Der Vorstand des aargauischen Feuerwehrverbandes trat im 112. Geschäftsjahr kräftig auf die Sparbremse, denn die Organisation ist finanziell arg in Schieflage geraten. An der Delegiertenversammlung in Brugg stand die Kasse im Mittelpunkt und ein Rückweisungsantrag verpasste knapp die Mehrheit.

Intervention und Krisenmanagement ist für Feuerwehrleute in der Bewältigung kritischer Situationen übliches Alltagshandwerk. Dass sich der Krisenherd in der eigenen Formation befindet, war für einige krisenerprobte Feuerwehrleute doch etwas zu viel des Guten, was entsprechend Emotionen und eine Stunde Diskussion an der Delegiertenversammlung auslöste. «Der Verband ist im Berichtsjahr in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten geraten», ist im Anhang der Rechnung explizit vermerkt. «Die Fähigkeit zur Fortführung des Verbandes hängt davon ab, ob die Budgetziele erreicht werden und damit die Liquidität sichergestellt werden kann», wird festgehalten.

Rückweisungsantrag gescheitert

«Der Vorstand ist intensiv auf die Sparbremse getreten, und die Massnahmen greifen», informierte Präsident Joe Habermacher, Reinach, die 406 Delegierten und Gäste. Kurse wurden gestrichen und Transparenz durch Reglementanpassungen für Entschädigungen, Kompetenzregelungen und Zeichnungsberechtigungen geschaffen. Vakante Vorstandspositionen wurden nicht besetzt, dafür eine professionelle Geschäftsstelle eingerichtet. Mit 90 gegen 92 Stimmen scheiterte die Rückweisung der Rechnung 2011/2012 knapp. «Wir haben die Signale verstanden», beteuerte Habermacher. Akzeptanz fand das Budget 2014 mit einem Ertragsvolumen von 411'000 Franken und Ausgaben von 290'000 Franken für Kurse sowie einem leichten Ertragsüberschuss von 6500 Franken.

Hohe Elementarschäden

Damian Keller, Verwaltungsratspräsident der Aargauischen Gebäudeversicherung, unterstrich die Wichtigkeit der Feuerwehren. «Die Schadensentwicklung im Bereich Feuer ist eine Erfolgsgeschichte», bekräftigte er und zeigte die stark sinkende Tendenz des Schadenvolumens auf. «Es ist eine grosse Herausforderung für die Feuerwehren, ähnliche positive Massnahmen im Bereich Elementarschaden zu realisieren», fügte er an. Hier ist der Trend jedoch stark gegenläufig. 368 Brandfälle, 414 Elementarereignisse und 43 Strassenrettungen beschäftigten die Aargauer Feuerwehren innert Jahresfrist. Mit 22 Millionen Franken war die Schadensumme des Campusbrands die höchste seit Bestehen der Gebäudeversicherung.

«Es gilt den Stellenwert der Freiwilligenarbeit zu stärken», betonte Stephan Campi, Generalsekretär im Departement Gesundheit und Soziales, in Vertretung von Regierungsrätin Susanne Hochuli und hob als Beispiel die höchst verantwortungsvolle Führungsposition des Feuerwehrkommandanten hervor, was grossen Respekt und Anerkennung verdiene.