Petra Prévôt steht an diesem Aprilabend vor einem geöffneten Tor des Brugger Feuerwehrmagazins. Sie trägt ein blaues Poloshirt mit einem hart verdienten Abzeichen: das Aargauer Wappen, flankiert von je drei Balken, überragt von einem Flammenschweif. Es ist das Emblem der Aargauer Feuerwehr-Instruktoren. Wer es tragen will, muss zwei Jahre als Offizier gedient, alle Fachkurse absolviert haben, zwischen 25 und 44 Jahre alt sein. Interview, Aufsatz, Vortrag und Test überstehen. Und schliesslich selber Feuerwehr-Lektionen vorbereiten, halten und die Übung «Gib alles» schaffen. «Ja», sagt Petra Prévôt, «man muss das wirklich wollen.» Sie wollte, bestand, wurde zum Instruktor-Basiskurs zugelassen und hat ihn im März erfolgreich abgeschlossen.

Das Sprachrohr der Feuerwehr

Die 36-jährige Windischerin ist ab 2018 eine von vier neuen Feuerwehr-Instruktoren der Aargauischen Gebäudeversicherung (AGV). An ihr ist zweierlei speziell. Erstens, auch wenn sie es nicht so gern hört: Seit Gründung der AGV 1805 ist sie erst die vierte Frau in diesem Amt, die erste seit acht Jahren. Zweitens: Sie ist nicht nur in ihrer Freizeit im Feuerwehreinsatz, auch hauptberuflich. Seit August 2016 wirkt sie als stellvertretende Generalsekretärin der Feuerwehr-Koordination Schweiz.

Die Feuerwehren sind in der Schweiz kantonal und kommunal organisiert. Irgendwann realisierte man, dass es ganz ohne Zusammenarbeit auch nicht geht. Jetzt vertritt die Feuerwehr-Koordination alle 26 Kantone und das Fürstentum Liechtenstein. Wohl gibt es den renommierten Feuerwehrverband, dessen Mitglieder die Korps sind und der «sehr viel macht», wie Petra Prévôt betont. In der Feuerwehr-Koordination hingegen sind die Kantone über ihre Gebäudeversicherung oder, wo es keine gibt, über das zuständige Amt vertreten. Wird in einem Gesetz oder einem Projekt auf Bundesebene die Arbeit der Feuerwehr tangiert, ist die Chance gross, dass die Aargauerin am Tisch sitzt und für die Kantone spricht. Dafür muss sie viel koordinieren, zwischen Bund und Kantonen sowie unter Kantonen. Aktuell leitet sie das Projekt «Gesamtschweizerische Versicherungslösung für Feuerwehrleute». Eine solche gibt es beim Schweizerischen Feuerwehrverband, doch sie soll optimiert werden. Ein anderes Thema ist der Bevölkerungsschutz. «Wenn es chlöpft, sind unsere Leute die ersten vor Ort. Deshalb müssen wir die Konzepte kennen und Einfluss nehmen können.» Das sei wichtig. Denn das Bewusstsein für die Feuerwehr sei nicht überall vorhanden: «Sie hat den guten Ruf, dass sie einfach funktioniert. Deshalb geht sie leider manchmal etwas vergessen.»

Für Sitzungen oder Label-Übergaben braust Petra Prévôt im Zug quer durchs Land. Lötschberg, Stans, Balsthal. Und nicht selten aus dem Berner Büro direkt ins Brugger Depot an eine Übung. Ein Leben für die Feuerwehr. Oder: Die «Miss Feuerwehr» des Aargaus? Sie sagt: «Bei uns zu Hause gab es nie etwas, das nur die Meitli oder nur die Buben machten. Ich finde es komisch, dass etwas mehr Beachtung findet, wenn man eine Frau ist. Ich mache es halt einfach gern!» Ja, Durchmischung tue den Korps gut. Und natürlich, sie hätte Freude, kämen noch mehr Frauen: «Zwei Denkweisen sind immer besser als eine.» Aber sie sei «absolut allergisch» auf Frauenquoten. «Vorbild» sei ein grosses Wort, aber das beschreibe es am ehesten: «Wenn ich einer unsicheren Frau zeigen kann, dass man als Frau bei uns seinen Mann stehen kann, ist das doch eine gute Sache.»

Ein Inserat im Feuerwehr-Heftli

Aufgewachsen in Selzach SO, kam Prévôt während des Medizinstudiums an der Uni Basel in den Aargau. Nach sechs Semestern Medizin und einer misslungenen Prüfung hinterfragte sie ihren Traumberuf Ärztin. Wechselte auf Jus, schloss ab, arbeitete als Untersuchungsrichterin und später als Assistenzstaatsanwältin in Lenzburg. Unterdessen entstand ein neuer Traumberuf: die Leidenschaft Feuerwehr mit ihrer Ausbildung zu verbinden. Im Verbandsmagazin sah sie das Stelleninserat. Die Arbeit mache ihr unheimlich Freude: «Ich kann mich täglich für das einsetzen, was mir am Herzen liegt.» Dazwischen bleibt, manchmal, etwas Zeit für die Querflöte, die sie bis heute in der Musikgesellschaft Selzach spielt, ein wenig Fitness oder das Schatzsuchspiel Geocaching mit ihrem Mann. Der sei übrigens nicht in der Feuerwehr.