Manche FDP-Delegierte hatten am Dienstag einen langen Tag. Nach der frühmorgendlichen Fraktionssitzung, der Grossratssitzung und dem nachmittäglichen Fraktionsausflug folgte am Abend in Reinach der Nominationsparteitag für die Nationalratswahlen.

Präsident Matthias Jauslin fragte einleitend, woher die aktuell gute Wahlphase der FDP komme, und zählte mögliche hausgemachte Gründe auf. Jauslin: «Es dürfte eine Mischung von allen sein. Und die Schweizer Bevölkerung hat Extremlösungen satt. Wahltag ist aber erst am 18. Oktober.» Via Listenverbindung mit SVP und CVP wolle man den neuen 16. Aargauer Nationalratssitz ins bürgerliche Lager holen.

Getrübte Stimmung bei der Aargauer FDP: Am Dienstagabend nominierte die Partei ihre Nationalratskandidaten. Geredet wurde aber vor allem über den Fall Markwalder.

Getrübte Stimmung bei der Aargauer FDP: Am Dienstagabend nominierte die Partei ihre Nationalratskandidaten. Geredet wurde aber vor allem über den Fall Markwalder.

Diese 16 treten an

Niemand Geringerer als FDP-Regierungsrat Stephan Attiger stellte vor den 140 Anwesenden unter grossem Applaus die Kandidierenden vor, die einstimmig nominiert wurden. Auf der Liste treten demnach an: Philipp Müller (Reinach, bisher, FDP-Präsident, Ständeratskandidat), Corina Eichenberger (Kölliken, bisher), Thierry Burkart (Baden, Grossrat), Ulrich Bürgi (Aarau, Grossrat), Matthias Jauslin (Wohlen, Grossrat, Kantonalpräsident), Titus Meier (Brugg, Grossrat), Johannes Jenny (Baden, Grossrat), Claudia Hauser (Döttingen, Wahlkampfleiterin), Maja Riniker-Baumann (Suhr, Grossrätin), Sabina Freiermuth-Salz (Zofingen, Fraktionsvizepräsidentin).

Weiter Renate Gautschy (Gontenschwil, Grossrätin, Präsidentin Gemeindeammännervereinigung), René Leuenberger (Laufenburg, Unternehmer), Adrian Meier (Reinach, Grossrat), Bernhard Scholl (Möhlin, Fraktionspräsident im Grossen Rat), Gérald Strub (Lenzburg, Unternehmensberater) und Margrit Stüssi (Aarau, Einwohnerrätin). Die Aargauer FDP hält zwei Nationalratssitze.

Nein zu Erbschaftssteuer

Die FDP nutzte den Abend, um auch die Erbschaftssteuerinitiative zu diskutieren. Corinne Schärer von der Unia aus Bern (Pro) und Hans-Peter Zehnder aus Gränichen (Verwaltungsratspräsident Zehnder Group, kontra) vertraten je ihre Position. Der Reichtum sei sehr ungerecht verteilt, sagte Schärer: «2 Prozent besitzen 98 Prozent der Vermögen!» Die Bevölkerung wolle eine gerechtere Verteilung. Die Initiative würde 2 bis 4 Milliarden Franken in die AHV-Kasse spülen, warb Schärer für ein Ja.

Zehnder hingegen warnte, die Initiative erschwere oder verunmögliche in vielen Fällen die Nachfolge. Zehnder: «Mir ist keine Firma bekannt, die 20 Prozent in cash hält.» Für die Erbschaftssteuer müsste man sich dann also verschulden («dafür müsste man eine Bank finden»), sparen oder das Unternehmen verkaufen.

Die Schweiz kenne im Übrigen schon 1 Prozent Vermögenssteuer: «Wenn Sie die 25 Jahre lang zahlen, haben Sie bereits eine vorgezogene Erbschaftssteuer.» Der Parteitag beschloss einstimmig die Neinparole.

Hauptjob Preisstabilität

Daniel Hanimann, Delegierter der Schweizerischen Nationalbank (SNB), verteidigte in einem Referat die Aufhebung des Euromindestkurses. Die SNB habe in der Mindestkursphase die Bilanz fast verfünffacht: «Kein Land der Welt hat seine Währung so stark zu schwächen versucht wie die Schweiz.»

Hauptaufgabe der SNB sei aber Preisstabilität: «Daran müssen Sie uns messen.» Abschliessend sagte er, ein «Grexit» oder ein Auseinanderfallen des Euro seien nicht das Szenario der SNB.