Dem Regierungsrat werden in den nächsten Tagen nicht drei, sondern vier Wahlvorschläge für neu zu besetzende Sitze im Bankrat der Aargauischen Kantonalbank unterbreitet. Bekannt waren folgende Vakanzen: Den Sitz des ehemaligen, altershalber ausgeschiedenen Präsidenten Arthur Zeller wollte man erst bei den im Sommer anstehenden Gesamterneuerungswahlen wieder besetzen; der bei der Präsidentenwahl gegen Dieter Egloff unterlegene Vizepräsident Jörg Stumpf stellt sich nicht zur Wiederwahl; Josef Nietlispach ist aufgrund der Amtszeitbeschränkung nicht für eine weitere Amtsperiode wählbar. Dazu kommt jetzt ein weiterer Austritt: der von FDP-Nationalrätin Corina Eichenberger. Und zwar legt sie ihr Amt anders als ursprünglich vorgesehen per sofort nieder.

Corina Eichenberger sitzt neu auch im Verwaltungsrat der Basler Privatbank Dreyfus Söhne und Cie AG. Man sehe «keine unmittelbare Gefahr» von Interessenskonflikten, teilte die Kantonalbank auf Anfrage zum Umstand mit, dass Eichenberger eigentlich noch bis zum Ablauf der Amtsperiode Ende September im Bankrat bleiben wollte. Sie könnten sich allerdings zukünftig ergeben. Und um solchen allfälligen Interessenskonflikten vorzubeugen, habe Eichenberger den Bankrat bereits vor ihrer Wahl in den Dreyfus-Verwaltungsrat orientiert, dass sie nicht für eine Wiederwahl in den Bankrat zur Verfügung steht.

Im Zweifelsfall im Ausstand

Gleichzeitig im Aufsichtsgremium von zwei Banken: morgen vielleicht ein Problem, heute aber sicher nicht? Da besteht Erklärungsbedarf. Corina Eichenberger löste den vermeintlichen Widerspruch wie folgt auf: Die auf die Vermögensverwaltung fokussierte Bank Dreyfus baut eine Filiale in Zürich auf, wo die Kantonalbank-Tochter AKB Privatbank AG im gleichen Geschäftsfeld tätig ist. Das Dreyfus-Büro sei im Moment zwar noch gar nicht operativ. Weil es mit den Zürcher Plänen der Basler aber schneller gehe als ursprünglich angenommen, habe sie den Bankrat informiert und man sei übereingekommen, dass ein Ausscheiden per Ende September richtig sei.

Sofort Schlüssel abgeben

Das war der Stand gestern Mittag. Mit der Erklärung hätten sich im Grossen Rat, der Wahlbehörde des Bankrats, aber nicht alle zufrieden gegeben. «Frau Eichenberger muss per sofort aus dem Bankrat austreten, sie darf an keiner Sitzung mehr teilnehmen», sagte SVP-Fraktionschef Andreas Glarner gegenüber der az. Und er übermittelte seine Forderung am Nachmittag um 14 Uhr auch an Bankratspräsident Dieter Egloff, Finanzdirektor Roland Brogli und die FDP-Führung. «Allfällige Zutrittsbadges oder Schlüssel sind ihr sofort abzunehmen», heisst es in Glarners Mail. Und weiter: «Versuchen Sie uns nicht zu beschwichtigen.»

Dem Druck gebeugt

Glarner kündigte gegenüber der az an: Wenn die Situation bis dahin nicht geklärt sei, werde man in der ersten Grossratssitzung der neuen Legislatur am 30. April «sehr, sehr laut». Zwei Stunden später hatte die Drohung ihre Wirkung erzielt. Aufgrund der Bedenken bezüglich möglicher Interessenskollisionen habe sie sich entschieden, per sofort aus dem Bankrat der Kantonalbank auszuscheiden, teilte Corina Eichenberger mit. Das habe sie gestern Nachmittag auch Bankratspräsident Dieter Egloff schriftlich eröffnet.