Auf der Website von Corina Eichenberger stammt der letzte Eintrag in der Rubrik «Anlässe und Auftritte» aus dem Jahr 2016. Die fehlende Aktualität ist ein Zeichen, dass die 63-jährige Nationalrätin aus Kölliken, die am Mittwoch den Verzicht auf eine weitere Kandidatur bekannt gab, am Ende ihrer politischen Laufbahn steht.

In der Mitteilung stand nichts zu den Gründen für den Verzicht. Auf Anfrage sagt sie: «Ich bin seit 25 Jahren politisch tätig und seit bald 12 Jahren im Nationalrat.» Die lange, intensive Zeit habe ihr Freude und Erfüllung gebracht, doch nun sei es an der Zeit, «keine weitere Legislatur anzuhängen, sondern jüngeren Kräften Platz zu machen».

Verzicht freiwillig

Eichenberger hält fest, der Verzicht sei ihre freie Entscheidung, zumal die FDP keine Alters- oder Amtszeitbeschränkung kennt. «Ich bin der Überzeugung, dass es wichtig ist, von der Politik Abschied zu nehmen, bevor alle darauf warten und sich fragen, ‹wann geht sie endlich?›». Sie habe sich gern engagiert, folge aber dem Rat ihrer Grossmutter: «Man sollte immer gehen, solange es gut und schön ist.» Eichenberger ist zuversichtlich, dass die FDP Aargau auch ohne sie ihre drei Nationalratssitze halten kann. Die Partei sei gut aufgestellt, es gebe viele aussichtsreiche Kandidatinnen und Kandidaten.

Sie hält fest, die FDP habe fähige Frauen, «die in den Startlöchern stehen, bereits bei den Nationalratswahlen 2015 gut abgeschnitten haben und deshalb einen guten Listenplatz erhalten werden». Auf mögliche Kandidatinnen angesprochen, nennt Eichenberger die Grossrätinnen Maja Riniker, Sabina Freiermuth und Jeanine Glarner.

Mit ihrem Verzicht hat Eichenberger noch vor den Sommerferien das Personalkarussell bei ihrer Partei angestossen. Klar ist: Thierry Burkart tritt 2019 nochmals an. «Ich habe gegenüber der Kantonalpartei auf Anfrage mein Interesse an einer Wiederkandidatur angemeldet», sagt er auf Anfrage. Auch Matthias Jauslin, der wie Burkart seit 2015 im Nationalrat sitzt, stellt sich im kommenden Herbst wieder zur Verfügung. «Sofern ich nominiert werde, trete ich gerne nochmals an», sagt Jauslin.

Wer erhält den dritten Platz?

FDP-Wahlkampfleiter Jürg Willi kündigte am Mittwoch schon an, Kandidatinnen und Kandidaten für Eichenbergers Nachfolge würden «facettenreiche Kampagnen» führen. Wichtig ist aber nicht nur der Wahlkampf, sondern auch der Listenplatz. «Über die Listenzusammensetzung und die Reihenfolge entscheidet im Herbst die Geschäftsleitung», sagt Willi. In den letzten Jahren habe sich die Reihenfolge «bisherig, letztes Ergebnis, neu Kandidierende nach Alphabet» bewährt. «Wie auch immer über die Reihenfolge entschieden wird: Es wird ein faires, transparentes System sein», verspricht er.

Bei der Frage, ob zwingend eine Frau den begehrten dritten Listenplatz hinter Burkart und Jauslin erhalten soll, antwortet Willi ausweichend. Die FDP verfüge über viele, bestens geeignete und hervorragend positionierte Frauen und Männer. Letztlich entscheide der Parteitag, also die FDP-Basis, im Frühling 2019 über die Nomination.

Ginge es nach dem bisherigen System, würde Ulrich Bürgi den dritten Listenplatz erhalten. Der Grossrat und Chefarzt erzielte 2015 das beste Resultat der Nichtgewählten. «Ich habe noch nicht entschieden, ob ich wieder kandidiere», sagt Bürgi auf Anfrage. Angesichts der Konstellation könne er sich gut vorstellen, zugunsten einer Frauenkandidatur zurückzustehen.

Frauen melden Anspruch an

Martina Sigg, Grossrätin und Präsidentin der FDP-Frauen Aargau, sieht gemäss der Mitteilung vom Mittwoch «mehrere starke Frauen», die bereit sind, den frei werdenden Platz einzunehmen. «Ich kann noch keine Namen nennen, derzeit laufen Gespräche», sagt die Grossrätin, die sich selber auch eine Kandidatur überlegt, auf Anfrage. Dennoch lässt Sigg durchblicken, dass neben Maja Riniker, Sabina Freiermuth und Jeanine Glarner neue Kandidatinnen dazukommen dürften.

Definitiv nicht antreten wird Renate Gautschy: «Ich unterstütze die jüngeren Kräfte», sagt die Grossrätin und Präsidentin der Gemeindeammänner-Vereinigung, die nächstes Jahr 65 wird. Die erste Kandidatin auf den dritten Listenplatz und damit den Sprung nach Bern ist also Maja Riniker. Sie war 2015 hinter Eichenberger die beste FDP-Frau. Und die 40-jährige Grossrätin aus Suhr ist bereit: «Ich stelle mich gerne zur Verfügung, sofern ich von der Partei nominiert werde», sagt Riniker.