3920 Betrugsfälle

Fleischskandal in Baden: Metzger bei Manor tricksten jahrelang beim Ablaufdatum

Drei bis vier Kilogramm Fleisch pro Woche wurden bei Manor in Baden jahrelang falsch etikettiert und mit neuen Ablaufdaten versehen. (Symbolbild)

Drei bis vier Kilogramm Fleisch pro Woche wurden bei Manor in Baden jahrelang falsch etikettiert und mit neuen Ablaufdaten versehen. (Symbolbild)

Recherchen der az zeigen: Zum Aargauer Fleischskandal mit den 3920 Fällen kam es im Warenhaus Manor in Baden. Manor bestätigt, dass es im 2015 zu Entlassungen nach Verstössen gegen die Hygiene-Vorschriften gekommen ist.

Abgelaufenes Fleisch neu etikettiert, konventionelles Fleisch als «Bio» deklariert – und das in fast 4000 Fällen. Die Vorwürfe gegen fünf Mitarbeiter eines Aargauer Warenhauses sind happig. Über mehrere Jahre hinweg sollen sie Fleisch mit abgelaufenen Verkaufs- und Verbrauchsdaten neu etikettiert und wieder zum Verkauf angeboten haben.

Am Montag hatte die Aargauer Kantonspolizei an ihrer Jahresmedienkonferenz über die laufenden Ermittlungen informiert. Dabei gehts um Betrug und Urkundenfälschung.

Bei der Oberstaatsanwaltschaft hiess es daraufhin, betroffen sei eine einzelne Filiale einer Warenhauskette. Um welche es sich handelt, gab die Staatsanwaltshaft aufgrund des Amtsgeheimnisses nicht an.

Abgelaufen und auch nicht «bio»

Abgelaufen und auch nicht «bio»

Fast 4000 Mal hat ein Lebensmittelgeschäft abgepacktes Fleisch falsch deklariert. Die Ware wurde als «Bio-Fleisch» oder mit falschem Ablaufdatum verkauft. So berichtete «Tele M1» am Montag über den Betrugsfall.

Manor hat Prozesse überprüft

Jetzt zeigen Recherchen der az: Betroffen ist die Manor-Filiale in Baden. Mediensprecherin Elle Steinbrecher sagt, man sei von der Staatsanwaltschaft am Montag darüber informiert worden, dass es sich bei der laufenden Strafuntersuchung um ein Vorkommnis in der Manor Baden handle.

«Wir können bestätigen, dass es bei Manor Baden im Jahr 2015 zu Entlassungen wegen Verstössen in der Einhaltung der Hygienevorschriften gekommen ist», sagt Steinbrecher. Dieses Verhalten sei für Manor «unter keinen Umständen akzeptabel», entsprechend habe man den Fall «mit allen Konsequenzen aufgearbeitet».

Wie Steinbrecher erklärt, sei das Vergehen mit personellen Konsequenzen geahndet worden. Zudem wurde auf Konzernebene gehandelt: «Die damit in Verbindung stehenden Qualitätsprozesse wurden überprüft und verschärft, die internen und externen Schulungen intensiviert.»

Steinbrecher betont, für Manor seien Qualität, Sicherheit und Kundenzufriedenheit prioritär. Intern sei der Fall abgeschlossen – am jetzt laufenden Strafverfahren sei man nicht beteiligt. Dieses richtet sich demnach einzig gegen die inzwischen entlassenen Mitarbeiter.

Wie sich gestern zeigte, gab es in den letzten Jahren noch einen zweiten Fall, in dem Mitarbeiter eines Aargauer Warenhauses wegen Verfehlungen freigestellt wurden. Betroffen war Coop City in Aarau. Dieser zweite Fall hat jedoch nichts mit Umdatierung oder der Fleischqualität zu tun, auch Kunden wurden keine getäuscht.

Wie Coop-Sprecher Ramón Gander bestätigt, hatten sich dort vor drei Jahren zwei Metzger selber bereichert, in dem sie eigenhändig Rabattkleber auf Produkten anbrachten und so Waren günstiger bezogen. Die Metzger und im Nachgang dazu auch ein Vorgesetzter mussten gehen.

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