Prozess in Zofingen
Filmreife Verfolgungsjagd mit der Polizei – jetzt erhält der Töff-Raser die Quittung

Ein 27-jähriger Töfffahrer fuhr der Polizei mit 150 km/h innerorts davon. Zuvor hatte er sich ein Rennen mit einem Auto geleistet. Jetzt musste der Raser vor das Bezirksgericht.

Nora Bader
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Bei einer spektakulären Verfolgungsjagd hängte der Beschuldigte sogar die Polizei ab. (Symbolbild)

Bei einer spektakulären Verfolgungsjagd hängte der Beschuldigte sogar die Polizei ab. (Symbolbild)

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Wer am 19. April 2015 auf den Strassen der Region unterwegs war, lebte gefährlich. Ein heute 27-Jähriger lieferte sich an besagtem Sonntagvormittag mit der Polizei eine filmreife Verfolgungsjagd über eine längere Strecke, unter anderem auf der Autobahn. Er war auf dem Töff unterwegs, die Polizisten im Auto.

Der Mann hatte auf Aufforderung der Polizei, an den Rand zu fahren und zu halten, nicht reagiert. Deshalb hatte die Polizei die Verfolgung des Töfffahrers aufgenommen. Die Polizei musste allerdings nach kurzer Strecke aus Sicherheitsgründen aufgeben, das Tempo des Flüchtigen – um die 150 km/h innerorts – war zu hoch.

Als der junge Mann schliesslich nach seiner Spritztour zu Hause eintraf, warteten dort aber bereits die Polizisten, die den Raser aufgrund der Nummer am Fahrzeug identifizieren konnten. Der Beschuldigte gestand sofort, zu schnell gefahren zu sein und vor allem, keinen Führerschein zu haben. Was er besass, war lediglich ein abgelaufener Töff-Lernfahrausweis.

Sparte für die Busse

Wie der Raser da so scheu vor Gericht sass und sehr höfliche Antworten gab, konnte man sich schlecht vorstellen, was er getan hatte. «Es tut mir leid», sagte er aufrichtig. Und: Er habe gespart auf diesen Tag vor Gericht, damit er die Strafe bezahlen könne.

Rennen mit einem Ford Mustang

«Ich wollte immer noch mehr Kubik, mehr Leistung», sagte er. «Normalerweise macht man zuerst die Prüfung und dann kauft man einen Töff», sagte Gerichtspräsidentin Kathrin Jacober. Ja, das stimme eigentlich schon, willigte der Beschuldigte, dessen Strafregister vorher leer war, ein. Er habe damals einfach einen Adrenalinkick gehabt, sei im Töfffieber gewesen.

«Ein Ford Mustang überholte mich mit etwa 150 Stundenkilometer.» Er habe sich provoziert gefühlt und sei ins Rennen mit dem «Mustang» eingestiegen, so der Beschuldigte. «Als ich dann plötzlich die Sirene der Polizei hörte, wollte ich nur noch flüchten.» Es sei gewesen, als wäre in seinem Kopf ein Schalter gekippt.

Das Bezirksgericht Zofingen verurteilte den Beschuldigten zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten sowie einer Geldstrafe von 250 Tagessätzen an 70 Franken. Diese Strafen sind bedingt bei einer Probezeit von vier Jahren. Unbedingt allerdings ist die zusätzliche Geldstrafe von 4500 Franken. Zudem muss der Beschuldigte sämtliche Verfahrenskosten übernehmen.

Die Schuldsprüche erfolgten in der mehrfachen Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz sowie des mehrfachen Führens eines Motorfahrzeugs ohne Berechtigung während fünf Jahren. Insgesamt hatte der junge Mann zum Zeitpunkt der Tat drei Motorräder, die ihm gehörten.