, im Beruf, in der Politik. Wir brauchen im Bundesparlament Politikerinnen und Politiker, die im Grossen wie im Kleinen immer das Ganze im Auge haben.“
Von 2011 bis 2013 lebte Fricker mit seiner Familie in Amsterdam. Im Bild mit seiner Tochter und seinem Cousin Adrian Hunziker. Fricker ist seit 2011 verheiratet und hat mittlerweile drei Kinder.
Fricker hat an der ETH Zürich Umweltnaturwissenschaften studiert. Neben seiner politischen Laufbahn arbeitete er auch als Lehrer.
2015 kandidierte der Badener für den Nationalrat. Obwohl Irène Kälin aus Lenzburg auf dem ersten Listenplatz kandidierte...
...überrundete Fricker sie mit rund 3000 Stimmen.
Vorfreude: Der Grüne Jonas Fricker vor seinem ersten Tag als gewählter Nationalrat im Parlament.
Euphorie nach der Abstimmung vom 21. Mai: Die Befürworter des neuen Energiegesetzes freuen sich über den unerwartet deutlichen Abstimmungserfolg. Laura Curau (Kampagnenleiterin CVP), Alt-Nationalrat Ruedi Rechsteiner, Beat Jans (Nationalrat SP-BS), Roger Nordmann (Nationalrat SP-VD), Matthias Aebischer (Nationalrat SP-BE), Regula Rytz (Parteipraesidentin Gruene), Jonas Fricker (Nationalrat Gruene-AG), Stefan Mueller-Altermatt (Nationalrat CVP-SO), von links, und weitere Befuerworter der Energiestrategie 2050 jubeln nach Bekanntgabe der ersten Hochrechnung, im Hauptquartier der Befuerworter der Energiestrategie 2050, am Sonntag, 21. Mai 2017 in Bern.
Jonas Fricker setzte sich auch für die Geschlechter-Gleichstellung ein: Hier während einer Protestaktion mit Maya Graf (Grüne) im Juni 2017 vor dem Bundeshaus.
«Die Menschen, die dort deportiert wurden, die hatten wenigstens eine kleine Chance zu überleben»: Jonas Frickers Rede im Parlament 28. September 2017

Jonas Frickers Werdegang in Bildern

Chris Iseli

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