Katastrophen im Aargau
Flugzeugabsturz Dürrenäsch: «Da war niemandem mehr zu helfen»

Flugzeugabsturz Dürrenäsch 1963: Der ehemalige Reporter Heinz Fröhlich war einer der Ersten am Unglücksort und sah mit eigenen Augen wie sich die Sud Aviation SE-210 Caravelle III mit voller Wucht in den Boden gebohrt hatte.

Toni Widmer
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Die Caravelle der Swissair bohrte sich am 4. September 1963 knapp vor dem Ortsrand in Dürrenäsch in die Wiese, 80 Menschen fanden dabei den Tod.

Die Caravelle der Swissair bohrte sich am 4. September 1963 knapp vor dem Ortsrand in Dürrenäsch in die Wiese, 80 Menschen fanden dabei den Tod.

Aargauer Zeitung

Am 4. September 1963, um 7.04 Uhr, erhielt der Flug 306 - eine Sud Aviation SE-210 Caravelle III mit der Immatrikulation HB-ICV - auf dem Flughafen Zürich die Rollerlaubnis. Eine Minute später meldete die Crew, dass sie einmal über die Piste und wieder zurück rollen würden, um die Sicht zu rekognoszieren und gleichzeitig den Nebel zu verblasen. Der Start erfolgte um 7.13 Uhr von der Piste 34.

Um 7.21 Uhr funkte der Pilot einen Notruf, weil die Maschine stark an Höhe verlor. Eine Minute später bohrte sich die Caravelle am Ortsrand von Dürrenäsch mit hoher Geschwindigkeit in den Boden. «Grössere und kleinere Trümmerteile lagen an der Absturzstelle weit verstreut, vom Rumpf des Flugzeuges war jedoch nichts zu sehen. Die Maschine muss sich richtiggehend in die Erde gebohrt haben», erinnert sich der 79-jährige Heinz Fröhlich.

«Niemand wusste was zu tun war»

Er war als Reporter des Aargauer Tagblatts eine glüknappe halbe Stunde nach dem Unglück vor Ort, fast zur gleichen Zeit wie die Feuerwehr. «Das halbe Dorf stand vor der Absturzstelle und schaute geschockt auf die Trümmer. Niemand wusste so richtig, was zu tun war. Dennoch gab es keine Panik, es ging alles ziemlich geordnet und ruhig zu.»

Aus den Trümmern, berichtet der ehemalige Reporter weiter, sei zwar etwas Rauch aufgestiegen. Besonders aus dem rund 6 Meter tiefen Krater, in welchem ein Triebwerk gelegen habe. Doch gebrannt hätten die Überreste des Flugzeuges nicht. «Dafür», erzählt Fröhlich, «standen zwei Häuser neben der Absturzstelle in Flammen. Die Feuerwehr hat sich zuerst darauf konzentriert, diese zu löschen.» Man habe ja bald gesehen, dass den Passagieren des Flugzeuges wohl kaum mehr zu helfen wäre.

Militär kam mit Baumaschinen
Später hätten dann Uniformierte dennoch damit begonnen, im Trümmerfeld nach Überlebenden zu suchen: «Das Militär kam mit Baumaschinen und grub das Erdreich um.»
Er hätte sich, sagt Fröhlich, auf dem Gelände frei bewegen können. Anfänglich sei noch kaum etwas abgesperrt gewesen. Im Gegensatz zu heute, wo sich in einer solchen Situation wohl viele Schaulustige mit ihren Handykameras auf dem Gelände tummeln würden, hätten sich die Schaulustigen damals äusserst zivilisiert benommen: «Sie blickten vom Rand aus auf das Geschehen, die Unfallstelle hat aber niemand betreten. Ich denke, die Leute waren sehr betroffen von dem, was sie da sahen.»
Erst später seien dann die deutlich rücksichtsloseren «Unglückstouristen» aufgetaucht. «Im Gegensatz zur Dorfbevölkerung, die sehr viel Mitgefühl mit den Toten gezeigt hatte, wollten diese Leute einfach möglichst viel von der Unfallstelle sehen und möglichst nahe ans Geschehen. Es waren Hunderte, die im Laufe des Unglückstages und vor allem in den darauf folgenden Tagen nach Dürrenäsch kamen, um die Absturzstelle zu besichtigen. Man redete damals von etwa 40 000 Leuten.»

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