Rita und Hans* gehören drei Wohnungen einer Liegenschaft im Kanton Aargau. Die vierte Wohnung des Gebäudes ist im Besitz ihres Sohnes Thomas. Ein heftiges Unwetter mit Hagelschauern im Juli 2011 setzt den Fenstern der mehrstöckigen Liegenschaft massiv zu – so sehr, dass die Fenster aller vier Wohnungen ersetzt werden müssen. 

Rasch beauftragt das Ehepaar einen Spezialisten mit dem Auftrag und erhält noch im gleichen Jahr die Rechnung für die Fenstersanierung über 39'646 Franken. Als Gebäudeeigentümer melden Rita und Hans den Schaden natürlich umgehend bei der Aargauischen Gebäudeversicherung an. Dort dauert es etwas, bis der Entscheid vorliegt.

Erst im Mai 2013 erhalten die Eheleute die Nachricht, dass immerhin 7'200 Franken des Schadens übernommen werden. Auch Sohn Thomas steuert den auf ihn entfallenden Kostenanteil von 10'480 Franken bei, wodurch Rita und Hans einen Restbetrag von 21'966 Franken selbst berappen müssen. 

Ehepaar spricht von behördlicher Willkür

Diesen bringt das Ehepaar in seiner gemeinsamen Steuererklärung 2013 zum Abzug. Doch die Antwort des Aargauer Steueramts folgt postwendend: Dieser Abzug sei «periodenfremd» und werde darum verweigert. Das wollen sich Rita und Hans nicht gefallen lassen und erheben Einsprache. Diese wird aber von der Steuerkommission im Dezember 2015 abgewiesen und nach monatelangem Weiterringen vom Aargauer Verwaltungsgericht im April 2017 bestätigt. 

Nach wie vor pochen die Wohneigentümer auf ihr Recht und gelangen mit ihrer Beschwerde ans Bundesgericht. Sie fordern, dass das Urteil des Verwaltungsgericht aufgehoben und der Abzug der 21'966 Franken zum Abzug im Steuerjahr 2013 zugelassen wird.

Konkret rügt das Ehepaar eine Verletzung der «Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden», die ihm durch die Verweigerung des Steuerabzugs widerfahren sei und bezeichnen den Entscheid der Aargauer Gerichte gar als Willkür. 

Unwissenheit schützt vor Strafe nicht

Davon wenig beeindruckt zeigt sich der Bundesrichter. Er hält fest: Dass die Gutschrift der Gebäudeversicherung erst im Jahr 2013 erfolgte, ändere nichts an der Tatsache, dass Rita und Hans die 2011 bezahlten Reparaturkosten auch in jenem Jahr hätten zum Abzug bringen müssen. Die Vergütung der Versicherung zwei Jahre danach hätte das Ehepaar in der Steuererklärung 2013 als «übrige Einkünfte» deklarieren müssen. Dies gehe auch aus dem einschlägigen Merkblatt für den Liegenschaftsunterhalt hervor, dass beim Aargauer Steueramt einsehbar ist. Von einer Verletzung geltenden Rechts oder Behörden-Willkür könne daher keine Rede sein. 

Abschliessend befindet das Bundesgericht: Zwar sei es für Rita und Hans in der Tat unbefriedigend, dass ihre hohen Reparaturkosten nicht steuermindernd berücksichtigt wurden. Weil das Versäumnis des Steuerabzugs aber offenbar auf die mangelnde Rechtskenntnis des Aargauer Ehepaars zurückgehe, habe es sich den Schlamassel selbst zuzuschreiben.    

Mit diesem Schlusswort weist das Bundesgericht die Beschwerde von Rita und Hans ab und verdonnert die beiden zur Übernahme der Gerichtskosten in Höhe von 2000 Franken. 

Urteil 2C_456/2017

* Alle Namen geändert