Fluglärm

Flughafen-Chefs machen sich für gekröpften Nordanflug stark

Andreas Schmid (l.), Verwaltungsratspraesident Flughafen Zuerich, und CEO Thomas Kern, anlässlich der Medienorientierung zum Staatvertrag mit Deutschland (Archiv)

Andreas Schmid (l.), Verwaltungsratspraesident Flughafen Zuerich, und CEO Thomas Kern, anlässlich der Medienorientierung zum Staatvertrag mit Deutschland (Archiv)

Flughafen-Verwaltungsratspräsident Andreas Schmid erklärt, wie der Staatsvertrag mit Deutschland umgesetzt werden kann. Die ablehnende Haltung der Aargauer gegenüber dem gekröpften Nordanflug ist für ihn nachvollziehbar. Er will ihn trotzdem.

Herr Schmid, der Flughafen will den vorliegenden Staatsvertrag mit Deutschland unbedingt. Warum?

Andreas Schmid: Der Flughafen will diesen Staatsvertrag nicht «unbedingt». Der Flughafen respektiert, dass die schweizerische Verhandlungsdelegation einen Vertrag ausgehandelt hat. Und wir respektieren, dass die Zeit des Wünschbaren der Zeit des Machbaren und des Umsetzens gewichen ist. Es gibt keine Alternative zu diesem Vertrag.

Und für dessen Umsetzung sind zwingend Pistenverlängerungen notwendig?

Das ist so. Sie sind die Voraussetzung, dass der Vertrag betrieblich umgesetzt werden kann.

Dafür setzen Sie ab 2020 auch fest auf den gekröpften Nordanflug. Warum?

Wir wollen mit dem gekröpften Nordanflug, vor allem in den sensiblen Morgenstunden, möglichst wenige Menschen mit Lärm belasten. Der Südanflug ist von unserem Pistensystem her aus flugtechnischen Überlegungen nicht optimal. Und er belastet den Grossteil der Zürcher Bevölkerung.

Der Aargau bot im SIL-Prozess Hand für die Surbtalroute, womit die spätesten Abflüge hier durch gehen. Er wollte so den gekröpften Nordanflug mit den frühesten Maschinen am Morgen abwenden. Beides zusammen ist doch unzumutbar für die Bevölkerung.

Ich will bei der Lärmbelastung nicht zwischen dem Kanton Aargau und dem Kanton Zürich unterscheiden. Selbstverständlich haben wir Respekt vor der betroffenen Bevölkerung. Wir wollen einfach dem Grundsatz Folge leisten, möglichst wenig Menschen mit Lärm zu belasten.

Der Aargau argumentiert weiter, die Flugzeuge müssten dann relativ tief über Kernanlagen anfliegen. Dies weckt grosse Ängste.

Dieses Argument nehmen wir selbstverständlich ernst. Es wird aber von der Stadtzürcher Bevölkerung mit gutem Recht ebenfalls vorgebracht. Wir müssen hier einen gangbaren Weg finden. Alle Anflugvarianten werden immer auch auf ihre Sicherheit überprüft. Das wird auch bei der Variante «J Staatsvertrag» so sein. Letzten Endes entscheidet die Politik, wie geflogen werden kann.

Für den gekröpften Nordanflug braucht es Satellitennavigation, mit der Sie jetzt erste Erfahrungen machen. Sind Sie 2020 dafür überhaupt bereit - auch noch für einen schwierigeren gekröpften Anflug?

Wir gehen aufgrund des heutigen Wissensstandes davon aus, dass es bis 2020 möglich sein wird, ein solches System zu fliegen.

Skyguide sagt, dass Sie mit diesem Anflug kleinere Kapazitäten haben. Rechnet sich das überhaupt?

Nein, wir rechnen aufgrund der modernen Technologie nicht mit Kapazitätseinbussen.

Nicht nur am Boden muss man bereit sein, auch die Flugzeuge sind auszurüsten. Geht das bis 2020?

Nach Rücksprache mit unseren Kunden ist das möglich.

Sie wollen wochentags den «Gekröpften» von 6 bis 6.30 Uhr und am Wochenende und an Feiertagen sogar von 6 bis 9 Uhr fliegen. Ist das betrieblich machbar?

Dazu kann ich Ihnen noch keine verbindliche Antwort geben, weil wir noch nicht wissen, was dannzumal sowohl technisch als auch politisch möglich ist. In den kommenden Jahren wird sich zeigen, wie sich die Technologie entwickelt. Wichtig ist, dass dies nur eine von zwei Optionen ist. Die andere Variante wären mehr Anflüge von Süden her. Beide müssen erstens technisch und zweitens auch politisch machbar sein. Das braucht noch viel Arbeit - auch zwischen den Kantonen Zürich und Aargau. Das ist mit ein Grund, warum sich die Zürcher Regierung in dieser Frage noch nicht geäussert hat. Sie will den Staatsvertrag im Kanton aber auch mit ihren Nachbarn noch erläutern.

Eingedenk dieser Aussichten steht der Aargau unter dem Eindruck, dass er den Preis für den Staatsvertrag bezahlt.

Für diese Sorge habe ich Verständnis. Dieser Eindruck kann aus Aargauer Sicht entstehen.

Wie wollen Sie diesen Eindruck entkräften?

Wie gesagt: unabhängig von den kantonalen und den Staatsgrenzen geht es uns darum, möglichst wenig Menschen mit Lärm zu belasten.

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