Philipp Müller hat gestern Abend am Parteitag der FDP Aargau im Gemeindesaal Möriken nicht mit Superlativen gespart. Die Nationalrats-Wahlliste sei «hervorragend» und «eine der besten», so der abtretende Ständerat. Das muss die Liste auch sein, wenn die Aargauer Freisinnigen im Herbst die ambitionierten Ziele, die sie sich gesetzt haben, erreichen wollen.

Die Partei möchte nach Philipp Müllers Rücktritt nicht nur seinen Ständeratssitz halten, sondern im Nationalrat einen zusätzlichen, vierten Sitz holen. Das kündete die FDP Aargau bereits am Parteitag Ende September an.

Burkart führt die Liste an

Parteipräsident Lukas Pfisterer präsentierte die Liste der 16 Kandidatinnen und Kandidaten, welche die Partei ins Rennen schickt. Es sind acht Frauen und acht Männer. Dafür habe man weder basteln, noch jemanden zu einer Kandidatur überreden müssen, versicherte der Parteipräsident. Im Gegenteil: Es habe mehr Interessierte gegeben, als Plätze auf der Wahlliste.

Wenig überraschend führt der bisherige Nationalrat und Ständeratskandidat Thierry Burkart die Liste der Aargauer Freisinnigen an. Er holte bei den Wahlen 2015 nach Philipp Müller, der damals den Sprung in den Ständerat schaffte, am zweitmeisten Stimmen.

Auf dem zweiten Listenplatz ist der bisherige Matthias Jauslin. Weil die dritte freisinnige Nationalrätin aus dem Aargau, Corina Eichenberger, 2019 nicht mehr kandidiert, folgen bereits ab dem dritten Platz neue Kandidierende. Maja Riniker, Titus Meier, Sabina Freiermuth und Claudia Hauser belegen die Listenplätze hinter Jauslin. Alle vier sitzen aktuell im Grossen Rat, und alle haben schon 2015 kandidiert.

Auf dem ersten Ersatzplatz landete damals Grossrat Ulrich Bürgi. Er holte knapp 2000 Stimmen mehr als Riniker. 2019 tritt er aber nicht mehr an. Gut möglich also, dass Maja Riniker im Herbst den Sprung nach Bern schafft und Corina Eichenberger beerbt. Setzt sich Burkart als Ständerat durch, stehen auch die Chancen für einen zweiten, neuen Freisinnigen nicht schlecht.

Dass es jemand auf einem vorderen Listenplatz sein muss, der bald in Bern politisiert, ist nicht zwingend. Das zeigte bei den letzten Wahlen etwa Maja Riniker. Sie startete auf dem neunten Platz und holte mehr Stimmen als Titus Meier auf dem sechsten Listenplatz.

Und auf der FDP-Wahlliste finden sich auch auf den hinteren Positionen Politikerinnen und Politiker, die sich im Aargau einen Namen gemacht haben. Eine von ihnen hatte gestern am Parteitag ein Heimspiel: Jeanine Glarner, Grossrätin und Gemeinderätin von Möriken-Wildegg.

Auf Philipp Müllers Frage, ob sie im Ernst glaube, die in Bern warten auf sie, erwiderte Jeanine Glarner: «Ganz sicher nicht. Aber in Bern wartet niemand auf irgendjemanden. Die nehmen einfach die 200 Gewählten.» Sie könne sich aber vorstellen, dass der Aargau und ihre Fraktion etwas traurig wären, ginge sie nach Bern. «Im Bereich Energiepolitik macht mir im Aargau nur Bernhard Scholl etwas vor», so die Frischnominierte.

Ein anderer bekannter Name ist Adrian Schoop, Grossrat und Gemeindeammann von Turgi. Zumindest an seinen Wahlslogan «Schoop gibt Schub» dürften sich einige erinnern. Auch Philipp Müller griff ihn auf und fand, Schoop habe seither ziemlich Schub gegeben, ob er noch zulegen könne. «Natürlich», antwortete Schoop. Er habe sich in die Politik verliebt und wie das so sei mit der Liebe, verleihe diese eine unglaubliche Energie.

Die Nominierten in Bildern

Am gestrigen Parteitag präsentierten auch die Jungfreisinnigen ihre Wahlliste. Auch sie haben 16 Kandidierende nominiert. Allerdings sind es, mit wenigen Ausnahmen, junge Männer.