Sperrzonen
Firma aus China blockiert Drohnen im Aargau

Der Drohnenhersteller DJI hat Sperrzonen rund um Bezirksgefängnisse eingerichtet. Die Regeln gehen weiter als jene des Bundes.

Noemi Lea Landolt
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Drohnen garantieren spektakuläre Luftaufnahmen.

Drohnen garantieren spektakuläre Luftaufnahmen.

Keystone

Von einem Tag auf den anderen ging nichts mehr. Der Drohnenpilot aus der Region staunte nicht schlecht. Er wollte seine Drohne des chinesischen Herstellers DJI – wie schon oft – über Aarau steigen lassen. Doch an jenem Tag meldete ihm die Steuerungssoftware, er dürfe hier nicht fliegen und verhinderte ein Abheben.

Der Grund: In der Nähe befindet sich das Aarauer Bezirksgefängnis. In einem Umkreis von 500 Metern sind keine Flüge mehr möglich (siehe Karte unten). Innerhalb der Sperrzone kann eine Drohne nicht abheben, und wenn sie ein Pilot von ausserhalb in die Sperrzone hineinsteuern will, bleibt sie stehen. Geofencing nennt sich diese unsichtbare, unüberwindbare Barriere.

Fliegen unmöglich: Der Drohnenhersteller DJI erklärt Bezirksgefängnisse, wie hier in Aarau, zur «restricted zone».

Fliegen unmöglich: Der Drohnenhersteller DJI erklärt Bezirksgefängnisse, wie hier in Aarau, zur «restricted zone».

Geo Zone Map DJI/Screenshot

Im Ermessen des Herstellers

Zu Hause informiert sich der Drohnenpilot zunächst auf der Website des Herstellers. Dort sieht er, dass um alle Bezirksgefängnisse eine solche Sperrzone eingerichtet worden ist. Er wendet sich an den Kanton. «Uns ist nichts dergleichen bekannt», lautet die Antwort. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt Bazl wird etwas konkreter und informiert ihn, es handle sich bei der Flugsperre um eine Massnahme des Drohnenherstellers. «Sie hat keinen Bezug zu unseren Vorschriften.» Es liege im Ermessen des Herstellers, nach einer eigenen Risikoüberprüfung solche Geofencing-Zonen einzurichten. Das Bazl hält weiter fest, dass dem Drohnenpiloten keine Strafe drohe, wenn er das Geofencing ausser Betrieb setze, sofern er keine der publizierten gesetzlichen Bestimmungen des Bazl verletze (siehe Box am Ende).

Das Problem ist damit nicht gelöst. Um wieder über Aarau und näher als 500 Meter an Bezirksgefängnisse fliegen zu können, muss das Geofencing deaktiviert werden. Dazu muss bei der chinesischen Herstellerfirma für jede Sperrzone eine Freischaltung beantragt werden. Der Drohnenpilot hat das versucht. Bisher erfolglos.

Martin Kellerhals, der Präsident des Schweizerischen Drohnenverbands, hat auch bemerkt, dass der Hersteller DJI von sich aus neue Sperrzonen eingerichtet hat, obwohl es in der Schweiz kein Gesetz gibt, das Flüge im Umkreis von 500 Metern um Gefängnisse verbieten würde. Er finde es aber nachvollziehbar. «Bei uns im Verein gilt der Kodex, dass nicht näher als 100 Meter an Gefängnisse oder Spitäler geflogen wird», sagt Kellerhals. Für ihn ist klar, dass ein verantwortungsvoller Drohnenpilot auch stets im Hinterkopf haben sollte, dass sich Leute von der Drohne gestört fühlen könnten. Ausserdem findet er Flüge in oder über eine Altstadt per se heikel. «In dicht besiedelten Gebieten oder auch über Orten, an denen sich viele Menschen aufhalten könnten, müssen Drohnenpiloten besonders vorsichtig sein», sagt Kellerhals.

Checkliste für Hobbypiloten: Auch in der Luft gelten Regeln

Wer seine Drohne im Griff hat, braucht keine Bewilligung, wenn sie weniger als 30 Kilogramm wiegt und jederzeit auf Sicht gesteuert wird. Dennoch gibt es Gesetze, und diese muss ein Pilot kennen und sich allenfalls vor dem Flug zusätzlich bei den lokalen Behörden über Einschränkungen informieren.

Die Haftpflichtversicherung muss allfällige Schäden von mindestens einer Million Franken abdecken. Weiter muss der Schutz der Privatsphäre beachtet werden. Filmflüge über militärische Anlagen sind nicht erlaubt, und in Vogelschutzzonen muss Rücksicht auf die Umwelt genommen werden.

Wer im Umkreis von fünf Kilometern um Flugplätze seine Drohne starten will, braucht eine Bewilligung. In der grösseren Kontrollzone um Flugplätze darf nur bis 150 Meter über Grund geflogen werden.

Eine Bewilligung braucht auch, wer Menschenansammlungen, zum Beispiel bei einem Fest, einem Umzug oder einer Sportveranstaltung, überfliegen will. Drohnen könnten ausser Kontrolle geraten und Personen gefährden. Deshalb darf die Drohne ohne Bewilligung nicht näher als 100 Meter an Menschenansammlungen herangeflogen werden. (nla)