Sparmassnahme

Förderung auffälliger Kinder: Politiker kritisieren pauschale Zuteilung von Ressourcen

Der Kanton hat die Gelder für die Förderung von Jugendlichen mit Behinderung oder Beeinträchtigung gekürzt. (Symbolbild)

Der Kanton hat die Gelder für die Förderung von Jugendlichen mit Behinderung oder Beeinträchtigung gekürzt. (Symbolbild)

Die Anzahl auffälliger Kinder schwankt. Deshalb sollten Förderlektionen nach Bedarf und nicht pauschal gesprochen werden, finden Politiker von SP bis FDP.

Immer mehr Kinder sind aufgrund einer Beeinträchtigung oder Behinderung auf zusätzliche Unterstützung angewiesen, damit sie dem Unterricht in einer Regelklasse folgen können. Für das laufende Schuljahr haben die Schulen die Ressourcen für die zusätzliche Unterstützung, sogenannte Verstärkte Massnahmen, zum ersten Mal grösstenteils als Pauschalen erhalten. Mit der Pauschalisierung will die Regierung Kosten sparen beziehungsweise eine weitere Mengenausweitung verhindern. Gegenüber der AZ sagte Christian Aeberli, Leiter Abteilung Volksschule beim Kanton, die Änderung sei auch vor dem Hintergrund erfolgt, dass die Diagnosen von erheblichen sozialen Beeinträchtigungen innerhalb von fünf Jahren um 90 Prozent zugenommen hätten.

40 Prozent der Ressourcen, die Schulen erhalten, sind alleine von der Anzahl Schüler abhängig, weitere 40 Prozent erhalten sie auf der Basis der im Schuljahr 2016/17 beanspruchten Lektionen für Verstärkte Massnahmen. Die restlichen 20 Prozent werden auf Antrag bewilligt. Für das laufende Schuljahr seien die Antragsverfahren noch nicht abgeschlossen, hält das Bildungsdepartement fest. Sprecherin Simone Strub kann aber sagen, dass «praktisch alle Anträge auf zusätzliche Lektionen bewilligt wurden». Ablehnungen seien in Einzelfällen erfolgt, in denen keine gültigen schulpsychologischen oder medizinischen Fachberichte vorlagen.

Ungerecht für die Betroffenen

Christian Aeberli betonte damals auch, dass mit der pauschalisierten Zuteilung eine optimale Förderung von Kindern mit einer Behinderung gewährleistet bleibe. Daran glauben verschiedene Grossrätinnen und Grossräte von SP bis FDP nicht. Die Systemänderung sei «nicht bedarfsorientiert und mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen zur Förderung von beeinträchtigten und behinderten Menschen nicht zu verantworten», kritisieren sie in einem im Juni eingereichten Vorstoss. Die pauschale Zuteilung des Geldes führe zu einer Gerechtigkeit aus Sicht der Verwaltung, aber nicht aus Sicht der Betroffenen. Weil in der Praxis die Anzahl auffälliger Kinder pro Schule schwanke, sei eine «bedarfsgerechte Feinsteuerung einer pauschalen Zuteilung» vorzuziehen. Es sei eine Verschwendung von Steuergeldern, Ressourcen an Schulen zu verteilen, die sie in diesem Masse nicht benötigen.

Vom Regierungsrat wollen sie wissen, warum er eine pauschale Zuteilung einer bedarfsgerechten Feinsteuerung vorziehe. Zudem interessiert sie, wie sich die Anzahl der Lektionen für Verstärkte Massnahmen an den Schulen unterscheidet. In der letzten Frage erinnern sie an das Credo «Integration vor Separation» und wollen wissen: «Wie kann der Regierungsrat gewährleisten, dass Integration wirklich vor Separation stattfindet und dass die Pauschalisierung nicht zu einer Erhöhung der Sonderschulungsquote führt?» Die Antwort wird das Departement von Regierungsrat Alex Hürzeler liefern müssen.

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