Konrad Widmer

Fehlendes Vertrauen: Der Verwaltungsratspräsident des Kantonsspitals Aarau muss gehen

Personalwechsel an der Spitze des Kantonsspitals Aarau: Konrad Widmer (56), der sein Amt als Verwaltungsratspräsident im März 2016 angetreten hatte, muss gehen. Gemäss einer Mitteilung der Staatskanzlei tritt Widmer auf Ende Jahr zurück, ein Grund dafür ist fehlendes Vertrauen.

Zwölf Jahre lang herrschte Kontinuität an der Spitze des Kantonsspitals Aarau: Von der Gründung der selbständigen Aktiengesellschaft im Jahr 2004 bis im Frühling 2016 hiess der Verwaltungsratspräsident Philipp Funk.

Am 1. März 2016 übernahm Konrad Widmer, Mediziner und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie mit Global Executive MBA. Nun kommt es nach rund zweieinhalb Jahren bereits wieder zu einem Führungswechsel, wie die Staatskanzlei mitteilt.

"Fehlende Vernetzung im Kanton"

Der Regierungsrat und Verwaltungsratspräsident Widmer seien zum Schluss gekommen, dass ein Führungswechsel notwendig sei, "weil das gegenseitige Vertrauen nicht mehr gegeben ist". Ab 1. Januar 2019 wird Vizepräsident Felix Schönle den Verwaltungsrat ad interim führen. Konrad Widmer habe sich deshalb entschlossen, sein Amt per Ende dieses Jahres abzugeben. "Weitere Gründe für meinen Rücktritt sind die fehlende Vernetzung im Kanton
Aargau und die ungenügende Work-Life-Balance für mich und meine Familie", erklärt er zu seinem Entscheid in der Mitteilung.

Konrad Widmer verfüge über reiche Erfahrung im Gesundheitswesen, hiess es im Herbst 2015, als seine Wahl zum Verwaltungsratspräsidenten des KSA bekannt wurde: Er war Vorsitzender der Geschäftsleitung des Universitäts-Kinderspitals beider Basel, CEO der Sonnenhof AG in Bern und Leiter der Gesundheitsversorgung des Kantons Basel-Stadt. Seit Anfang 2012 war er Präsident des Verwaltungsrats der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel und übte eine selbstständige Beratungs- und Managementtätigkeit aus.

Schlechte finanzielle Performance

Bevor er sein Amt antrat, sagte Widmer im Interview gegenüber der AZ, die primäre Aufgabe eines Spitals sei ja nicht, Geld zu verdienen, sondern Leben zu retten. «Auch wenn wir natürlich alles versuchen müssen, genug Gewinn zu erwirtschaften, um die künftigen Investitionen zu stemmen.» Die schlechte finanzielle Performance des KSA war in den letzten Jahren immer wieder Thema in der Aargauer Politik, zuletzt fragte FDP-Grossrätin Maja Riniker, wie das Spital seinen Neubau finanzieren könne.

Bemerkenswert ist Widmers Abgang auch aus politischer Perspektive: der heute 56-Jährige ist SVP-Mitglied und damit Parteikollege der Aargauer Gesundheitsdirektorin Franziska Roth

Chefarztaffäre

Zu reden gab in den letzten Wochen aber auch die sogenannte Chefarzt-Affäre an den Kantonsspitälern Aarau und Baden. Zuletzt verlangte die Geschäftsprüfungskommission des Grossen Rats von der Regierung eine umfassende Auskunft zur Aufarbeitung der Vorwürfe gegen Ärzte der Kantonsspitäler Aarau und Baden. Der Bericht der Regierung soll bis Weihnachten vorliegen. Es geht um falsche Verrechnungen von Leistungen. In beiden Spitälern mussten Chefärzte Geld zurückzahlen. Noch ist nicht klar, ob und in welchem Ausmass die Affäre für den Abgang von Widmer verantwortlich ist.

Update folgt...

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