Aargauische Pensionskasse

Finanzkrise verschlingt viele Millionen bei der Pensionskasse

«Für die Rentenbezüger haben wir genügend Liquidität.»

Susanne Jäger, Aargauische Pensionskasse

«Für die Rentenbezüger haben wir genügend Liquidität.»

Einem durchzogenen Jahr für die Aargauische Pensionskasse (APK) folgt ein schlechtes 2011: «Erste Schätzungen gehen von einer Jahresperformance von minus 4 Prozent aus», schreibt die APK zum Jahresauftakt.

Die Gründe dafür sind rasch aufgezählt, 2011 war geprägt von fallenden Börsenkursen, einem extrem tiefen Zinsniveau und dem starken Franken. Den fehlenden Einnahmen stehen fixe Ausgaben gegenüber, das Sparguthaben der Versicherten muss mit 1,75 Prozent verzinst werden, das Vorsorgekapital für die Renten sogar mit 3,5 Prozent. Beides zusammen drückt den Deckungsgrad der grossen Aargauer Pensionskasse von 98,9 auf rund 91 Prozent. Diese «Zahlen sind über den Daumen geschlagen, präzise Werte liegen bis Ende April vor», sagt APK-Geschäftsführerin Susanne Jäger. Für 2012 rechnet die Fachwelt mit einem weiterhin schwierigen Marktumfeld.

Tiefer Sparzins, gleiche Renten

Die Situation ist wenig erfreulich, aber alle Pensionskassen stecken im gleichen Dilemma, es geht mehr Geld weg, als hereinkommt. Dramatisieren mag die Geschäftsführerin nicht allzu stark: «Für die Rentenbezüger haben wir genügend Liquidität, denn 91 Prozent Deckungsgrad bedeutet lediglich, dass wir nicht alles Kapital per sofort auszahlen könnten.» Aber die 27000 bei der APK versicherten Arbeitnehmer können sich ja nicht alle von heute auf Morgen pensionieren lassen. Ihnen stehen 8000 Rentnerinnen und Rentner gegenüber, deren Rente auf einen fixen Betrag gesichert ist und nicht gesenkt werden kann.

Für eine Erhöhung fehlt derzeit das Geld, das wird auch in den nächsten Jahren so sein. Höhere Renten wären erst möglich, wenn der Deckungsgrad 115 Prozent übersteigt. Derzeit liegt bereits das Ziel von 100 Prozent weit entfernt, im Jahr 2009 wurde es dank einer Performance von traumhaften 11,1 Prozent fast erreicht, 2010 war sie noch 2,8 Prozent im Plus. Als Folge der schlechten Zahlen sinkt der Sparzins für 2012 auf 1,0 Prozent.

Umwandlungssatz sinkt 2014

Die Menschen werden immer älter, was ja an sich erfreulich ist, aber die Rechnung immer mehr aus dem Lot bringt. Allein zwischen den Jahren 2000 bis 2009 hat die Lebenserwartung der Männer um 10,6 und jene der Frauen um 6,3 Prozent zugenommen; die Renten laufen länger und kosten mehr Geld. Bestehende Renten gelten als Heiligtum, das niemand antasten will. Für künftige Renten muss der Umwandlungssatz zwangsläufig gesenkt werden.

Die APK liegt heute mit 6,8 Prozent im mittleren Bereich, «die Höhe der Senkung per 2014 wird erst im Sommer bekannt», erklärt Susanne Jäger. 6,8 Prozent bedeutet, dass ein Rentner pro 100000 Franken Kapital im Jahr 6800 Franken bekommt – auf Lebenszeit garantiert. Mittelfristig geht die Tendenz für neue Rentner Richtung 6 Prozent oder tiefer, weil die Leute immer länger leben.

Unsympathische Konsequenzen

Vorwürfe gegenüber der APK wären verfehlt; sie kann sich den Marktkräften nicht entziehen und hat in den letzten Jahren oft besser abgeschnitten als das Mittel der Anlageprofis. Für 2011 fehlen die konkreten Vergleichszahlen noch. Bei einem Anlagevermögen von rund 8 Milliarden Franken hat die APK Risikopapiere für weit weniger als 1 Prozent, «griechische Staatsanleihen haben wir seit Jahren keine mehr», betont Jäger. Das Grundproblem aller Pensionskassen kann nur die Politik lösen, wobei alle Szenarien für die Betroffenen höchst unsympathisch sind: höheres Pensionsalter, höhere Beiträge der aktiven Bevölkerung und/oder tiefere Renten für Pensionierte.

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