Frau Hofmann, wie wurden Sie Flurnamenforscherin?

Beatrice Hofmann: Ich bin auf dem Lande aufgewachsen. Schon während meines Germanistikstudiums war mir klar, dass ich nicht nur ständig in Bibliotheken und Archiven sitzen möchte, sondern ich will auch an die frische Luft und Menschen begegnen und Geschichten nachspüren.

Wie forscht eine Flurnamenforscherin?

Wenn ich die Bedeutung eines Flurnamens erforsche, konsultiere ich zuerst einmal Karten aus verschiedenen Zeiten. Dann besuche ich den Ort, suche Leute, die mir etwas darüber erzählen können, was in keinem Buch steht, Bauern wissen vieles oder auch Förster. Manchmal gibt es auch lokale Sagen und Legenden, die weiterhelfen.

Und dann kommt natürlich der Gang ins Archiv. Was steht in den alten Grundbüchern, was finde ich an alten Urkunden? Oft reichen die Aufzeichnungen bis ins 12. Jahrhundert zurück.

Wie sicher können Sie sein, dass die Bedeutung, die Sie gefunden haben, auch korrekt ist?

Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Aber bei den meisten Namen kann man die Herkunft doch recht gut beweisen, auch weil viele Flurnamen sich konkret an der Landschaft orientieren und an ähnlichen Orten immer wieder erscheinen. Dazu gehören etwa Namen mit «Moos», «Sod», «Ei» oder auch «Au» – alle diese Flurnamen stehen in direktem Zusammenhang mit Wasser.

Die Mundart interessiert wieder, stellen Sie das auch bei ihrer Arbeit fest?

Ja. Ich stelle fest, dass nach und nach die Leute wegsterben, die noch einen direkten Bezug zu den Flurnamen in ihrer Umgebung hatten. Die jüngere Generation, die sich wieder zunehmend orientiert, entdeckt die Mundart wieder und interessiert sich für die vielleicht manchmal etwas seltsam klingenden Flurnamen.

Besteht im Aargau ein konkretes Projekt zur Erforschung der Flurnamen?

Nein. Auf der Landkarte der Flurnamenforschung ist der Aargau ein weisser Fleck. Hier gibt es im Gegensatz zu den anderen Deutschschweizer Kantonen keine kantonale Forschungsstelle und schon gar kein Inventar.

Gibt es eigentlich auch irgendwelche Orte, die keinen Namen haben?

Ich glaube, da ist die Schweiz wohl einzigartig. Denn hier gibt es im urbanisierten Bereich wohl keinen Zipfel, der nicht benannt ist. Das hat wohl ganz pragmatische Gründe: Denn was man benennen kann, kann man auch besitzen. Für namenloses Brachland ist die Schweiz wohl auch zu klein.