Einbruchserie
Fensterbohrer-Kopfgeld sorgt für Kritik bei Linken und Bürgerlichen

Der Polizist, der die Fensterbohrer im Suhrental fasst, bekommt drei zusätzliche Ferientage. Dieses interne Kopfgeld gilt wegen Einbruchserie bei der Kantonspolizei. Doch bei Politikern sorgt es für Irritation.

Urs Moser
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Bis jetzt ein Phantom: Der Polizist, der den Fensterbohrer schnappt, bekommt als Belohnung drei zusätzliche Urlaubstage.

Bis jetzt ein Phantom: Der Polizist, der den Fensterbohrer schnappt, bekommt als Belohnung drei zusätzliche Urlaubstage.

ZVG

Eine Einbruchserie versetzt seit Monaten Hausbesitzer vor allem im Suhrental in Schrecken. Der oder die Einbrecher gehen nach der sogenannten Fensterbohrer-Methode vor. Sie machen sich nicht die Mühe auszukundschaften, ob die Bewohner zu Hause sind, sie dringen fast lautlos in Häuser ein, und oft bemerken die Opfer erst am nächsten Morgen, dass sie im Schlaf ausgeraubt wurden.

Das hinterlässt bei vielen neben dem materiellen Schaden auch eine starke psychische Belastung. Darum setzt die Polizei alles daran, die Fensterbohrer zu schnappen. In einer Grossfahndung wurden Polizeihunde, Wärmebildkamera und auch ein Helikopter eingesetzt – alles ohne Erfolg.

Polizeikommandant Michael Leupold ist es ein besonderes Herzensanliegen, die Einbruchserie zu klären. Jetzt hat er eine Prämie ausgesetzt: Der Polizist, der den Fensterbohrer schnappt, bekommt drei Tage zusätzlichen Urlaub.

Politiker reagieren irritiert

Das soll für einen zusätzlichen Motivationsschub im Korps sorgen – bei Politikern sorgt die Aktion für Irritation. Keine gute Idee sei das, findet Peter Voser, Präsident der CVP-Grossratsfraktion. Gute Leistungen seien über das Lohnsystem zu fördern. Dieser Meinung ist auch Bernhard Scholl, Fraktionschef der FDP: Eine gute Gesamtleistung sei mit einer guten Salärierung zu honorierten, «zum Ansporn für einzelne Aktionen gibt es bessere Möglichkeiten».

Dieter Egli von der SP sorgt sich: Er hoffe, dass die Polizei ihren Job weiterhin gut erfüllen kann und nicht wegen Abbaumassnahmen und fehlender Mittel mit speziellen Anreizen gearbeitet werden müsse. Irène Kälin von den Grünen ist «befremdet, dass bei der Polizei Belohnungen ausgeschrieben werden für das Erfüllen der Arbeiten und Pflichten, die für sie selbstverständlich sein sollten».

Lob gibt es von unerwarteter Seite: Die SVP ist nun wirklich nicht bekannt dafür, grosszügig Zückerchen dafür zu verteilen, dass Staatsangestellte letztlich nicht mehr als ihren Job machen, auch wenn es ein harter ist. Das «Kopfgeld» auf die Fensterbohrer findet Fraktionschef Andreas Glarner aber «völlig in Ordnung», ein Ansporn sei immer gut.

Leistung soll sich lohnen

«Völlig in Ordnung» scheint das Aussetzen einer Prämie für die erfolgreiche Einbrecherjagd zumindest formell. Tatsächlich sieht die kantonale Personal- und Lohnverordnung einmalige Prämien für besondere Leistungen ausdrücklich vor: im Wert von 300 bis 5000 Franken als Naturalgeschenk, in bar oder in Form von bezahltem Urlaub bis maximal fünf Tage. Über die Ausrichtung entscheidet «die Anstellungsbehörde», und die ist für Kantonspolizisten der Polizeikommandant.

Im Fall der Ermittlungen bei den Fensterbohrern gehe es um eine ausserordentliche Leistung, heisst es bei Departement Volkswirtschaft und Inneres. Einbruchdiebstähle gehörten zu den Delikten mit einer notorisch geringen Aufklärungsquote. Es sei deshalb legitim, dass die Führung der Kantonspolizei neben zusätzlichen Fahndungs- und Ermittlungsanstrengungen weitere Massnahmen ergreift, um diese Quote zu erhöhen, erklärt Sprecher Samuel Helbling.

Auch Departementschef und Landammann Urs Hofmann stehe hinter dem Grundsatz, dass sich Leistung lohnen und dass es ein Vorgesetzter im Einzelfall honorieren können soll, wenn sich jemand durch ausserordentlichen Einsatz auszeichnet.

Über das Vorgehen im konkreten Fall, wo es nicht um die nachträgliche Belohnung eines besonderen Erfolgs, sondern um eine zusätzliche Motivationsspritze geht, war der Departementschef allerdings offenbar nicht informiert. Und genau dieses Vorgehen wirft für die grüne Co-Fraktionspräsidentin Irène Kälin Fragen auf: «Müssen wir damit rechnen, dass in Zukunft für alle schwer zu lösenden polizeilichen Aufgaben die Arbeitsmoral mit solchen Belohnungen hoch gehalten wird?»

Lesen Sie hier auch den Kommentar zu diesem Thema.

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