Pilotprojekt
Fischer gehen wegen des Klingnauer Stausees notfalls bis vor Bundesgericht

Die Fischer akzeptieren auch ein angepasstes Ausbaggerungs-Projekt des Kantons Aargau nicht und reichen Beschwerde ein.

Mathias Küng
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Klingnauer Stausee im Portrait
27 Bilder
Der Blick über den Klingnauer Stausee von Döttingen her. Am See findet nicht nur die Bevölkerung aus der Region Erholung. Auch Tagestouristen aus der ganzen Schweiz und dem nahem Ausland kommen hierher. Von den Bahnhöfen Klingnau und Döttingen sowie Koblenz sind die meist asphaltierten Uferwege leicht zu erreichen. Parkplätze finden sich bei der Aarebrücke in Kleindöttingen oder unterhalb des Wasserkraftwerks in Koblenz.
Der Stausee ist bekannt für seine reiche Vogelwelt. Vogelkundler (Ornithologen) trifft man hier laufend an.
Der Stausee entstand mit dem Bau des Wasserkraftwerks Klingnau: Nach knapp vier Jahren Bauzeit ging es am 7. Juli 1935 in Betrieb. Es produziert dank drei Turbinen mit einer Leistung von 14,3 MW pro Jahr durchschnittlich rund 225 GWh elektrische Energie. Das entspricht dem Verbrauch von 50'000 Haushalten. Es ist im Besitz eines Konsortiums von Axpo und AEW Energie AG.
Am Klingnauer Stausee planen Naturschützer ein Naturzentrum, das im Mai 2019 eröffnet wird. Promotoren des Naturzentrums: Kathrin Hochuli, Geschäftsführerin Birdlife Aargau, Werner Müller, Geschäftsführer Birdlife Schweiz, und Simon Egger, Leiter Sektion Natur und Landschaft beim Kanton Aargau, (v.l.) auf dem Aussichtsturm beim Klingnauer Stausee.
Zuletzt sorgte der Klingnauer Stausee mehrfach für Schlagzeilen: Der Kanton will Material ausbaggern, wegen der Verlandung und um neue Wasserflächen zu schaffen. Streitpunkt: Der Schweizerische und der Aargauische Fischereiverband verlangen eine vollständige Entsorgung der ausgebaggerten Sedimente, die gemäss Projekt grossenteils dem Rhein zugeführt werden sollen.
In wenigen Minuten vom Stausee zu erreichen: Das Städtchen Klingnau. Hier von der anderen Seeseite aus fotografiert.
Blick auf das Vogelparadies Klingnauer Stausee von Kleindöttingen her. Klingnau liegt auf der anderen Seeseite.
Rund um den Klingnauer Stausee mit dem Velo unterwegs – das ist dank der asphaltierten Wege problemlos möglich.
Die Bevölkerung des Unteren Aaretals nutzt die Naturperle, um ihre Seele baumeln zu lassen.
Den Weg rund um den Stausee nutzen auch viele Freizeitsportler – gerade an sonnigen Tagen.
Beliebt: Schwände und Enten füttern am Klingnauer Stausee.
Ornithologen haben hier bisher über 310 verschiedene Vogelarten gesehen – im Bild: Zwei junge Rauchschwalben warten einträchtig auf die Mutter mit dem Futter.
Schwäne und Enten auf einer Insel im Klingnauer Stausee.
Der letzte Atemzug – bevor der kleine Frosch im Rachen des Graureihers verschwindet.
Eine Rostgans geniesst das Bad im Klingnauer Stausee...
..., wie auch dieses Bild zeigt.
Seltener Gast. Ein Löffler rastet am Klingnauer Stausee.
Weisse Pracht: Ein Seidenreiher auf der Jagd am Klingnauer Stausee.
Auf Klingnauer Seite befindet sich das Naturschutzgebiet Machme, wo Wasserbüffel zeitweise leben und grasen.
Ein Alpenstrandläufer am Klingnauer Stausee auf Futtersuche.
Einfach schön: Die Skyline am Klingnauer Stausee.
Eine Anlegestelle mit einem Boot der Klingnauer Pontoniere. Sie trainieren allerdings nicht auf dem Stausee, sondern unterhalb des Wasserkraftwerks.
Eine der vielen gefiederten Schönheiten am Naturparadies: Eine Kolbente (Männchen).
Blick vom Winzerdorf Döttingen auf Reben, Klingnau und den Klingnauer Stausee.
An Silvester findet alljährlich der Gippinger Stauseelauf statt: Hunderte Läufer nehmen jeweils daran teil.

