Masseneinwanderungsinitiative
Flugblatt beschimpft Gegner der SVP-Initiative: «Verräter am Schweizervolk»

Ein anonymes Flugblatt beschimpft Politikerinnen und Politiker als Landesverräter, weil sie sich gegen die Masseneinwanderungsinitiative der SVP ausgesprochen haben. FDP-Präsident Matthias Jauslin hat das Schreiben am Wochenende erhalten.

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Flugblatt bezeichnet Politiker Verräter am Schweizer Volk.

Flugblatt bezeichnet Politiker Verräter am Schweizer Volk.

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Unerfreuliche Post fand Matthias Jauslin, Präsident der FDP Aargau, am Samstag in seinem Briefkasten: In einem anonymen Flugblatt werden Mitglieder des „NEIN zur SVP-Abschottungsinitiative"-Kommitees der Aargauischen Industrie- und Handelskammer beschimpft – so auch Jauslin.

Sein Portraitfoto ist mit rotem Filzstift mehrmals durchgestrichen, genauso wie die Bilder von 19 weiteren Politikern und Geschäftsleuten. «Das sind alles Verräter am Schweizervolk» schrieb der Unbekannte mehrmals mit Schreibmaschine.

Das Flugblatt enthält ausserdem zwei Leserbriefe, ausgeschnitten aus dem «Wohler Anzeiger». Beide propagieren ein Ja zur Masseneinwanderungsinitiative. Daneben kleben, mit roten Glitzersternen verziert, die Portraitbilder von vier der SVP nahestehenden Politikern. «Nehmen Sie ein Beispiel von diesen 2 Eidgenossinnen und 2 Eidgenossen, stimmen Sie mit JA», steht darunter.

«Es ist schade, dass sich jemand hinter einem anonymen Flugblatt verstecken muss, anstatt mir persönlich gegenüber zu treten», sagt Matthias Jauslin. Obwohl das Schreiben wohl keine grösseren Auswirkungen haben werde, mache es ihn betroffen. «Ich werde natürlich nicht gerne als Verräter am Schweizervolk dargestellt, und es ist bedenklich, dass jemand so unter die Gürtellinie geht.»

«So etwas Primitives trifft mich gar nicht.»

Jauslin weiss nicht, ob er der einzige Empfänger des Flugblatts ist, dessen Umschlag in Bremgarten abgestempelt wurde. Recherchen der az zeigen: Die übrigen Personen, die auf dem Flugblatt dargestellt sind, haben wohl keine Post erhalten. Auch nicht Markus Zemp, Präsident CVP Aargau. Dass er als Landesverräter beschimpft wird, nimmt er gelassen: «So etwas Primitives trifft mich gar nicht.»

Ähnlich klingt es bei BDP-Aargau-Präsident Bernhard Guhl: «Ich nehme das mit Gelassenheit.» Nicht er habe ein Problem, sondern die Verfasser solcher Papiere. «Eigentlich müsste man ja mit Mitleid mit solchen Leuten haben», sagt Guhl, «aber dafür hab ich schlicht keine Zeit.»

Auch bei Jonas Fricker, Präsident der Aargauer Grünen, hält sich die Betroffenheit in Grenzen. «Vor 20 Jahren hätte das wahrscheinlich viel mehr aufgeregt», sagt er. «Leider hat der populistische Stil der SVP offenbar auf einzelne ihrer Sympathisanten abgefärbt – sie denken nun, solche Aktionen seien salonfähig.»

Auffällig: Bei einem der abgebildeten Leserbriefe wurde der Name des Absenders unkenntlich gemacht. Die az weiss aber: Es handelt sich um Roland Büchi, Wohler SVP-Einwohnerrat. «Ich habe noch nie von diesem Flugblatt gehört», sagt er dazu. Es stamme mit Sicherheit nicht von ihm, und er habe auch keine Ahnung, wer es gemacht haben könnte. (NRO)

Schauen Sie sich hier das anonyme Flugblatt an:

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