Aargau

Fischer schlagen Alarm: Fischbestände in Aargauer Flüssen brechen ein

Fischer im Aargau brauchen immer mehr Geduld.

Fischer im Aargau brauchen immer mehr Geduld.

Acht Stunden lang muss sich ein Fischer durchschnittlich gedulden, bis er einen Fisch an der Angel hat. Das liegt auch an Chemikamlien-Cocktails in den grossen Flüssen. Ein neues Konzept soll den Einsatz von Jungfischen ab 2017 effizienter machen.

In den Aargauer Flüssen Aare, Rhein, Limmat und Reuss sind die Fischbestände massiv eingebrochen. Jetzt schlägt Hans Brauchli aus Rekingen Alarm: «Keine Tierarten sind in den letzten Jahrzehnten derart dezimiert worden, wie Fische, Krebse und wirbellose Tiere», sagte der Präsident des Aargauischen Fischereiverbandes (AFV).

Der Fangerfolg sei niederschmetternd, acht Stunden lang müsse ein Fischer im Mittel Geduld haben, bis etwas an der Angel zappelt. Den Antrag des Vorstandes «für ein effizienteres und qualitativ verbessertes Besatzungskonzept» genehmigte die grosse Mehrheit der 162 Fischerinnen und Fischer an der Versammlung in Lupfig. Neben ökologisch besseren Bächen und Flüssen geht es um die Existenz des Verbandes: Der AFV zählte vor zehn Jahren über 3000 Mitglieder, heute sind es noch weniger als 2000.

Gründe für den Einbruch

Im Gegensatz zu kleineren Bächen «funktioniert die nachhaltige Reproduktion der Fische in den grossen Flüssen nicht mehr», klagt Hans Brauchli. Die Gründe seien vielfältig, aus den Kläranlagen komme zunehmend ein chemischer Cocktail aus Rückständen von Medikamenten. Das führe zu Unfruchtbarkeit und Krankheiten der Lebewesen in den Gewässern.

Die Biologie der Anlagen sei nicht in der Lage, diese Stoffe abzubauen, dafür brauchten die ARA’s eine vierte Reinigungsstufe. Eingewanderte Tierarten ernährten sich in grossem Stil von Edelfischen wie Forelle und Aesche. Wenn Kormorane und Gänsesäger einfallen und räubern, holen sie tonnenweise Fische.

Mehr Ökologie bei Kraftwerken

Fast überall sind die grossen Flüsse für die Stromproduktion gestaut, aber auch die Wasserkraft ist nicht so sauber wie ihr Ruf. Kiestransporte finden nicht mehr statt, die Stauseen verlanden, in den Sedimenten hat es PCB und andere Giftstoffe. Bei Ausbauten wird teils viel Geld für mehr Ökologie eingesetzt.

So hat die Artenvielfalt dank Zusatzgewässer am Leibstadter Ufer bei Albbruck-Dogern stark zugenommen. An anderen Orten kämpfen die Fischer: «Beim Kraftwerk Wettingen wurden Verbesserungen des Fischeinstiegs aus Kostengründen zurück gestellt», bedauert Brauchli. Nachbesserungen seien auch beim Kraftwerk Aue an der Limmat nötig. An der Aare mache der Verband Einsprache gegen das Baugesuch der IBAarau, weil der Aufstieg und Abstieg für die Fische sichergestellt werden müsse.

Selbst beim Wirbelkraftwerk Schöftland drohen die Fischer mit ernsten Konsequenzen, wenn die Konzession nicht endlich eingehalten werde. Gegen die von der Regierung geplante Streichung oder Kürzung der vier Millionen Franken (zehn Prozent der Konzessionsgelder im Aargau) für Renaturierung und Ökoausgleich werden sich die Fischer vehement wehren.

Fischer als Umweltschützer

Weil die Fischer heute mehr Umweltschützer seien, gewinne die Angelfischerei trotz aller Wehklagen wieder an Bedeutung. Die Menschen suchten vermehrt Erholung in der Natur, fernab vom Stress. Diesen Trumpf setzen die Fischer in der Jugendförderung ein. Die Konflikte zwischen Hochwasserschutz, Ökologie, Landwirtschaft und Fischerei zeigte Wasserbau-Leiter Markus Zumsteg spannend auf.

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