Brittnau

Findet die Gemeinde keine Asyl-Wohnungen, muss sie 330000 Franken zahlen

Wenn der Gemeinderat Brittnau keine geeigneten Wohnungen findet, könnten auf gemeindeeigenem Land auch mobile Unterkünfte für Asylsuchende aufgestellt werden. Für acht Asylsuchende würde die Anlage nicht ganz so gross wie diejenige in Zürich-Leutschenbach. (Archiv)

Wenn der Gemeinderat Brittnau keine geeigneten Wohnungen findet, könnten auf gemeindeeigenem Land auch mobile Unterkünfte für Asylsuchende aufgestellt werden. Für acht Asylsuchende würde die Anlage nicht ganz so gross wie diejenige in Zürich-Leutschenbach. (Archiv)

Brittnau im Bezirk Zofingen nimmt zurzeit nicht einen Asylbewerber auf. Bisher muss sie dafür jährlich 30'000 Franken Ersatzabgabe an den Kanton zahlen. Ab 1. Januar 2016 erhöht sich der Betrag auf 330'000 Franken. Weshalb Brittnau Wohnraum sucht.

In der Gemeinde Brittnau leben keine Asylbewerber. «Wir haben keine gemeindeeigenen Liegenschaften, die für Asylsuchende verwendet werden könnten», sagt Gemeinderätin Nadine Sterchi, zuständig für Gesundheit, Soziales und Senioren. Vermieter, die eine Wohnung an Asylsuchende vermieten würden, hätten sich bisher nicht gemeldet, sagt Sterchi. Deshalb bezahlt Brittnau für die acht Asylbewerber, die die Gemeinde aufnehmen müsste, Ersatzabgaben an den Kanton.

10 Franken pro Tag und Person, rund 30 000 Franken im Jahr. Doch mit der Änderung des Gesetzes über die öffentliche Sozialhilfe und die soziale Prävention (SPG) sollen die Gemeinden bei der Unterbringung von Asylsuchenden stärker in die Pflicht genommen werden. Der Grosse Rat hat die Gesetzesänderung diesen Frühling angenommen, noch läuft das fakultative Referendum.

300 000 Franken mehr

Finanzielle Anreize sollen die Gemeinden unter anderem motivieren, künftig ihr Soll an Asylbewerbern aufzunehmen. Anstelle einer Ersatzabgabe von 10 Franken pro Tag und Person bezahlen die Gemeinden neu 113 Franken. Dies entspricht den reellen Kosten, die der Kanton bei der Unterbringung von Asylsuchenden hat.

Für Brittnau bedeutet das: Anstatt 30 000 Franken, muss die Gemeinde ab 1. Januar 2016 rund 330 000 Franken bezahlen – wenn sie auch weiterhin keine Asylsuchenden aufnimmt. «Der finanzielle Aspekt ist nur ein Grund, dass wir die Suche nach geeigneten Unterkünften intensiviert haben», sagt Nadine Sterchi.

Sie betont, dass es dem Gemeinderat vor allem darum gehe, die soziale Verantwortung gegenüber den Asylsuchenden, den anderen Gemeinden und auch dem Kanton wahrzunehmen. Trotzdem: «Finanziell ist es lukrativer, wenn wir Asylsuchende bei uns aufnehmen und nicht die Strafgebühren bezahlen», gibt Sterchi zu bedenken.

Notlösung mit Containern

Obwohl der Gemeinderat Brittnau bekräftigt, dass er Asylsuchende aufnehmen möchte, verfügt er nach wie vor nicht über Unterbringungsmöglichkeiten. «Und die Zivilschutzanlage sehe ich als ungeeignet an. Dort Asylsuchende unterzubringen, ist keine optimale Lösung», sagt Nadine Sterchi.

Sie hat mit Vermietern Kontakt aufgenommen und hat auch an der Gemeindeversammlung auf dem Schulhausplatz in Mättenwil einen Aufruf gestartet. Bisher allerdings ohne Ergebnisse. Deshalb wird Sterchi auch noch Verwaltungen anschreiben. Ausserdem beschäftigt sich der Gemeinderat mit Alternativen. «Auf gemeindeeigenem Land könnte eine Lösung mit mobilen Einheiten erstellt werden», erzählt die Gemeinderätin.

Die Bauverwaltung sei momentan dabei, diese Varianten zu prüfen. Dabei würde es sich beispielsweise um Mobilhomes (mit Schrägdächern) oder Container (mit Flachdach) handeln. Bereits ist die Gemeinde Brittnau von entsprechenden Anbietern kontaktiert worden. «Ich hoffe aber, dass wir eine oder mehrere passende Wohnungen finden werden und nicht auf diese Lösung zurückgreifen müssen», sagt Sterchi.

Deshalb sind Angebote von günstigen Wohnungen, in denen Asylbewerber untergebracht werden könnten, auf der Gemeindekanzlei nach wie vor willkommen. Spezielle Anforderungen müssten die Wohnungen nicht erfüllen, so Sterchi. «Schön wäre, wenn der öffentliche Verkehr nicht zu weit entfernt ist, damit die Asylsuchenden besser integriert werden können. Und wenn die Nachbarn nicht zu negativ eingestellt wären.»

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