Bois Mörder

Forensiker zum Ausbruch: «Ein Insasse hat viel Zeit, nach der Schwachstelle zu suchen»

Urs Hofmann: «Wir hätten ihn gern von Anfang an in Lenzburg gelassen – dann wäre er sicher nicht ausgebrochen»

Urs Hofmann: «Wir hätten ihn gern von Anfang an in Lenzburg gelassen – dann wäre er sicher nicht ausgebrochen»

In der Sendung «TalkTäglich» diskutierten Regierungsrat Urs Hofmann, Forensiker Thomas Knecht und SVP-Nationalrat Luzi Stamm über Gründe, Motive und juristische Voraussetzungen.

Wie es Kris V. gelang, aus der psychiatrischen Klinik in Königsfelden zu entkommen, klärt derzeit eine Arbeitsgruppe des Kantons ab. Die Diskussionsrunde beim «Talk Täglich» war sich aber einig: Er hätte nie dort sein dürfen.

In seiner Funktion als Forensiker war Thomas Knecht schon einige Male zu Besuch in der psychiatrischen Klinik Königsfelden, auch in jenem Bereich, aus dem der 22-jährige Kris V. in der Nacht auf Samstag floh. Wie der Mörder von Boi dies geschafft habe, sei ihm ein Rätsel, sagte Knecht im «Talk Täglich» auf Tele M1, wo er mit Regierungsrat Urs Hofmann und SVP-Politiker Luzi Stamm über den Ausbruch diskutierte. Der Forensiker fügte aber an: «Ein Insasse hat Monate Zeit, nach der einen Schwachstelle zu suchen und einen Plan auszuhecken.»

Nach Schwachstellen sucht jetzt auch eine vom Kanton eingesetzte Arbeitsgruppe, wie Regierungsrat Urs Hofmann ausführte. Ziel sei es, den Sicherheitsstandart der Klinik zu erhöhen und eine weitere Flucht zu verhindern. Eine hundertprozentige Sicherheit gebe es aber nie. Trotzdem: «Ich habe mich aufgeregt, als ich von der Flucht hörte.» Erst vor einem Jahr wurde der Bereich eröffnet, in dem Kris V. untergebracht war.

Wäre es nach Hofmann gegangen, wäre Kris V. aber erst gar nie in die Klinik Königsfelden verlegt worden. Sondern entweder in eine noch sichere ausserkantonale Klinik oder ins Gefängnis in Lenzburg. Ersteres wurde abgelehnt, letzteres lässt die aktuelle Gesetzeslage nicht zu. Denn Kris V. beging die Tat als 16-Jähriger – untersteht deshalb dem Jugendstrafrecht, das keine Verwahrung, sondern höchstens eine fürsorgliche Unterbringung ermöglicht. «Das muss sich ändern», forderte Hofmann. «Es kann doch nicht sein, dass wir jemand nicht verwahren können, der im Alter von 17 Jahren und 364 Tagen einen Mord begeht, wenn er nur einen Tag älter ist aber schon.»

Kris V. eine Gefahr?

Ob beim flüchtigen Kris V. die Gefahr einer Wiederholungstat bestehe, sei ohne den Fall genauer zu kennen, schwierig zu beurteilen, sagte der Forensiker Knecht. «Doch dass er nach fünf Jahren noch ausbricht, zeigt zumindest ein vorhandenes Gewaltpotenzial.» Für Knecht stellt sich auch die Frage, warum der Mörder von Boi ausbrach. Er sprach im «Talk Täglich» von zwei Szenarien. Entweder war er mit dem Leben in der Klinik unglücklich oder etwas hat ihn in die Freiheit gezogen. Knecht: «Zum Beispiel eine Geliebte, die auf ihn wartet.»

Ausbruch Kris V.: Wie konnte das passieren?

«TalkTäglich» zum Ausbruch Kris V.

Sehen Sie hier die Sendung in voller Länge.

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