Autorennen
Formel-E-Rennen auf dem Birrfeld? Gemeindeammann lanciert Idee für Rennen auf Flugplatz

Eugen Bless aus Hausen findet, dass der Autokanton Aargau für die Zürcher in die Bresche springen müsste – und dabei profitieren könnte.

Claudia Meier
Drucken
Teilen
Rennstrecke
3 Bilder
Eugen Bless: «Es fehlen nun die rennbegeisterten Politiker wie Giezendanner und Co., welche in die Bresche springen und das Rennen von Zürich in den Aargau holen.»
o könnte die 3 Kilometer lange Rennstrecke um den Flugplatz Birrfeld verlaufen.

Rennstrecke

AZ

Seit April 2016 ist die Durchführung von Rennen mit E-Mobilen – rein elektrisch angetriebenen Rennwagen – in der Schweiz erlaubt. Das für Sonntag, 10. Juni geplante Rennen in der Zürcher Innenstadt wäre das erste in der Schweiz. Der Zürcher Stadtrat hat dieses Rennen auf einer gut 3 Kilometer langen Strecke im Oktober unter zahlreichen Auflagen bewilligt. Das passt nicht allen. Doch der Widerstand war bisher erfolglos. Nun soll eine Stimmrechtsbeschwerde, die ein Vorstandsmitglied des Fussgängervereins privat eingereicht hat, den Weg zu einer Volksabstimmung über das Formel-E-Rennen ebnen, wie die «Schweiz am Wochenende» vor einer Woche berichtete.

Dass dieses Rennen ausgerechnet in der Stadt durchgeführt werden soll, wundert auch Formel-1-Fan Eugen Bless aus Hausen. Der Gemeindeammann schaut gerne Autorennen am TV und stellt als Privatperson eine Alternative zur Diskussion. «Die Zürcher sollen doch Velorennen durchführen», schreibt Bless etwas ironisch im Titel seines Leserbriefs. Der Aargau biete sich als Autokanton hervor- ragend an, das Formel-E-Rennen durch-zuführen, das bald an einer Volksabstimmung in Zürich scheitern dürfte.

Erfahrung mit dem Argovia-Fäscht

Bless ist überzeugt, dass sich das Gebiet rund um den Flugplatz Birrfeld für ein Formel-E-Rennen eignen würde. Und er liefert gleich eine Karte mit einer eingezeichneten, ebenfalls zirka 3 Kilometer langen Rennstrecke mit. Bei diesem Rundkurs müsste man wenige Meter asphaltieren und die Hauptverkehrsache Lenzburgerstrasse würde nicht tangiert.

Auf dem Birrfeld hat man laut Bless schon Erfahrung mit der Durchführung von Grossanlässen. So könne man sich beispielsweise auf den hervorragend funktionierenden öffentlichen Verkehr verlassen und ein bestehendes Zufahrtskonzept verwenden. In diesem Zusammenhang erwähnt er das Argovia-Fäscht, mit dem sich weitere Synergien nutzen liessen, weil dieses auch im Juni stattfindet. «Es hat genug Platz für viele Besucher», sagt der Hausemer. Die Infrastruktur des Argovia Fäschts könnte gleich mitbenutzt werden. Letztes Jahr verzeichnete das Fest an zwei Tagen rund 50 000 Besucher. Bei Formel-E-Rennen sind es laut Bless ungefähr 50 000 bis 100 000 Zuschauer, darunter viele internationale Gäste.

Tribüne auf dem Flugplatz

Die vorgeschlagene Rundstrecke würde einen kleinen Abschnitt der Birrfeldstrasse tangieren. «Auf dem Flugplatz kann eine Start-Zielgerade mit Gegengerade und hervorragenden Tribünenmöglichkeiten geschaffen werden», fährt Eugen Bless fort. Möglicherweise könne die Flughafeninfrastruktur mit Hangar und Werkstätten mitbenutzt werden. Die Kosten wären laut Bless um einiges geringer als in der Stadt Zürich und die Strecke könnte mit wenig Einschränkungen für den Verkehr genutzt werden. «Es fehlen nun die rennbegeisterten Politiker wie Giezendanner und Co., welche in die Bresche springen und das Rennen von Zürich in den Aargau holen», stellt Bless fest. Und er betont, auf ihn könne man auf jeden Fall zählen.

Der Aargauer SVP-Nationalrat Ueli Giezendanner begrüsst grundsätzlich die Durchführung eines Formel-E-Rennens in der Schweiz. Am Standort im Birrfeld hingegen zweifelt er. «Leider», wie er sagt. Ein solches Formel-E-Rennen erfordere eine enorme Infrastrukturen für Gäste (Hotels, Camps, Restaurants, Parkplätze usw.). Die technische Infrastrukture für Fahrzeuge, Fahrer usw. seien noch viel anspruchsvoller, sagt der Transportunternehmer.

«Kein Seifenkistenrennen»

«Ein Formel-E-Rennen ist kein aufgemotztes Seifenkistenrennen», stellt Ueli Giezendanner klar. «Man denke auch an die vielen TV-Teams und Sportjournalisten vor Ort.» Zudem sei ein guter Feldweg keine Piste für E-Boliden. «Und was der Aufbau von Tribünen kostet, wissen wir von den Schwingfesten her», ergänzt der 64-jährige Nationalrat. Es tue ihm leid, aber ein solcher Anlass, der weltweit übertragen wird, müsse auf bestimmte, bestehende Infrastrukturen zurückgreifen können.

Noch klarer äussert sich sein Parteikollege Richard Plüss. Der SVP-Politiker ist Gemeindeammann von Lupfig, wo sich der Flugplatz Birrfeld befindet. Von der Idee von Eugen Plüss aus der Nachbargemeinde hält er «nicht sehr viel». «Wir konzentrieren uns auf kulturelle Anlässe und stehen hinter dem Argovia-Fäscht. Eine Ausweitung in andere Bereiche erträgt das Birrfeld nicht, sonst haben wir jede Woche eine Grossveranstaltung», so Plüss.

Aktuelle Nachrichten