Letzte Woche verfügte das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) Massnahmen gegen vom Flughafen Kloten ausgehenden Fluglärm in der Nacht. Verkehrsdirektor Stephan Attiger sagte dazu in der AZ, die Massnahmen gingen in die richtige Richtung. Die Regierung werde die weitere Entwicklung beobachten und sich auch in Zukunft für die Interessen des Kantons Aargau einsetzen.

Für den Aargau ist hauptsächlich der Nachtfluglärm problematisch, insbesondere die Starts in Kloten ab 22 Uhr. Diese führen zur Überschreitung der Lärm-Grenzwerte im Kanton und zu entsprechenden Protesten von betroffenen Anwohnerinnen und Anwohnern. Der Protest der Aargauer Regierung war denn auch offenkundig mit ein Grund dafür, dass der Flughafen Kloten letztes Jahr auf Geheiss aus Bern einen separaten Monitoringbericht zur Lärmbelastung erstellen musste. Aufgrund der Ergebnisse dieses Berichts hat das Bazl dann seine Verfügung erlassen.

Nachts nahm der Lärm massiv zu

Die Aargauer Regierung hat schon lange vor der Bazl-Verfügung auf den Monitoringbericht reagiert. In einem Schreiben ans Bazl hielt sie fest, der Nachtbetrieb führe zu teilweise erheblichen Überschreitungen des genehmigten Lärms: «In der ersten Nachtstunde (22 Uhr bis 23 Uhr) erfolgen diese Überschreitungen südlich und östlich des Flughafens und sind im Wesentlichen durch eine grössere Anzahl Landungen verursacht. In der zweiten Nachtstunde betreffen die Überschreitungen den Nordwesten, insbesondere den Aargau, und den Nordosten des Flughafens. Die Überschreitungen betragen bis zu acht Dezibel, was gegenüber der damaligen Prognose ungefähr einer Versechsfachung des Verkehrs entspricht.»

Diese massive Überschreitung werde durch die grosse Zahl von verspäteten Starts von Langstreckenflugzeugen verursacht, heisst es weiter. Dass die Anzahl Flugbewegungen nach 22 Uhr gegenüber den damaligen Prognosen um 25 Prozent gesteigert wurde, trage zusätzlich zur Überschreitung des genehmigten Lärms bei.

Für Hans-Martin Plüss, Fluglärmspezialist im Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU), «ist die überraschende Verfügung aus Bern eine sehr erfreuliche Nachricht». Für ihn ist auch klar, wo die Prioritäten liegen: «Der Flughafen muss erst seine Verspätungen in den Griff bekommen, bevor über neue Slots gesprochen werden kann.» Diese Forderung erhebe nebst dem Aargau auch der Kanton Zürich.

Doch greift die Verfügung aus Bern tatsächlich wie geplant schon ab Sommerflugplan 2019? Das Bazl hat allfälligen Beschwerden zwar die aufschiebende Wirkung entzogen. Für einen Beschwerdeführer sei es aber grundsätzlich möglich, dies vor Bundesverwaltungsgericht anzufechten. Plüss hofft allerdings sehr, dass dies nicht geschieht, und die Verfügung 2019 in Kraft treten kann.