Nordwestschweiz
FHNW-Gründer Peter Schmid: «Der geeinte Grosskanton kann warten»

Peter Schmid, Gründungspräsident der Fachhochschule Nordwestschweiz, geht in Pension. Rückblickend hätten die vier Kantone beim Aufbau des gemeinsamen Bildungsraumes vieles richtig gemacht.

Hans Fahrländer
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Peter Schmid war am Aufbau der FHNW massgeblich beteiligt

Peter Schmid war am Aufbau der FHNW massgeblich beteiligt

bz Basellandschaftliche Zeitung

Es war eine ziemliche Überraschung, als der Bundesrat 1998 entschied, in der Schweiz nur sieben Fachhochschulen zu konzessionieren: eine für Zürich, eine für Bern, je eine für die Ost-, die West- und die Innerschweiz, eine für die italienische Schweiz – und eine für die Nordwestschweiz, umfassend die beiden Basel, Solothurn und den Aargau. Die Bande innerhalb dieses vierkantonalen Gebildes waren damals noch ziemlich locker. Die beiden Basel hatten eine eigene Fachhochschule gegründet, der Aargau versuchte es zunächst im Alleingang, dann mit einem bipolaren Modell zusammen mit Solothurn. Doch kurz nach der Jahrtausendwende reifte in allen Kantonen die Erkenntnis: Der Bund meint es ernst, er will, dass wir uns zusammenraufen, es führt kein Weg an der vierkantonalen Hochschule vorbei.

«Ein ziemlich radikaler Weg»

Der Mann, der den Annäherungs- und den Gründungsprozess der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) entscheidend mitgeprägt hat und die ersten sieben Jahre als Präsident des Fachhochschulrates an der strategischen Spitze stand, räumt in diesen Tagen sein Büro an der Peter-Merian-Strasse in Basel. Es ist der 61-jährige Peter Schmid aus Muttenz, ausgebildeter Sozialarbeiter, Religionspädagoge, Ehrendoktor der Theologischen Fakultät der Uni Basel, von 1989 bis 2003 Baselbieter Bildungsdirektor (damals noch: Erziehungsdirektor). Schmid war zuvor Präsident der Fachhochschule beider Basel (FHBB) und Vorsitzender des Steuerungsausschusses der FHNW.

«Ich habe persönlich auch einen Wandel durchgemacht», sagt Schmid rückblickend. «Die FHBB war für mich eine richtig dimensionierte Hochschule, den Weg, welcher der Bund den vier Nordwestschweizer Kantonen vorschrieb, empfand ich als ziemlich radikal.» Entscheidend sei gewesen, dass sich in der Stunde null Persönlichkeiten zusammengefunden hätten – nicht zuletzt die vier Bildungsdirektoren, aber auch der designierte Direktionspräsident Richard Bührer –, «welche gut miteinander funktioniert haben». Gemeinsam habe man die Herausforderung angenommen. «Die Gründung der FHNW war eine echte Pioniertat.»

Es gab auch schwere Zeiten

Die FHNW basiert auf einem Staatsvertrag von 2004. Operativ wurde sie Anfang 2006. Sie umfasst 9 Teilhochschulen, bietet 34 Bachelor- und 18 Master-Studiengänge an und hat ein Budget von knapp 400 Millionen Franken. Die Zahl der Studierenden stieg zwischen 2006 und 2012 von gut 6000 auf knapp 9000 – eine rasante Erfolgsgeschichte. Trotzdem waren die sieben Jahre an der Spitze für den Präsidenten nicht immer einfach: Zwischenzeitlich liess der politische Wille zur Ausfinanzierung des Projekts in einzelnen Trägerkantonen nach, und es kam vorübergehend zu einer Unterdeckung.

Trotzdem zieht Schmid nach sieben Jahren ein positives Fazit. «Wir haben einer zusätzlichen Gruppe junger Menschen, deren Stärke primär in der Praxis und nicht in der Theorie liegt, den Hochschulzugang ermöglicht, das ist eine bildungspolitische Leistung», betont er. «Vom Studienabschluss her unterscheiden sich Fachhochschulen und Universitäten nicht allzu stark, wohl aber vom Zugang her. Wir haben die Basis verbreitert – dieses Land braucht zwingend diese breite Basis an gut qualifiziertem Nachwuchs.» Für den scheidenden Präsidenten ist klar: «Der wichtigste Mehrwert, den die FH geschaffen haben, betrifft die Forschung. Die Bildungspolitik hat bis heute noch nicht ganz erfasst, dass in der anwendungsorientierten Forschung ein Riesenpotenzial liegt.»

Vierkantonal denken und handeln

Hat die FHNW die zum Teil hochgeschraubten Erwartungen, sie sei das Ferment für eine starke, geeinte Nordwestschweiz, erfüllt? Schmid: «Was die Hochschule selber betrifft, ziehe ich eine klar positive Bilanz. Wir haben die kantonalen Vergangenheiten hinter uns gelassen. Wir sind auf dem Weg zu einer vierkantonalen Kultur zwar noch nicht am Ziel, aber schon weit fortgeschritten. Wir spielen eine wichtige Rolle in der Schweizer Hochschullandschaft.» Etwas skeptischer ist der scheidende Präsident in Bezug auf eine geeinte Nordwestschweiz: «Weder die Fachhochschule noch das Projekt eines gemeinsamen Bildungsraums führen auf direktem Weg hin zu einem Kanton Nordwestschweiz. Vorderhand geht es um gute Zusammenarbeit innerhalb der vier Stände. Der geeinte Grosskanton kann noch warten.»

Nachfolgerin ist Ursula Renold

Ganz wird sich Peter Schmid nicht aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Er bleibt Vizepräsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes – und Präsident der Freunde des Basler Zolli. Seine Nachfolgerin an der Spitze der FHNW ist Ursula Renold, bis vor kurzem Chefin des inzwischen aufgehobenen Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie. Sie fängt im Frühling an, zurzeit weilt sie zu einem Forschungsaufenthalt in Harvard.