Bundesgericht
Festhelfer spitalreif geprügelt: Aargauer Chilbi-Schläger muss hinter Gitter

Das Bundesgericht hat die Beschwerde eines jungen Mannes abgewiesen, der 2014 an der Sinser Chilbi einen Festhelfer erheblich verletzt hat.

Kelly Spielmann
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Der Mann erhielt eine Freiheitsstrafe von 21 Monaten, 10 davon unbedingt. (Symbolbild)

Der Mann erhielt eine Freiheitsstrafe von 21 Monaten, 10 davon unbedingt. (Symbolbild)

Keystone

Es begann mit einer Chilbi-Nacht und einer Flasche Tequila im Jahr 2014. Enden sollte es nun, vier Jahre später, mit dem Urteil des Bundesgerichts. Ein Festhelfer fragte vor vier Jahren um zwei Uhr nachts an der Sinser Chilbi eine Gruppe Jugendlicher, ob er deren Tequila-Flasche entsorgen könne.

Darauf traten ein damals 21-jähriger Mann und ein 17-Jähriger aus der Gruppe hervor, schlugen den Mann zu Boden und traten auf den Kopf des Helfers ein. Er erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma und verlor einen Zahn. Der damals 17-jährige Täter musste sich 2015 vor der Jugendstaatsanwaltschaft verantworten und war geständig.

Ebenfalls 2015 musste der ältere Mann vor Gericht – geständig zeigte sich dieser jedoch nicht. Er wollte zum Fall keine Stellung nehmen. Das Bezirksgericht Muri entschied aufgrund drei früherer Verurteilungen, dass eine weitere bedingte Freiheitsstrafe nichts bringen würde, und dass der Beschuldigte einen Denkzettel nötig hätte.

Das Gericht verhängte eine teilbedingte Strafe von 18 Monaten, sechs davon hinter Gittern. Auch eine Genugtuung von 5000 Franken für das Opfer hätte er bezahlen müssen.

Zwei Frauen belasten Täter

Doch der Angeklagte zog das Urteil weiter – er bestand darauf, nicht selber zugeschlagen zu haben. Der Jugendliche habe den Helfer attackiert, er selber habe sich lediglich dazu begeben, um einzugreifen.

Als der verletzt am Boden liegende Chilbi-Helfer ihn zwischen die Beine getreten habe, habe er mit dem Fuss einmal gegen die Schulter des Opfers getreten. Aber auch das Aargauer Obergericht entschied, dass der Tatbestand der versuchten vorsätzlichen schweren Körperverletzung erwiesen sei und erhöhte die Strafe sogar.

Der Mann erhielt eine Freiheitsstrafe von 21 Monaten, 10 davon unbedingt. Weiter erhielt er eine unbedingte Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 30 Franken und sollte dem Opfer eine Genugtuung von 3000 Franken zahlen. Der Grund: Die Aussagen der Augenzeugen, zwei Frauen aus der Gruppe, seien glaubhafter als diejenigen des Angeklagten.

Auch dieses Urteil zog der Mann weiter. Er verlangte in der Beschwerde, dass das Urteil des Obergerichts zurückzuweisen sei. Dies wegen willkürlicher Beweiswürdigung und Verletzung des Grundsatzes «Im Zweifel für den Angeklagten». Man könne nicht nachweisen, dass er das Opfer am Kopf getreten habe – die Zeugen haben dies nicht direkt bestätigt.

Das Bundesgericht sah dies jedoch nicht so wie der Beschuldigte. Die Beweiswürdigung sei nicht willkürlich und auch der Grundsatz sei nicht verletzt. Denn, wie die Augenzeugen sagten, habe einer der beiden Männer von vorne und einer von hinten getreten.

Für das Bundesgericht sei also es deutlich, dass auch der ältere Beschuldigte gegen den Kopf des Opfers getreten hat, und nicht nur der Jugendliche. Ob er den Kopf von vorne oder von hinten getreten habe, spiele keine Rolle. Es wies die Beschwerde deshalb ab und bestätigt das Urteil des Obergerichts. Ausserdem muss der Mann die Gerichtskosten von 1200 Franken übernehmen.