Feuerwerk

Feuerwerkverbots-Initiative: Dicke Luft wegen 1.August-Knallerei

1.-August-Feuerwerk bringt viel Feinstaub in der Luft.Walter Schwager

1.-August-Feuerwerk bringt viel Feinstaub in der Luft.Walter Schwager

Die Feuerwerks-Verbotsinitiative droht zu scheitern. Ende Oktober läuft die Sammelfrist aus und noch sind keine 1000 Unterschriften gesammelt. Eine neue Diskussion über hohe Luftbelastung könnte neuen Schub geben.

Der Bundesfeiertag naht und damit die Zeit, in der es wieder überall knallt. Höchste Zeit für das Komitee, das dieser Feuerwerksknallerei Einhalt gebieten will, noch einmal einen Effort zu leisten beim Unterschriftensammeln für die Initiative «zum Schutz von Menschen, Tieren und Umwelt vor privaten Feuerwerken».

Die Sammelfrist läuft Ende Oktober ab, und von den benötigten 3000 Unterschriften sind noch keine 1000 zusammen, wie Grossrätin Christine Haller (GLP, Reinach) einräumt. Man hatte darauf gebaut, dass Natur- und Tierschutzorganisationen mitziehen, aber die zeigten dem Initiativkomitee die kalte Schulter.

Kein Gesetz für lärmgeplagte Büsi

Im Vorfeld der Lancierung der Feuerwerk-Verbotsinitiative war eine Diskussion in Leserbriefspalten und in der Politik um den Schutz lärmempfindlicher Haustiere entbrannt. Das Parlament schmetterte zwei Vorstösse ab, die das Abbrennen von Feuerwerk gesetzlich einschränken wollten.

«Mein Kater Micky leidet sehr, wenn es knallt. Deshalb wird er regelmässig sediert, damit er den 1. August einigermassen übersteht», gab Christine Haller im Grossen Rat zu Protokoll. Regierungsrat Peter Beyeler konterte: «Wir hatten in meiner Jugend auch einen Hund. Diesen mussten wir auch in den Keller bringen, damit er möglichst wenig vom Lärm hörte. Ich meine aber, es ist nicht berechtigt, wegen dieses Falls ein Gesetz zu erlassen.»

20-fache Feinstaubbelastung

Das war im März des vergangenen Jahres. Nicht, dass in der Zwischenzeit ein offizieller Sinneswandel stattgefunden hätte. Aber ironischerweise liefert ausgerechnet ein Bericht aus dem Departement Bau, Verkehr und Umwelt den Feuerwerksgegnern nun zusätzliche Munition für das Einbringen der dringend benötigten Unterschriften, damit ihre Initiative noch zustande kommt.

Es ist nicht neu und liegt auch auf der Hand, dass beim Abbrennen von Feuerwerk neben dem Lärm auch die Schadstoffbelastung in der Luft steigt. Die Auswirkungen sind aber nur spezifisch für den Aargau dokumentiert. Am 1. August 2011 hat eine Basler Firma im Auftrag des Kantons die kontinuierlichen Immissionsmessungen am Messstandort Suhr mit zusätzlichen Staubproben ergänzt, wie dem eben erschienenen Jahresbericht Luft zu entnehmen ist. Ergebnis: In der Zeit zwischen 22 Uhr und Mitternacht, wenn die Feuerwerke abgebrannt werden, stieg der maximale Feinstaub-Stundenmittelwert exponentiell auf das 20-Fache des durchschnittlichen Stunden-Mittelwerts zu dieser Jahreszeit. Es wurden Werte von mehr als 200 Mikrogramm (millionstel Gramm ) pro Kubikmeter gemessen. Der Grenzwert liegt bei 50 Mikrogramm, allerdings handelt es sich hier um einen Tages-Mittelwert.

«Nicht vernachlässigbar»

Der gewaltige Anstieg der Feinstaubbelastung heisst nicht gleich, dass man nur noch mit Atemschutzmaske an die Bundesfeier darf. Aber immerhin: Das Bundesamt für Umwelt warnte schon im Jahr 2001: «Die Luftbelastung ist vor allem bei grossen Feuerwerken nicht vernachlässigbar» und empfahl: «Personen mit Erkrankungen der Atemwege und mit Kreislauferkrankungen sollten deshalb Feuerwerke meiden.»

Ein bundesweites Totalverbot von Feuerwerkskörpern sei «zurzeit nicht geplant», heisst es in den «Umweltmaterialien Nr. 140» des damaligen Buwal. Und seither ist der gesamtschweizerische Verbrauch von Feuerwerkskörpern nach Schätzungen des Bundesamts von 1400 auf 2000 Tonnen pro Jahr gestiegen. Geht man von einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch aus, wären das im Aargau gegen 160Tonnen.

Ein Feuerwerk-Totalverbot verlangt auch die kantonale Aargauer Volksinitiative nicht. Der Text sieht ein generelles Verbot vor, und der Regierungsrat soll Ausnahmen für «Feuerwerke ohne Knallkörper» regeln, die an «besonderen öffentlichen Anlässen» gezündet werden dürfen. Das soll sicherstellen, dass die traditionellen Bundesfeiern in Städten und Dörfern weiterhin stattfinden können.

Er habe sich für diese Ausnahme eingesetzt, denn sonst wäre die Initiative ohnehin nicht mehrheitsfähig, sagt EVP-Grossrat Sämi Richner. Für ihn ist aber klar, wie die im neusten Luftbericht dokumentierten Messungen zu werten sind: als Beweis, dass «die dauernde Knallerei das ganze Jahr hindurch einen Einfluss auf die Luftverschmutzung hat, der nicht zu unterschätzen ist».

Das Initiativ-Komitee will jetzt noch einmal einen Effort mit verschiedenen Sammelaktionen leisten, um die Initiative doch noch zustande zu bringen. «Da habe ich noch keine Angst», gibt sich Christine Haller optimistisch, das Thema sei jetzt aktuell. Die Luftbelastung sei sicher ein Aspekt, auf den man nun auch verstärkt aufmerksam machen wolle.

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