Caritas Aargau

Finanzielle Hilfe nach Lockdown: Vor allem alleinerziehende Mütter von Armut betroffen

Bei Alleinerziehenden reicht das Geld häufig nicht für das Notwendigste. Sie müssen in Armut leben. (Symbolbild)

Bei Alleinerziehenden reicht das Geld häufig nicht für das Notwendigste. Sie müssen in Armut leben. (Symbolbild)

Seit dem Lockdown macht die Caritas Aargau fast doppelt so viele Beratungen für Menschen in Notlagen als sonst. Gelder von der Glückskette sollen dafür sorgen, dass trotz der grossen Nachfrage allen geholfen werden kann. Mit der Krise hat sich auch die Klientenschaft verändert.

Unterstützung Wegen den Corona-­Massnahmen und der Kurzarbeit brauchten in den letzten Wochen viele Leute finanzielle Hilfe. Das hat auch die Caritas Aargau gespürt, deren regionale Ableger, die kirchlichen Sozialdienste, Beratungen für Menschen in Notlagen durchführen. «Am Anfang des Lockdowns haben sich zuerst viel weniger Personen gemeldet, weil alles stillgestanden ist. Aber im April und Mai hatten wir dann viel mehr Klienten als sonst», sagt Caritas-Sozialarbeiterin Anna Parini.

Diesen Anstieg bestätigt auch die Statistik der Caritas Aargau: 206 Personen brauchten im April die Unterstützung des Hilfswerks, fast doppelt so viele wie noch im Jahr zuvor. Im Mai stiegen die Zahlen weiter an, auf total 257 Kurzberatungen. Und der Juni wird wohl ähnlich aussehen: «Tendenziell steigen die Zahlen immer noch», sagt Emil Inauen, stellvertretender Geschäftsleiter der Caritas Aargau.

3,5 Millionen Franken von der Glückskette für Caritas Schweiz

Um auf die grosse Nachfrage nach Hilfeleistungen reagieren zu können, hat die Caritas Gelder von der Glückskette bekommen. Insgesamt wurden bis anhin rund 3,5 Millionen Franken von der Glückskette via Caritas Schweiz an deren Regionalstellen verteilt. Allerdings dürfen pro Person maximal 1000 Franken vergeben werden.

Diese werden in Form von Migros-Gutscheinen an Hilfsbedürftige verteilt. Auch Rechnungen des Grundbedarfs können übernommen werden. «Die Mittel der Glückskette reichen bei weitem nicht aus, um ganze Geschäftsmieten oder grössere Lohnausfälle zu zahlen. Für Nothilfe können wir immerhin etwas Entschärfung liefern», schreibt Emil Inauen.

Mit der Krise hat sich für die Caritas nicht nur das Arbeitsvolumen verändert, sondern auch die Klientenschaft: «Es haben sich viel weniger Ausländer gemeldet als sonst», erzählt Sozialarbeiterin Parini. Während des Lockdowns haben die kirchlichen Dienste der Caritas die Beratungen telefonisch durchgeführt. Das wurde zur Hürde für Hilfesuchende mit schlechten Deutschkenntnissen, wie Caritas-Sozialarbeiterin Parini erklärt.

Kaum weniger Fälle im Sommer: Caritas rechnet mit Stagnation

Mehr gemeldet haben sich hingegen Alleinerziehende und temporär Angestellte, die besonders häufig in finanzielle Schwierigkeiten gerieten während dem Lockdown. Denn die temporär Angestellten verloren schnell ihren Job, wodurch sie plötzlich gar kein Einkommen mehr hatten. Und die Alleinerziehenden verdienten oft schon vor der Krise so wenig, dass 20 Prozent Lohneinbussen während der Kurzarbeit grosse finanzielle Schwierigkeiten mit sich brachten. Diesen beiden Gruppen konnte beispielsweise mit den Migros-Gutscheinen geholfen werden.

Mit weniger Fällen rechnet die Caritas Aargau nicht so bald: «Normalerweise gehen die Leute in die Ferien, dann ist im Sommer weniger los. Aber dieses Jahr geht das für die meisten ja nicht», erklärt Emil Inauen. Die Caritas befürchtet, dass die Fallzahlen zwar stagnieren, dies aber auf sehr hohem Niveau.

«Ein Rückgang auf die Vorjahreshöhe ist aus unserer Sicht noch nicht zu erwarten», meint der stellvertretende Geschäftsleiter. Deshalb bietet die Caritas auch die zusätzlichen Angebote noch eine Weile an. Die Migros-­Gutscheine sind noch mindestens die nächsten drei Monate erhältlich.

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