Virus
Fehlende Ausrüstung: Ebola-Fall würde nicht im Aargau behandelt

Die Aargauer Kantonsspitäler rechnen nicht mit Ebola-Patienten. Wer doch im Aargau krank würde, käme rasch in ein anderes Spital. «Ebola-Fälle sind in der Schweiz so selten, dass nicht jedes Spital über die dafür benötigte Ausrüstung verfügen muss.»

Manuel Bühlmann
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Ein US-Spital bereitet sich auf einen Ebola-Verdachtsfall vor - Das müssten die Spitäler im Aargau nicht tun

Ein US-Spital bereitet sich auf einen Ebola-Verdachtsfall vor - Das müssten die Spitäler im Aargau nicht tun

Keystone

Tausende Menschen sind in den vergangenen Monaten schon an Ebola gestorben. Das gefährliche Virus verbreitet sich in Westafrika fast ungebremst.

Die Krankheit hat inzwischen auch Europa erreicht. Mit der Erkrankung einer Madrider Krankenschwester hat sich erstmals eine Person ausserhalb der afrikanischen Risikogebiete angesteckt. Wären die Aargauer Kantonsspitäler auf einen Ebola-Fall vorbereitet?

Maria Inés Carvajal, stellvertretende Kantonsärztin

Maria Inés Carvajal, stellvertretende Kantonsärztin

AZ

Die stellvertretende Kantonsärztin Maria Inés Carvajal sagt, dass die Aargauer Spitäler für den Umgang mit dem gefährlichen Virus gerüstet wären: allerdings nur für die kurzfristige Isolation von Ebola-Patienten, nicht für eine Behandlung.

Deshalb müssten diese rasch von Baden oder Aarau in eine spezialisierte Klinik – in erster Linie nach Genf – überwiesen werden. So sieht es das Konzept des Bundesamts für Gesundheit vor.

Spezialisierte Spitäler sind nötig

Der Grund: Die beiden Aargauer Kantonsspitäler sind nicht ausgerüstet, um Ebola-Erkrankte zu behandeln. Dazu werden unter anderem Unterdruckzimmer und ein spezielles Labor benötigt, sagt Carvajal.

«Ebola-Fälle sind hierzulande so selten, dass nicht jedes Spital über diese Ausrüstung verfügen muss», erläutert sie. Schweizweit ist bisher ein einziger Ebola-Fall bekannt: 1995 wurde im Basler Universitätsspital eine Patientin behandelt, sie konnte das Spital gesund verlassen. Seither blieb die Schweiz vom gefährlichen Virus verschont.

Die Kantonsspitäler gehen denn auch von einem kleinen Risiko aus. «Die Wahrscheinlichkeit ist gering, dass ein Reisender erst im Aargau erkrankt», sagt Infektiologin Andrée Friedl. Wer sich im Ausland anstecke, werde primär ins Genfer Spital eingewiesen. Dennoch könne natürlich auch für den Aargau nicht ganz ausgeschlossen werden, dass es zu einem Verdachtsfall komme, sagt Friedl.

Pfleger sind besonders gefährdet

Sollte dieser unerwartete Fall trotzdem eintreffen, wären Ärzte und Pflegepersonal in den Kantonsspitälern vorbereitet. Mitarbeiter, die sich um Erkrankte kümmern würden, sind dafür geschult.

Im Gegensatz zur Schweinegrippe wird Ebola nicht über die Luft, sondern über Körperflüssigkeiten übertragen. Wer die Betroffenen pflegt, ist daher besonders gefährdet. Um die Ansteckung von Pflegenden wie in Madrid zu verhindern, liegt Schutzkleidung bereit: Maske, Überschürze, Handschuhe, Kopfhaube, Brille.

Ebola-Kranke werden meist in Zweierteams behandelt; eine Person überwacht dabei einzig und allein die Einhaltung der besonders strikten Hygienemassnahmen. Entsprechend zeitaufwendig ist die Betreuung der am Virus erkrankten Patienten.