Regierungsratswahlen

FDP-Parteitag setzt auf SVP-Kandidatin Roth: «Diese Kröte müssen wir schlucken»

Franziska Roth

Franziska Roth

Der FDP-Parteitag folgt der Parteiführung: Für den zweiten Wahlgang unterstützen die Freisinnigen die Regierungsratskandidatin der SVP und geben eine Wahlempfehlung für Franziska Roth ab.

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Sie habe zahlreiche ermunternde Reaktionen aus Kreisen der FDP-Basis erhalten, die Flinte noch nicht ins Korn zu werfen, sagte BDP-Kandidatin Maya Bally noch gestern Nachmittag. Tatsächlich meldeten sich am FDP-Parteitag am Abend in Villigen dann auch einige Mitglieder zu Wort, die entgegen dem Antrag der Parteileitung forderten, die FDP solle Bally zur Wahl empfehlen.

Sinneswandel bei der FDP: Das sagt Parteipräsident Matthias Jauslin und der Politexperte Hans-Peter Widmer.

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Dieses Lager unterlag am Schluss dann aber doch recht deutlich: Es wurde zweimal abgestimmt. Unterstützung für SVP-Kandidatin Franziska Roth oder Maya Bally: 64 gegen 17 Stimmen für Roth. Unterstützung für Roth oder Stimmfreigabe: 70 gegen 25 Stimmen für Roth.

Dem Entscheid ging eine engagierte Debatte voraus, in der sich mehrere Votanten meldeten, die gar kein Verständnis für die Strategie der Parteiführung aufbrachten. Vor allem wurde kritisiert, dass die Wahlempfehlung keineswegs ausgesprochen werde, weil man von der SVP-Kandidatin überzeugt ist. Es gehe nur darum, SP-Kandidatin Yvonne Feri zu verhindern, und das sei keine souveräne Haltung, die der FDP gut ansteht, hiess es.

Das sei, als würde man aus Angst vor Hillary Clinton ins Lager von Donald Trump wechseln, meinte ein Parteigänger, der sich für eine Wahlempfehlung für Maya Bally stark machte.

In verschiedenen Wortmeldungen wurde darauf hingewiesen, dass von Seiten der Parteiführung SVP-Kandidatin Roth vor dem ersten Wahlgang mehr oder weniger deutlich als unwählbar bezeichnet wurde. Wenn man sie nun trotzdem zur Wahl empfehle, dann sei das ein Zeichen von fehlendem Rückgrat und werde sich für die FDP rächen.

Ja keine linke Führung

Tatsächlich meldete sich während der ganzen Diskussion niemand zu Wort, der für eine Wahlempfehlung zugunsten der SVP-Kandidatin gewesen wäre, weil sie ihn tatsächlich überzeugt hätte.

Sie habe im ersten Wahlgang auch Maya Bally gewählt, sagte etwa alt Regierungsrätin Stephanie Mörikofer. Nun stehe man aber vor einer ganz anderen Situation: Franziska Roth habe nun einmal von allen kandidierenden Frauen das beste Resultat gemacht, das schlecke keine Geiss weg. Nachdem die SVP an ihrer Kandidatin festhalte, würden sich die bürgerlichen Stimmen bei einer Unterstützung für eine andere Kandidatin splitten, und dann hätte SP-Frau Yvonne Feri die besten Wahlchancen.

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«Ich bekomme Mails von gefrusteten FDP-Wählern»: So reagieren BDP-Kandidatin Maya Bally und CVP-Präsidentin Marianne Binder am Dienstagnachmittag auf den Sinneswandel bei der FDP.

Wenn aber jemand das Departement Gesundheit und Soziales führen würde, der links aussen steht, würde das zu heftigen Konflikten führen, so Mörikofer. Darum gibt es für sie keine andere Wahl, als «diese Kröte zu schlucken». Das geflügelte Wort der zu schluckenden Kröte fiel mehr als einmal an diesem Abend. Um SP-Frau Feri zu verhindern, habe man keine andere Wahl, war das eine Argument. SVP-Kandidatin Roth die Unterstützung zu verweigern, würde der FDP Probleme einbringen und die Politik im Grossen Rat massiv erschweren, wo man auf einen starken Partner angewiesen sei, hiess ein anderes.

Deutlich besser als erwartet

Parteipräsident Matthias Jauslin räumte zur Erklärung der Haltung der Parteileitung ein, dass man von der Ausgangslage nach dem ersten Wahlgang etwas überrascht worden sei. Die FDP hatte drei mögliche eigene Kandidaturen in der Hinterhand, für den Fall, dass die SVP-Kandidatin abfallen und sich eine bürgerliche Alternative aufdrängen würde. Franziska Roth habe aber «deutlich besser» abgeschnitten, als man das erwartet hatte, so Jauslin.

Die FDP habe zu akzeptieren, dass sie über das Potenzial der SVP-Stammwähler hinaus mobilisierte. In dieser Situation sei das Risiko einfach zu hoch, mit einer eigenen Kandidatur nur der SP und ihrer Kandidatin Yvonne Feri in die Hände zu spielen.

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