Klingnauer Stausee im Portrait

Kurt Wächter

Mit einem Pilotprojekt will der Regierungsrat die Verlandung des Klingnauer Stausees verlangsamen und neue Wasserflächen schaffen.

Das schon ältere Projekt soll dem Grossen Rat aufgrund von diversen Projektverbesserungen noch einmal vorgelegt werden, weil der ursprünglich von ihm bewilligte Kredit durch massive Umplanungskosten überschritten wird. Das wurde Ende Dezember bekannt.

Die Anpassungen am Projekt sind die Antwort auf eine Einwendung des Schweizerischen (SFV) und Aargauischen Fischereiverbandes (AFV) auf das Projekt. Der AFV-Vizepräsident Hans Brauchli betonte gegenüber dieser Zeitung schon gleich nach Bekanntgabe dieses Regierungsratsentscheids, der AFV sei nicht gegen das Projekt, «man muss die Problematik der Verlandung lösen».

Alle Sedimente entsorgen

Die Verbände verlangen jedoch eine vollständige Entsorgung der ausgebaggerten Sedimente, die nach dem Ausbaggern grossenteils dem Rhein zugeführt werden sollen. Jetzt steht fest: Die Fischereiverbände ziehen den Streit mit dem Kanton weiter. Das steht in einer gestern publizierten, beim kantonalen Verwaltungsgericht eingereichten Beschwerdeschrift gegen den Entscheid vom Dezember.

Man wehre sich dagegen, schadstoffbelastetes Sedimentmaterial grossteils und ungereinigt in den Fluss zu leiten. Die Beschwerdeführer sind überzeugt, «dass die künstliche, massive Einleitung von Sedimenten die Fische schädigt, indem die Schwebstoffe die Kiemenfunktion beeinträchtigen».

In einem ersten Projekt habe der Kanton 2010 das gesamte Aushubmaterial von rund 40 000 m3 dem Rhein zuführen wollen, heisst es in der Beschwerdeschrift. Nach mehreren Änderungen geht es noch um ein Volumen von 23 500 m3, wovon 7500 m3 in eine Deponie kommen sollen.

Die dreimaligen Änderungen enthielten «das stilschweigende Eingeständnis des Departementes, dass der jeweils vorhergehende Projektierungsstand nicht rechtmässig war (und er ist es auch heute noch nicht)», so der Aarauer Rechtsanwalt Peter Gysi in der Beschwerdeschrift, und die erhebliche Reduktion der Ausbaggerung schmälere den ökologischen Wert des Vorhabens.

Für den Fall der Ablehnung des Zusatzkredits durch den Grossen Rat behält sich der Regierungsrat sogar eine weitere Redimensionierung des Projekts vor. Für die Beschwerdeführer ist klar, dass es sich bei der vorgesehenen Einleitung ausgebaggerten Materials in den Rhein um das Einbringen schädlicher Stoffe in fester oder flüssiger Form in ein Gewässer handle, welches absolut verboten sei.

«Präjudizieller Charakter»

Die Genehmigung des Regierungsrats für das Projekt sei «unter Missachtung einer Reihe von Vorschriften» ergangen, schreibt Gysi weiter, daher sei diese aufzuheben. Die Beschwerdeführenden Verbände messen dem Verfahren gesamtschweizerisch präjudizielle Bedeutung zu, «weil hier erstmals grosse Kubaturen schadstoffbelasteten Materials in ein Gewässer eingeleitet werden sollen», hält Gysi weiter fest.

Deshalb behielten sich die Verbände vor, «einen Entscheid des Verwaltungsgerichts, welcher wider Erwarten negativ ausfallen sollte, beim schweizerischen Bundesgericht anzufechten».

Darum will der Aargau Projekt

Das Volumen des Klingnauer Stausees ist in den letzten 80 Jahren von sieben auf unter zwei Millionen Kubikmeter Wasser geschrumpft. Da der durch die zunehmende Verlandung gefährdete Stausee eines der wichtigsten Vogelschutzgebiete der Schweiz ist, plant der Kanton Aargau seit rund zehn Jahren eine Ausbaggerung – ein Projekt, das mehrere Male überarbeitet und redimensioniert wurde. Aus den ursprünglich 40 000 m Aushub wurden in einem ersten Schritt 28 000, schliesslich 23 500.

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