Interpellation
FDP-Grossrätin fordert mehr Wohnungen für Menschen mit Behinderung

Grossrätin Martina Sigg (FDP) kritisiert, dass im Kanton Aargau nicht genügend Plätze in Wohneinrichtungen vorhanden sind für körperlich behinderte Erwachsene. Die Betroffenen würden in Kinder- und Pflegeheime abgeschoben.

Michael Hugentobler
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Martina Sigg (FDP): "Schwerst körperlich behinderte Erwachsene haben nicht genügend Plätze in Wohneinrichtungen."

Martina Sigg (FDP): "Schwerst körperlich behinderte Erwachsene haben nicht genügend Plätze in Wohneinrichtungen."

AZ

Schwerst körperlich behinderte Erwachsene, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, haben nicht genügend Plätze in Wohneinrichtungen, schreibt Martina Sigg (FDP) in ihrer Interpellation an den Regierungsrat. Die Wartelisten für Menschen mit Behinderung seien lang und junge Erwachsene würden entweder in Kinderheimen bleiben oder sich in einem Alters- und Pflegeheim anmelden müssen.

Gemäss Sigg steht dies im Kontrast mit der Aussage auf der Website des Kantons. Dort steht: «Erwachsenen Menschen mit Behinderungen steht im Kanton Aargau ein breites Einrichtungsangebot zur Verfügung, das auf die unterschiedlichen Bedürfnisse und Fähigkeiten der invaliden Menschen ausgerichtet ist und deren soziale und berufliche Integration fördert».

Lange Wartelisten für Wohnraum

«Ich weiss persönlich von Betroffenen, die wegen den langen Wartelisten sehr lange auf einen Platz warten müssen», sagt Martina Sigg auf Anfrage. Eltern hätten grosse Probleme, Wohnraum für ihre Kinder zu finden und würden auf Kinder-, Alters- und Pflegeheime ausweichen müssen. «Ich will vom Kanton wissen, ob er sich dieser Probleme bewusst ist», so Sigg.

Das Behindertenkonzept des Kantons Aargau sieht bei der Bedarfsplanung für Erwachsene in Wohneinrichtungen rund 1‘500 Plätze vor. Mit ihrer Interpellation will Martina Sigg Klarheit schaffen: «Ich will vom Kanton wissen, wie diese Anzahl Plätze erhoben wurde - ob sie ein Wunschdenken ist oder auf Fakten besteht», so Sigg. Falls der Kanton das Problem mit den langen Wartelisten und fehlenden Plätzen verneine, werde sie sich dafür einsetzen, bessere Verhältnisse zu schaffen.

Branchenverband kennt das Problem

Beim Nationalen Branchenverband der Institutionen für Menschen mit Behinderung (Insos) ist das Problem bekannt. «Wir hören zunehmend von der Schwierigkeit, geeignete Wohnplätze für Menschen mit schwerer Behinderung kombiniert mit herausforderndem Verhalten zu finden», sagt Barbara Lauber, Kommunikationsverantwortliche von Insos. Diese Klientengruppe wachse und stelle die Institutionen und Betreuenden im Bereich Wohnen vor grosse Herausforderungen.

«So ist beispielsweise der Betreuungsbedarf bei diesen Klienten sehr hoch - gleichzeitig muss das Raumangebot spezifisch angepasst werden», so Lauber. Insos Schweiz prüfe derzeit, wie gross dieses Problem in den verschiedenen Kantonen sei und inwieweit Handlungsbedarf bestehe.

Die Interpellation wird zu gegebenem Zeitpunkt vom Kanton beantwortet. Zurzeit nimmt der Kanton zur angeblichen Wohnungsnot für körperlich behinderte Erwachsene noch keine Stellung.

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