Bezirksgericht Laufenburg
Finanzexperte muss sich wegen gefälschten Travelers Cheques aus Ghana verantworten

Ein Finanzexperte liess sich auf einen E-Mail-Deal mit einem Ghanaer ein – und stand nun in Laufenburg vor dem Bezirksgericht.

Mario Fuchs
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Der Finanzexperte muss sich vor dem Bezirksgericht Laufenburg verantworten. (Archivbild)

Der Finanzexperte muss sich vor dem Bezirksgericht Laufenburg verantworten. (Archivbild)

Raphael Hünerfauth

«Weltweit entspannt unterwegs»: So lautet der Slogan, mit dem die American Express Company für ihre «Travelers Cheques» wirbt. Entspannung ist aber nicht gerade das, was Koni* derzeit fühlt, wenn er an dieses Zahlungsmittel denkt. Seit 45 Jahren ist er in der Finanzbranche tätig, längst mit eigenem Beratungsunternehmen. Er regelt Finanzierungen, hilft bei Scheidungen, plant Frühpensionierungen.
So seriös wie seine Aufträge, so sieht Koni auch aus: dunkler Anzug, weisses Hemd, breite Krawatte – zwei Brillen, eine zum Lesen mit Kette um den Hals, eine für alles andere. Dass er, eidg. dipl. Bankfachmann, dereinst wegen Geldwäscherei und mehrfacher Urkundenfälschung vor dem Bezirksgericht stehen würde, hätte er nie gedacht.

Prüfung bei der Grossbank

Ihren Anfang nimmt die Geschichte Ende 2014 mit einem E-Mail aus Afrika. Ein Ghanaer fragt darin Koni, ob er ihm bei Anlagen in der Schweiz behilflich sein könne. Koni willigt ein – macht seinem Geschäftspartner aber klar: «Unter der Voraussetzung, dass keine Verstösse gegen schweizerisches Recht begangen werden.» In ihrer Anklageschrift zeichnet die Kantonale Staatsanwaltschaft vom Deal ein etwas anderes Bild: Das Duo habe gewusst, was es tue, habe Geldwäscherei betreiben wollen – das bestreitet Koni heute vehement.

Fakt ist: Der Ghanaer freut sich im Sommer vor einem Jahr über die Zusage aus dem Aargau und schreibt, er werde Koni nun einen Bankcheck schicken. Die Anweisung: Koni soll das Geld anschliessend per Western Union nach Ghana überweisen. Doch statt wie vereinbart einen Bankcheck, erhält Koni Reisechecks im Wert von mehreren tausend Euro.
Er geht damit im Fricktal auf eine Regionalbank, unterzeichnet sie und bittet um Prüfung auf Echtheit. Vor Gericht gibt Koni zu, er habe zwar Bedenken über die Herkunft des Geldes gehabt. «Eine Zahlung aus Ghana hätte ich nie angenommen, doch bei einem normalen Check von einer erstklassigen Unternehmung wie der American Express Corporation hätte ich nie Probleme erwartet.» Er habe in der Bank sogar gesagt, woher die Checks stammten, man solle sie dementsprechend genau prüfen.

Weil die Travelers Cheques selten geworden sind und die Regionalbank nicht mehr über die Einrichtungen für die Prüfung verfügt, schickte sie die Checks an eine Grossbank – erst, wenn sie das O. K. gibt, wird das Geld auf dem Konto gutgeschrieben. Der Bankangestellte Peter*, der am Schalter Konis Checks entgegennahm, sitzt in Laufenburg als Zeuge im Gerichtssaal. «Wäre mir etwas aufgefallen, hätte ich sofort reagiert», sagt er.
Die Checks seien aber «formell in Ordnung» gewesen: «Wenn sie gefälscht waren, dann relativ gut.» Gemäss Anklageschrift war der Sicherheitsfaden «bloss aufgedruckt», das Wasserzeichen habe gefehlt. Kurz drauf sieht Koni im E-Banking, dass ihm der Betrag gutgeschrieben wurde. Er ruft zur Sicherheit in der Bank an und die bestätigt, er könne über das Geld verfügen.
Zehn Tage später folgt doch noch ein negativer Bescheid der Grossbank, Konis Konto wird gesperrt, dieser aber laut eigenen Aussagen nicht informiert. Finanzexperte Koni sagt, er sei reingelegt worden – und könne alles dokumentieren. Ob das Gericht ihn zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt, wird er erst am 17. Mai erfahren: Dann wird das Urteil bekannt gegeben. Man habe «auch noch andere Sachen», sagte der Gerichtspräsident. * Namen geändert