Im Frauenhaus suchen Frauen und Kinder Schutz vor gewalttätigen Männern und Vätern. Die Einrichtung hat einen Leistungsvertrag mit dem Kanton – sprich: Gemäss Betreuungsgesetz bekommt das Frauenhaus eine Tagespauschale pro Frau. Diese Art der Finanzierung findet aber nur bei belegten Betten statt. Bleiben die Betten leer, fallen auch die Tagespauschalen weg.

Das bringt das Frauenhaus in Schwierigkeiten, die Fixkosten, wie der Lohn der Mitarbeiter und die Miete, müssen unabhängig von der Belegungssituation bezahlt werden. Im Jahr 2017 schloss das Frauenhaus mit einem Rekorddefizit von mehr als 700 000 Franken ab.

In einer Interpellation der SP-Fraktion wendet sich die Aargauer SP-Präsidentin Gabriela Suter diesbezüglich nun an den Regierungsrat. Sie will wissen, ob der Kanton Aargau auch wirklich alle Angebote, für die er gemäss Istanbul-Konvention zuständig ist, bereitstellt. Die Istanbul-Konvention ist ein Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von häuslicher Gewalt. Die Schweiz hat dieses unterzeichnet. Die Konvention beinhaltet konkrete Massnahmen, wie zum Beispiel die Bereitstellung von genügend Zufluchtsorten für gewaltbetroffene Frauen oder Beratungsstellen.

Weiter stellt Suter die Frage nach einer alternativen Finanzierungsmethode: «Eine Anlaufstelle für häusliche Gewalt muss zwar immer offen sein, ist aber nicht immer ausgelastet. Bei Leerbetten kommt es schnell zu finanziellen Problemen.» Damit das Frauenhaus das Angebot aufrechterhalten könne, müsse der Kanton statt Tagespauschalen Sockelbeiträge zahlen, so wie das auch andere Kantone machen, sagt sie.

Auch Männer betroffen

Der Kanton soll auch Zufluchtsorte für Männer mit Sockelbeiträgen unterstützen, sagt Gabriela Suter weiter. Gar keine finanzielle Unterstützung vom Kanton erhält das Männerhaus Aargau. Der Verein «Zwüschenhalt» eröffnete dieses 2009, es war das erste Haus der Schweiz, das gewaltbetroffenen Männern Unterschlupf anbot.

Vor drei Wochen gab Oliver Hunziker, Präsident des Vereins «Zwüschehalt» bekannt, dass das Männerhaus Aargau auf Ende Jahr aus der bisherigen Immobilie ausziehen muss. Der Besitzer verkauft das Haus. «Das bringt uns in Schwierigkeiten, weil wir auf die Schnelle keine zufriedenstellende Lösung finden werden», sagte er zur AZ. Ein Neustart brauche Kapital, das der Verein nicht habe. Der Verein finanziert sich hauptsächlich durch Spenden. Hunziker wünscht sich eine bessere Zusammenarbeit mit den Behörden.

In einem weiteren Vorstoss appelliert deshalb auch Marianne Binder an die Regierung. Sie stellt die Frage, ob der Kanton die Situation gewaltbetroffener Männer ernst nehme. Und ob die Sensibilität der Polizei und der involvierten Stellen ausreichend sei. «Die Tatsache, dass es Männer gibt, die Hilfe brauchen und sich nicht trauen, dies zu sagen, weil sie sich schämen, beschäftigt mich schon», sagt die Aargauer CVP-Präsidentin. Gewalt gegen Männer werde oft lächerlich gemacht. Der Kanton soll sich nun mit der Frage beschäftigen, ob und wie Schutzinstitutionen, die auch Männern offen stehen, finanzielle Unterstützung erhalten sollen.